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Denn mit Scorpionen geiſſeln ſollt' man Deutſchlands räud'ge Böcke,
Ob auch blöcken rings die Schaafe, daß man ſolches ſich erkecke. Wächſt ja doch von Tag zu Tage hoch und höher ſtets die Schwüle, Der Gewiſſen rings im Lande, ſtreckend ſich auf ſeid'nem Pfühle.
Alſo ſchrieb die Litanei, ich, die phrygiſch rothe Mütze,
Richts zur Hundstagszeit geſchah' es, ſondern in des Zornes Hitze. In der ſchweren Noth der Zeit iſt zum Zipfel ſie geſtiegen, Alſo mag die Schwerenoth jeder Menſchenquäler kriegen.
—s
critiſche
Moritz, Grafen von Strachwitz: Neue Gedichte. Zweite Auflage. Breslau, E. Trewendt. 1849. 12. 240 Seiten.
Das zierliche Büchlein umſchließt viele Per⸗ len in ſeiner goldgeränderten Schale, auf deren Werth ſchon zum Theil bei einer früheren Be⸗ ſprechung aufmerkſam gemacht iſt.— Leider ſind es wol die letzten dieſem Dichterherzen entkeimten Blüthen, da es ſchon vor ungefähr zwei Jahren dem irdiſchen Sein geſchloſſen iſt. Gern würden wir des Dichters Anrede„an die Zarten“ ganz wiedergeben, doch iſt ſie für dieſen Zweck etwas iu lang und wir begnügen uns mit dem Haupt⸗ znhalte, nämlich dem Schlußverſe:
Seht ich laß' Euch Eure Blümchen, Eure Liebchen und Manierchen, Euer wohlerworb'nes Rühmchen,
Denn Ihr ſeid ſonſt gute Thierchen. Laß't auch mich; ich mag es leiden, Schlägt der Fink und girrt der Tauber: Doch aus roſt'gen Degenſcheiden, Klingt für mich ein eigner Zauber. Jeder Mann nach ſeinem Wahne;
Ihn verfechten nenn' ich Tugend. Jeder Mann zu ſeiner Fahne:
Meine Fahne iſt— die Jugend.
ʒ So kommt es denn auch, daß enaußer kräftigen, wackeren Vaterlandsliedern, ſeine Liebe auf fol⸗ gende Weiſe zu erklären weiß:
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Jahreszeiten 1.
S2* 6,. Wenne der ſchönen SSiteraint.
Erſte Meerfahrt.
Dem Leuchthurm vorbei und dem Hafendamm! O Herrin im Süden, Adel
Hochſpringend über den Wellenkamm
Erhebt ſich das meerdurchſchweifende, Schwarzbuſige, weitausgreifende Dampfſchnaubende Roß der See!
Und zwiſchen den Ufern hinterwärts,
Wie wird das Meer ſo breit,
Es ſtürzt ſich das Schiff wie ein Jünglingsherz Hinaus in das Unermeßliche;
O Herrin, Unbergeßliche
Wie bin ich von Dir ſo weit.
O Herrin im Süd, über Nordlandsfluth Wie ein Nordlicht zucke mein Lied, Und ſ Morganas Gluth Urplößlich vor die Träumende,
Das Meer, das hochaufbäumende,
Und den, der darüber zieht!
Iſidora. Tagebuch eines Einſiedlers in Paris⸗ Nach dem Franzöſiſchen von George Sand, freibearbeitet von Iſidorusorientalis. Bautzen. 1846. Schlüſſel. gr. 8. 162 Seiten.
Das Werk der berühmten Verfaſſerin dürfte dem Leſer wohl allgemein bekannt ſein und es würde überflüſſig ſein, darüber ein Wort zu ſa⸗ gen. Die Ueberſetzung läßt manches zu wün⸗ ſchen übrig.
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