Deshalb gehe ich ſelbſt dahin ab, damit die Ord⸗ nung erhalten bleibt und ich nicht am Ende für Dinge verantwortlich gemacht werde, welche ganz gegen meinen Willen laufen.“
Die Abreiſe fand alſo wirklich ſtatt, und wenige Tage nachher hatte ſich die Gräfin mit ihren Nich⸗ ten auf ihrer alten Stammburg ſo heimiſch, als es in dieſer rauhen Jahreszeit möglich war, eingerich⸗ tet. Auch wurde das Schloß in einen ordentlichen Vertheidigungszuſtand verſetzt, und ein Theil der waffenfähigen Mannſchaft des Clans aufgeboten, um Wachdienſt zu verrichten, denn die Gräfin wollte, wie ſie ſagte, Herrin in ihrem Eigenthum ſein. Im Uebrigen ging Alles ſeinen gewohnten Gang, und den beiden jungen Begleiterinnen der alten Lady war nichts auffallend, als daß ihre Tante diesmal einen andern Flügel des Schloſſes bezog, als ſonſt, wie denn namentlich ein ſonſt wenig betretener Sa⸗ lon, der neben dem früheren Schlafgemach des ver⸗ ſtorbenen Grafen lag, als gewöhnliches Wohn-⸗ und Arbeitszimmer benützt wurde. Sie ſchrieben dies übrigens lediglich keinem beſondern Grunde, ſon⸗ dern nur einer Laune der Gräfin zu, es natürlich nicht, eine Bemerkung darüber zu ma⸗ chen.
Etwa vierzehn Tage mochten ſo verfloſſen ſein,
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und wagten
es immerwährend praſſelte, wie wenn Waſſertropfen in's Feuer fallen. Sie ſaßen nun eine Zeitlang ganz ſtill, jede mit ihren eigenen Gedanken beſchäf⸗ tigt, da hörten ſie alle Dreie zumal ein Geräuſch im Nebenzimmer— demſelben Zimmer, welches frü— her von dem verſtorbenen Grafen als Schlafgemach benützt worden war—, und zu gleicher Zeit öffnete ſich die von dort hereinführende Thür.
„Gott und alle Heiligen,“ flſterte Conſtanze, zum Tode erbleichend, denn auf der Schwelle er— ſchien ein Mann, deſſen Umriſſe bei der ſchwachen Kerzenbeleuchtung nur ſchwer zu erkennen waren.
Aber Eine hatte ihn doch erkannt, und dieſe:
Eine war Alice!„Allan, Allan,“ ſchrie ſie jauch— zend vor Luſt, und im Nu hatten ihn ihre Arme umſchlungen und ihre Bruſt preßte ſich gegen die ſeinige.
Auch Conſtanze war aufgeſprungen, und ebenſo die alte Gräfin Neßby; aber die Letztere verließ ihre Geiſtesgegenwart nicht einen Augenblick.
„Stille, ihr Mädchen,“ ſprach ſie und ihre Stimme klang ſo ſtreng und herriſch, daß ihr un⸗ willkührlich gehorcht wurde.„Stille,“ wiederholte ſie noch ſtrenger als zuvor.„Wollt ihr denn, daß
die ganze Dienerſchaft aufmerkſam werde? Biſt du allein, Allan?“ fuhr ſie dann kurz fort, indem ſie
recht traurige, troſtloſe Tage, da man in dieſer
Einſamkeit nur gar wenig von der Welt erfuhr. Weder über Allan Glencairn, noch über Ulrik Craw⸗ ford, noch über ihre übrigen bei dem Aufſtand be⸗ theiligten Freunde, war auch nur die geringſte Kunde eingelaufen, und nur allein die Nachricht hatte André Moggers, der Intendant, welcher alle Tage auf Kundſchaft ausritt, mitgebracht, daß es der König⸗ lichen Regierung bis jetzt nicht gelungen ſei, ſo hohe
Preiſe ſie auch ausſetzte, ſich des Prinzen Karl
Eduard und ſeiner vornehmſten Anhänger zu be⸗ mächtigen. daß der Herzog von Cumberland nunmehr in Schott⸗ land eingerückt ſei, und mit ihm, und zwar als
Dagegen hatte er aber auch berichtet,
ſich an den eben Eingetretenen wandte.
„Ich wagte es,“ erwiederte dieſer leiſe,„im Ver⸗ trauen auf Ihre Großmuth, einigen Freunden das Aſyl anzubieten, welches Sie mir eröffnet haben.“
„Und Er, Er, iſt dabei?“ frug die Gräfin wei⸗ ter, indem ihre Lippen vor Erwartung bebten.
„Er iſt dabei,“ erwiederte Allan noch leiſer. „Wir waren nahe daran, vor Hunger und Elend zu ſterben.“—
„Ich wußt' es,“ flüſterte die Lady,„ich wußt' es, daß es ſo kommen würde. Tritt auf einen Augenblick in das Schlafzimmer zurück,“ fuhr ſie
dann lauter fort,„und ihr, Mädchen, ſetzt euch auf eure alten Plätze und ſtrickt ſo ruhig weiter, als
ſein vertrauteſter Adjutant, Alick Campbell, der
Räuber Alicens, der Todfeind Allan Glencairns!
Es war ſchon ziemlich ſpät am Abend, als André Moggers dieſe Nachricht überbrachte; allein trotzdem hatten die drei Damen nunmehr keine Luſt zu Bette zu gehen, denn die Gewißheit, daß Alick Campbell der Vertraute des Mannes ſei, den man gewöhnlich nur„den Henker“ nannte, war eine allzu wichtige, als daß ſie nicht Urſache gehabt hätten, darüber in Schrecken zu gerathen.
„Gott ſei uns für die Zukunft gnädig!“ ſeufzte Alice, die Hände ſtumm faltend.„Von Ihm allein können wir in dieſer furchtbaren Zeit Hülfe er⸗ warten!“
„Bete nicht für uns, Mädchen,“ entgegnete die Tante in ihrer gewöhnlichen trockenen Weiſe,„denn wir werden uns zur Noth ſchon zu ſchützen wiſſen; aber bete für die armen Flüchtigen, welche bei die⸗ ſem gräßlichen Wetter obdachlos umherirren, und
wäre nicht das geringſte Außerordentliche begegnet.“ Allan und die Fräulein gehorchten; die Lady
aber trat an die Glocke und ſchellte ihrer alten Kam⸗
merfrau Meg. b
„Meg,“ ſagte ſie, als die Kammerfrau gleich darauf eintrat, mit völlig gleichgültigem Tone, „brennt das Feuer auf dem Herde noch?“
„Gewiß, Milady,“ erwiederte dieſe, verwundert aufſchauend..
„Gut,“ fuhr die Gräfin fort.„Nun komm näher, Meg. Du weißt, daß ich immer große Stücke auf dich hielt, und zwar deswegen, weil du ſchwei⸗ gen gelernt haſt. Frage mich alſo auch diesmal um
Nichts, ſondern thue genau, was ich dir befehle.
doch noch froh ſein müſſen, wenn die Kälte und der
Sturm die einzigen Feinde ſind, welche ſie zu be⸗ kämpfen haben.“ 7.
In der That tobte der Wind ſo furchtbar, daß das Schloß, ſo feſt es war, zu erziktern ſchien, und
Du wirſt augenblicklich die ſämmtliche müſſige Die⸗ nerſchaft zu Bette ſchicken und nachſehen, daß dieſem Befehle Folge geleiſtet wird. Zu gleicher Zeit beor⸗ derſt du den André Moggers, meinen Intendanten, ſogleich hier zu erſcheinen, und wenn du dies gethan haſt, ſo läßt du das Feuer auf dem Herde friſch auflodern, und ſetzeſt von Speiſen bei, was dir in
der Schnelligkeit zu bereiten möglich iſt. Haſt du
der Hagelregemſchlug ſo heftig an die Fenſter, daß
mich verſtanden?“. Meg nickte und verſchwand augenblicklich, denn ſie war an die Weiſe ihrer Herrin ſchon zu ſehr
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