Jahrgang 
1 (1850)
Seite
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die Academie) ſtiftete, die mit Gottes all⸗ mächtiger Hülfe noch nach Jahrhunderten als Lichtheerd im Norden, Kunſt und Wiſſenſchaft im Preußenlande verbreiten ſoll; auch als ich Euch heimführte, meine liebe freundliche Gemahlin, die in ſchuldiger Treue an uns alles Liebe und Gute erfüllet und den Abend unſeres Lebens ſo reich verſchönen hhilft. Sollte jetzt, in unſerm zweiundſiebenzigſten Lebensjahre, noch ein freundlicher oder betrü⸗ bender Wendepunkt in unſerm Leben eintreten, da die alte Erinnerung ſo lebhaft vor unſern Geiſt tritt?

So fragend, ſchloß der würdige hohe Herr ſeine Erzählung, als der Kammerdiener eintrat, die Ankunft des Fürſten Paul de la Scala meldete und im Namen deſſelben um die Erlaubniß bat, der fürſtlichen Durchlaucht ſeine Aufwartung machen zu dürfen. Beide Chegatten ſahen einander verwundert und fragend an.Seltſam, murmelte der greiſe Fürſt vor ſich hin,ſollte an das Erſcheinen dieſes Mannes wieder eine Vorbedeutung für mein Leben geknüpft ſein? Ob zum Guten, ob zum Böſen, wer kann im Buche des Schick⸗ ſals deutlich leſen! Er möge erſcheinen! rief er nach kurzem Sinnen dem Kammer⸗ diener zu, und nicht lange, ſo ſtand der Ge⸗ rufene vor dem fürſtlichen Paare.

Paul de la Scala oder, wie er abgekürzt gewöhnlich genannt wird, Scaliger war ein langer, wohlgewachſener Mann, der in ſeiner Erſcheinung etwas Anziehendes und Geiſt⸗ volles hatte. Die glänzende Hoftracht ſtand dem jungen Manne gut an; ſeine hohe Stirn wurde von dunkeln Locken umſchattet, hochge⸗ wölbte Augenbrauen gaben ſeinen dunkeln Angen einen ſchwärmeriſchen Ausdruck und ein ſtarker Bartkleidete ſeinem einnehmenden Geſicht nicht übel. Mit dem Anſtande eines Mannes, der daran gewöhnt iſt, ſich in den höhern Zirkeln zu bewegen, begrüßte Scaliger den

*) Die Königsberger Univerſität, nach ihrem Stifter Albertina genannt, wurde am 17. Auguſt 1544 ge⸗ ſtiftet und ihr erſter Rektor war Sabinus.

Herzog und ſeine Gemahlin und überreichte dem fürſtlichen Herrn zwei Empfehlungsſchrei⸗ ben, das eine vom Herzoge Chriſtoph von Würtemberg, das andere von einem Freiherrn von Ungnad, Kaiſerl. Landeshauptmann von Steier(oberſten Span der Grafſchaft Wa⸗ rasdin). In beiden Schreiben wurde ſein Verdienſt erhoben und im erſten erwähnt: daß Scaliger ſich nur nach Preußen begeben wolle, um von dort aus gelegentlich ſeinen Vetter, einen Fürſten von Serbien und der Walachei, in Polen zu beſuchen. Sowohl der alte Herzog wie ſeine Gemahlin fanden ſich durch die äußere Erſcheinung des jungen Mannes und durch ſein feines, beſcheidenes Benehmen beim erſten Anblick für ihn einge⸗ nommen. Auch ſprachen noch außerdem ſehr viele Umſtände zur Empfehlung des willkom⸗ menen Gaſtes.

Ueberdies bewies er dem Herzoge durch einen vom Kaiſer Ferdinand I. beſtätigten Stammbaum, daß er ein weitläufiger Ver⸗ wandter des Herzogs wäre.*) Ferner nannte er ſich vor dem Herzog einen Verbannten um Chriſti willen. Er ſei nämlich vom Kaiſer aus Wien verbannt, weil er zum Lutherthum übergetreten ſei. In Betracht dieſer und anderer Umſtände wurde er vom Fürſten als

Freund und Verwandter aufgenommen und

alsb ald deſſen erſter Rath und Miniſter. Der Herzog gab ihm ein Jahrgehalt von 1000 Gulden, ſchenkte ihm ein Haus nebſt Garten auf dem Tragheim in Königsberg (dieſes wird noch immer nach ihm in einer verunſtalteten Lesart Skaliſchen oder Kaliyten Hof genannt), außerhalb der Stadt aber das Städtchen Kreuzburg, nebſt Hof und Mühle und 200 Hufen wüſten Landes im Anger⸗ burgſchen. Dagegen verſchrieb Skalig auf ſeinen unbemerkten Todesfall dem Herzoge und ſeinen Erben ſeine eingebildeten Herrſchaften. *) Seincs Urältervaters Mutter war Cath. geb. Her⸗ zogin von Benevent; ſeine Großmutter Lucia geb. Markgräfin von Mantua; ſeine Aeltermutter Bar⸗ bara, eine Tochter Joh. Markgrafs von Branden⸗ burg, deſſen Bruder, Kurfürſt Albrecht Achilles, der

Großvater unſeres Albrecht war.

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