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Wollt ihr wiſſen, wo der Vater, der dem Kind, das Brot erfleht,
Einen harten Stein nur bietet?— oder, wenn die Bitt' ergeht, Einen Fiſch ihm darzureichen, der ihm eine Schlange beut?— Suchet ihn auf deutſcher Erde und ihr findet ihn nicht weit.
Wollt ihr wiſſen, wo die Mutter, die, wenn ihre Kinder fragen:
„Wo iſt Gott?— zum Anſchaun einen Haderlump zu Neſte tragen? Und mit ihren kleb'gen Fingern, während man dem Götzen fröhnet, In den Taſchen ternimiret, alſo Gott und Welt verhöhnet?
O Germania, Rabenmutter!— Deine Söhn' im frendem Lande Schämen ſich, wenn man die Liſte aufſchlägt Deiner Sünd' und Schande, Denn wie eine alte Vettel, rothgeſchminkt' und aufgezierte, Buhlſt Du mit den röm'ſchen Pfaffen, eine ſchandvoll Proſtituirte.
Deine Töchter, blüh'nde Jungfrau'n, kuppelſt Du den geilen Bäuchen,
Die als Sünden⸗Laboranten durch die deutſchen Länder ſchleichen. Biſt auch eine von den Weibern, die, wenn Stand und Rang nicht ſchreckte, Man als argverfehmte Kuppl'rin sans fagon in's Zuchthaus ſteckte.
Nicht zu hart kann man Dich ſchelten, denn Du haſt, Gott ſei's geklagt,
Eine Schwiele vor der Stirne, die kein Geiſſelhieb zernagt. Was heißt Weisheit jetzt in Deutſchland? was iſt Staatskunſt, arg beräuchert, Der man Scheffelweiſ' die Kreuze, Schnall' und Bänder aufgeſpeichert?
Mögt dies Pröbchen davon nehmen, gar erbaulich anzuhören: Deliquent iſt wen's gelüſtet ſich des Römers zu erwehren, Und bekennt nicht die Symbole, oder ruſt nicht den Rabbinen, Ihn als guten Convertiten mit dem Meſſer zu bedienen.
Ja fürwahr: ſo weit verrannt hat ſich deutſche Politik,
Daß man ſtraflos Jude wird— doch kein Chriſto⸗Katholik. Schrillend in's Kathol'ſche Bockshorn bläſt die Staatskunſt ihre Schande, Und verjagt den echten Chriſten als Verbrecher aus dem Lande.
Und dies Alles, weil man ſchamlos auf dem Boden der Geſetze, Knetend in dem alten Sumpfe, Buhlſchaft treibt mit jener Metze, Der verruf'enen Meſſaline: Frau Juſtitia mit der Binde, Der die Augen längſt vereitert als ein Strafgericht der Sünde.
Ibre Waage hält die Schwebe, denn die Zunge ward geknebelt, Oder auch ſie iſt verroſtet, weil es ewig um ſie nebelt. In den Schalen aber hält ſich Lug und Trug und Tyrannei Immerdar die rechte Waage: links und rechts ein faules Ei.—
Aller Orten hört man Klage wie das Recht längſt abdicirt,
Und Gewalt, in deſſen Mantel, argdurchlöchert, eingeſchnürt, Den Gerichtsſtuhl eingenommen; d'rauf von laſterhaften Zungen Zeugniß der Verdammung eintauſcht, für den Preis den man bedungen.
Doch genug, es ſinkt die Geiſſel mir ermattet aus den Händen,
Uebergeb' ſie d'rum dem Richter, den nicht Gold, nicht Gluth kann blenden. Nimm ſie, öffentliche Meinung, und dem, der zunächſt entboten, Schlag' in jeden ihrer Stränge einen neuen, harten Knoten.


