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wieder von Neuem. Ja, als er mit ſeinen Beglei⸗ tern ſchon in ein anderes Gemach vorgeſchritten war, kehrte er noch einmal um, und beſah ſich die⸗ ſes Zimmer zum zweiten Male, gerade wie wenn ihm ein innerer Inſtinkt ſagte, daß hier das von ihm geſuchte Geheimniß verborgen ſei!
Endlich war man mit der Hausſuchung fertig, allein ſo überaus ſorgfältig man auch dabei zu Werke gegangen war, und obgleich man ſie bis in die Nacht hinein fortgeſetzt hatte, ſo war doch ledig⸗ lich nichts gefunden worden. Der Ge⸗ neral Gueſt be⸗ ſchloß alſo, ſich zum Herzog von Argyle zu verfü— gen, um demſelben anzuzeigen, daß er nun vollkommen zufrieden geſtellt ſei. Zugleich ver⸗ band er damit die Meldung, daß er, weil man jetzt auch mit der Streife fertig geworden, den Tag darauf mit ſeinen Trup⸗ pen ebenfalls abzie⸗ hen werde. Gleich darauf verabſchie⸗ dete ſich Alick Camp⸗ bell von dem Ge⸗ neral, da er die Nacht hindurch rei⸗ ten wolle, um den in Edinburg wei⸗ lenden Herzog von Cumberland ſo ſchnell als möglich von dem, was hier vorgefallen, zu un⸗ terrichten. Merk⸗ würdig jedoch! Nachdem er ſich von dem General verabſchiedet hatte, wandte er ſich kei⸗ neswegs der Trep⸗ pe zu, welche in den Hof hinab⸗ führte, ſondern er ſuchte vielmehr die große Gallerie auf, um gleich darauf in der Dunkelheit zu verſchwinden!
Am heutigen Abend hatte faſt die ganze Be⸗ wohnerſchaft von Schloß Neßby ſchon frühzeitig ihr Lager gefunden, da die Meiſten den andern Morgen abreiſen ſollten, und es herrſchte daher bald eine tiefe Stille in den ſämmtlichen Gemächern. Länger als die Uebrigen waren der Herzog von Argyle und ſeine Schweſter bei einander geblieben, denn ſie hat⸗ ten gar Vieles zu beſprechen, ehe Maccullamore ſeine Reiſe nach London antrat. Doch endlich nahm auch dieſes Zwiegeſpräch ein Ende.
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(Siehe S. 186.)
„Es bleibt alſo bei unſerer Verabredung,“ ſagte die Gräfin Neßby, aufſtehend und ihrem Bruder die Hand reichend..
„Es bleibt dabei,“ erwiederte der Herzog.„In Dunden wirſt du meine wohlbemannte Barke parat finden, dich und die Deinigen ſicher nach London zu führen, und was dann weiter geſchehen ſoll, das
ſtellen wir der Zukunft anheim.“
Nochmals drückten ſie ſich die Hände und ſchie⸗ den dann, denn ſſſſſt der Herzog wollte ſo frühe abreiſen, daß er jetzt ſchon 1 Abſchied nahm. Er ſuchte ſein Schlaf⸗ zimmer auf und löſchte gleich dar⸗ auf ſein Licht, zum Zeichen, daß er ſich dem Schlum⸗ mer überantwortet habe. Auch die Gräfin hatte ihr Schlafkabinet be⸗ treten, aber ſie dachte nicht daran, ihr Lager aufzuſu⸗ chen, ſondern ging vielmehr, nachdem ſie ſich in ihren Nachtmantel ge⸗ worfen und ihre Kammerfrau ent⸗ laſſen hatte, mit unruhigen Tritten in ihrem Zimmer auf und nieder. Die verſchiedenſten Gedanken ſchienen ihren Geiſt zu be⸗ ſchäftigen, denn bald ſeufzte ſie ſchwer auf, bald murmelte ſie wie— der zornige Worte oder blieb ſie ſte— hen und dachte tief und lange nach. „Es kann nicht anders ſein,“ mur⸗ melte ſieendlich für ſich hin.„Allan und Ulrik haben ſich für ihn aufgeopfert, und ihm und Glaschelles iſt es gelungen, das geheime Gewölbe zu erreichen. Ich muß ihn retten, und der einzige Weg iſt, wenn ich ihn als Kammermädchen verkleidet mitnehme. Der Glaschelles kann einen meiner Bedienten vor⸗ ſtellen, und die Livree des alten Wilby wird ihm paſſen. Freilich den André Moggers, der mich mit einer berittenen Schaar bis nach Dunden zu eskor⸗ tiren hat, und meine alte Meg muß ich in das Geheimniß einweihen, denn ſonſt würden ſie über die neue Kammerjungfer und den wie vom Himmel gefallenen neuen Bedienten ſonderbare Gloſſen machen.


