Jahrgang 
1 (1850)
Seite
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buche unſeres Lebenslzurückzuſchlagen und uns an Eurer Seite in jene Zeit zu verſetzen, wo unſere Wange noch in Jugendblüthe prangte und dieſe Hand mit Jugendkraft das Heldenſchwert führte. Ihr wißt ja, daß ich aus einem fruchtbaren Geſchlechte ſtamme: denn ich zählte 16 Geſchwiſter, und widmete mich unter meinen zehn Brüdern ſchon frühe dem Kriegsdienſte. In meinem achtzehnten Jahre kommandirte ich unter Jakob Hannibal, Reichsgrafen von Hohenembs, ein Heer in dem ſchönen Lande Italia. Nicht ſelten denke ich noch an manches dort Erlebte und ſeinen milden Himmel, wenn hier des Winters Stürme toben und Eis Feld und Flur in's Leichentuch hüllt und viele, viele Monate in Feſſeln ſchlägt. Ja, Erinnerung. du biſt ein Paradies, aus dem uns keine Erdenmacht je vertreiben kann. Wir hatten die alte be⸗ rühmte Muſenſtadt Padua erobert; die beute⸗ gierigen Soldaten ſtürzen, trotz meines aus drücklichen Verbots, plündernd in die Häuſer und wilder Jubel miſcht ſich mit Webgeſchrei, die flehenden Laute der italieniſchen Sprache mit den Drohungen meiner deutſchen Solda⸗ ten. In dieſem Gewirre eilt eine Frau in der Kleidung der höheren Stände über die Straße, wirſt ſich zu meinen Füßen nieder, umklammert verzweiflungsvoll meine Knie und fleht mich um ſchleunige Hülfe und Rettung für ihren Gatten an, den meine Soldaten ſoeben ermorden wollen. Ich folge der Vor⸗ gneilenden in ein nicht weit entlegenes Haus und kam gerade zur Zeit, um einem gräßli⸗ chen Frevel vorzubengen. Eine Rotte trun⸗ kener Soldaten war eben im Begriff, einen edlen Paduaner, den Gatten jener Dame, zum Tode zu führen, weil er ihrer Habgier im Augenblicke nicht zu genügen vermochte, als meine Dazwiſchenkunft ihr Verbrechen ver⸗ eitelte. Schnell wurde der unſchuldige Mann aus ihren Händen befreit, die Plünderer ver⸗ haftet, das Haus von den unwillkommenen Gäſten geſäubert und ſeinen Bewohnern eine Sicherheitswache zurückgelaſſen. Den Dank, die Freude der Familie kann ich Euch nicht

beſchreiben! Man muß die heftigeren Gefühle der Freude und des Schmerzes jener Italie⸗ ner kennen, um eine Idee von jener Scene zu haben. Die beiden Ehegatten, in der Blüthe und Schönheit des Jugendlebens, nebſt ihren Kindern, verſicherten mich ihres ewigen Dankes, und die junge Frau vermochte mich, dieſen Ring als ein Andenken an dieſen Vor⸗ fall von ihr anzunechmen.Verſchmähe dieſen Ring nicht von mir, edler Herr und Retter unſeres Lebens, ſo ſprach die junge Frau, er iſt ein Erbſtück unſerer Familie und die wunderbare Kraft ihm eigen, daß er dem Beſitzer anzeigt, wenn ſich irgend eine wich⸗ tige Veränderung in ſeinem Leben ereignen ſoll. Ich nahm ihn alſo auf ihr dringendes

Bitten an, um ſie nicht zu beleidigen, und

dachte durchaus nicht an die wunderbare Ei⸗ genſchaft, welche ihm zugeſchrieben wurde. Sonderbar hat ſich die Kraft deſſelben ſchon oftmals bewährt, und mein Blick wird un⸗ willkührlich auf dieſen Ring hingezogen, wenn irgend eine wichtige Veränderung in meinem Leben vorgehen ſoll. Ich trage ihn ſeit jenem Tage fortwährend am Finger. Jahre ver⸗ gingen, daß ich an ſeinen Beſitz nicht dachte; wenn ich aber einmal, wie durch Ine unſicht⸗ bare Macht dazu angetrieben, die auf ſeinem Steine eingegrabenen Charaktere näher be⸗ trachtete und mich lebhaft jeuer Begebenheit erinnerte; ſo ereignete ſich gewöhnlich eine wichtige Wendung in meinem Leben. So überbrachte mir der Ordensmarſchall, Graf von Eiſenberg, wenige Jahre darauf, als ich eben den Ring betrachtete, die Inſignien als Hochmeiſter des deutſchen Ordens.*) Ein gleicher Fall trat ein, da ich meine geiſtlichen Würden niederlegte und Preußen als ein weltliches Lehen von Polen empfing;**) und als ich Luther, den Gottesſtreiter, und Oſi⸗ ander zu Nürnberg kennen lernte. Der Ring ſchien mir glänzender zu ſtrahlen, da ich hier Im Jahre 1511 wurde Albrecht in ſeinem zwanzig⸗ ſten Jahre zum Hochmeiſter des destſchen Ordens erwählt. Den 10. April 1525.