Jahrgang 
1861
Seite
171
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ſagte er die

In parat on zu das

ſchie⸗ denn wollte teiſen, ſchon m. Er ſchlaf⸗ und dar⸗ zum ß er hlum⸗

ritten mmer leder. unſten ienen be⸗ denn ſie bald wie⸗ Vorke ſte⸗ etief ich. nicht mur⸗ dlich Allan gben jelles ichen. wenn hme.

Vor Allem aber muß ich warten, bis dieſer Gueſt mit ſeinen Sachſen abgezogen iſt, und beim Himmel ein wahrer Glücksfall iſt's, daß Alick, wie Gueſt ſagte, bereits heute Abend fortritt, denn deſſen Luchsaugen... Aber mein Gott, unterbrach ſie ſich plötzlich ſelbſt,wenn es ihnen an Nahrungs mitteln fehlte? Wohl nahmen ſie geſtern Nacht welche mit, aber auf ihrer eiligen Flucht werden ſie dieſelben weggeworfen haben. Sicherlich iſt es ſo,

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ſie mußte ſich an die Wand lehnen, um nicht um zuſinken.

Nun, wo halten wir jetzt, meine theure Tante? ſagte Alick Campbell mit furchtbarem Hohne.Wer⸗

den Sie jetzt zugeben, daß Sie in meiner Gewalt

und es bleibt mir daher nichts übrig, als ſie noch

heute Nacht aufzuſuchen.

Ueberdies kann ich ihnen

dann gleich meinen Plan mittheilen und ſie zugleich

auffordern, die paar Tage ſich ganz ruhig zu ver⸗ halten, bis die Sachſen fort ſind. Muth, Muth, es wird noch Alles recht werden!

So ſprechend nahm ſie das Licht, öffnete die Thür und ſchritt der großen Küche zu, welche ſich in einem ganz anderen Flügel befand. Mehrmals blieb ſie ſtehen und lauſchte, aber Alles war wie ausgeſtorben, und ſie hörte nichts, als das Pochen ihres eigenen Herzens! In der Küche angekommen, verſah ſie ſich mit kalten Speiſen, und ergriff zu⸗ gleich ein paar Flaſchen, welche ſie in die Taſchen ihres weiten Nachtmantels gleiten ließ. Dann ging ſie weiter, aber nicht auf dem Wege, welchen ſie hergekommen war, ſondern der großen Gallerie zu, an deren Ende das Schlafzimmer ihres verſtorbenen Gemahls lag, und wer ſie ſo geſehen hätte, wie ſie faſt lautlos dahin glitt, der würde ſie ſicherlich für die geſpenſtige Ahnfrau des Schloſſes gehalten haben! Aber es ſah ſie Niemand, denn die ganze Bewoh nerſchaft lag in tiefem Schlafe!

Sie öffnete die Thür des Schlafgemachs, und unwillkührlich leuchtete ſie mit ihrem Lichte rings herum. Es ſtand nicht Alles in derſelben Ordnung, wie früher, und namentlich ſchienen ihr die Vorhänge des großen Himmelbettes von fremden Händen be⸗ rührt worden zu ſein.

Sogar hier innen ſieht man die Spuren ihrer Häſcherdurchſuchung, murmelte ſie zornig;aber, fügte ſie nach einer Weile höhniſch hinzu,gefunden haben ſie doch nichts!

Mit feſtem Tritte ging ſie auf den Betaltar in der zweiten Fenſterniſche zu, zog ſodann einen glän zenden dreieckigten Stahl aus dem Buſen und drückte ihn in die Vertiefung des Knopfes, welcher an dem Kopfe des heiligen Duncan ſichtbar war. Sie drehte ſieben Mal nach Rechts, und ſogleich ſchob ſich die

Füllung auseinander, ſo daß der geheime Eingang

zu Tage trat. Bereits ſtreckte ſie die Hand aus, um an der Wand rechts nach dem Nagelknopfe zu

fühlen, auf welchen man drücken mußte, damit ſich

die Brücke über den Abgrund vorſchiebe, als ſie plötzlich leiſe Tritte vernahm und ſich, ehe ſie nur

Zeit hatte, ſich umzuſehen, von hinten ergriffen und

mit aller Gewalt auf die Seite geworfen fühlte.

Gelungen, gelungen! jubelte eine vor Auf regung heiſere Stimme, deren Klang die alte Lady mit Entſetzen erfüllte.

Sie drehte ſich um und vor ihr ſtand Alick Campbell, den ſie längſt viele Meilen weit von Schloß Neßby entfernt wähnte. Ihre Augen wur⸗ den ſtarr und ihre Knie verſagten ihr den Dienſt. Nicht Ein Wort konnte ſie hervorbringen,

Feierſtunden. 1861.

ſind?

Wie kommſt du hierher? fragte Lady Neßby nach einer furchtbaren Pauſe, indem ſie die Worte nur mühſam hervorſtieß, und ſich zugleich bemühte, ſich dem geöffneten Eingang in das geheime Ge wölbe zu nähern.

Machen Sie ſich keine vergebliche Mühe, meine theure Tante, fuhr Alick Campbell mit dem frühe⸗ ren Hohne fort, indem er ſich hart vor die Oeff⸗ nung ſtellte,und eben ſo wenig denken Sie daran, um Hülfe zu rufen, denn das Geheimniß käme ſonſt nur unter Hunderte von Menſchen, ſtatt daß ich bis jetzt allein in deſſen Beſitz bin.

Wie kamſt du hierher? wiederholte Lady Neßby faſt mechaniſch, denn es war ihr durchaus unbegreiflich, wie ihr Geheimniß könnte entdeckt wor⸗ den ſein.

Dort, rief Alick Campbell mit triumphirender Miene, indem er auf das mächtige Himmelbett deu tete;dort lag ich ſeit vier Stunden verſteckt. Aber Sie möchten gerne wiſſen, wie ich die Sache erra⸗ then habe? Ha, Sie kennen den Sohn Ihres Bru⸗ ders immer noch nicht, wenn Sie glauben, daß es möglich ſei, ihn zu überliſten! Rings um das Schloß herum hatte ich meine Kundſchafter verſteckt, um die Flüchtigen zu entdecken, denen zu liebe Sie mitten im Winter einen Landaufenthalt wählten. Geſtern Mittag endlich ſchlichen ſich die Hochver⸗ räther heran und niſteten ſich in demſelben Gebüſch ein, in welchem einer meiner Kundſchafter lag. Er machte Lärm, das Gebüſch wurde umzingelt, und Allan Glencairn nebſt Ulrik Crawford waren Ge⸗ fangene. Aber, meine theure Tante, mein Kund⸗ ſchafter zählte urſprünglich vier Flüchtlinge, und von dieſen wurden nur Zweie eingefangen. Wo blieben nun die beiden Andern?

Sein Blick ruhte wie der einer Schlange, die ihrer Beute gewiß iſt, auf der Lady Neßby; allein

eben dadurch bewirkte er, daß es der alten Dame

gelang, ihre völlige Selbſtbeherrſchung wieder zu ge winnen.

Nun, ſagte ſie in einem gleichgültigen Tone, wo blieben die beiden Andern?

Da, entgegnete Alick,wohin Sie die Speiſen in dieſem Korbe zu tragen im Begriffe waren! Ich

wußte es, daß die Flüchtlinge im Schloſſe ſein müß⸗

ten, und ich habe mich nicht getäuſcht. Die alte Lady beſann ſich einen Augenblick. Sie ſah ein, daß Alles abzuläugnen zu nichts helfen

würde; zugleich aber war ſie überzeugt, daß Alick

nur darauf ausging, aus der gemachten Entdeckung

ſo viel Vortheil als möglich für ſich ſelbſt zu ziehen,

denn ſonſt hätte er ſicherlich den General Gueſt und deſſen Leute zu Hülfe genommen. Hierauf gründete ſie nun ihren Plan.

Alick, ſagte ſie,wenn ich nun zugäbe, daß die zwei flüchtigen Jakobiten, von denen du ſprichſt, zwei alte Freunde meines verſtorbenen Gatten, hier unten verborgen wären, wie theuer müßte ich dein

ſondern Stillſchweigen erkaufen?

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