„Allan Glencairn,“ flüſterte die Dame.„Nie, nie werde ich dieſen Namen vergeſſen, und vielleicht kommt einmal die Zeit, wo ich im Stande bin, Ihnen den Beweis dafür zu liefern.“
„Und ich vergeß' ihn auch nicht,“ rief der junge Knabe, der Sohn der Dame,„und dem Großvater will ich ihn ſo oft vorſagen, daß er ihn auch nicht vergißt.“
170—
So trennten ſie ſich. Noch oft aber dachte Allan
an das Begegniß zurück, denn es wollte ihm nicht aus dem Kopfe, daß der Anführer der Wegelagerer kein Anderer geweſen ſei, als Alick Campbell, ſein Todfeind. Auch die Dame dachte vielmals an das Abentheuer.„Ob er mich wohl,“ ſagte ſie dann jedes Mal zu ſich ſelbſt,„ob er mich wohl ebenfalls hätte frei ziehen laſſen, wenn er gewußt hätte, daß ich die Prinzeſſin von Wales, und dieſer mein Knabe der dereinſtige Thronerbe von England ſei?“
58 Die Schlächt bei Culloden und ihre Jolgen.
Am vorletzten November zog die Armee Karl Eduards in Mancheſter ein, denn die Stadt, ſo groß ſie Auch war, hatté lediglich keinen Widerſtand geleiſtet. Sie wurde darum auch äußerſt glimpflich behandelt, und kam mit einer nichk a zu beträcht⸗ lichen Kriegsdeiſteuer weg. Am erſten“ December
verließ das Heer die Stadt wieder, und marſchirte in zwei Korps abgetheilt weiter.
Das erſte zog über Stockport, das zweite über Knottesford, und das Ziel von Beiden war London. Doch jetzt könnte man ſchon merken, daß man bald ernſtlichem Wider⸗ ſtande begegnen würde, denn alle Brücken über den Merſey waren abgebrochen und mußten mit(aus langen Pappelbäumen verfertigten) Nothbrücken er⸗ ſetzt werden. Endlich am dritten December befand ſich die nun wieder vereinigte Armee in der Ebene von Culloden dem Feinde gegenüber, und der fol⸗ gende Tag mußte darüber entſcheiden, wer künftig den Herrſcherthron von England einnehmen ſollte.
Uaeber den Verlauf der Schlacht von Culloden iſt ſchon allzuviel geſchrieben worden, als daß wir nöthig hätten, richten. Beide Armeen wurden von Königsſöhnen in Perſon, die Schotten von Karl Eduard, die Eng⸗
mit Weitläufigkeit darüber zu be⸗
Verluſten zurückweichen.
und brachte eine ſolche Verwirrung unter dieſelben, daß ſchon nach wenigen Stunden die ſchottiſchen Linien durchbrochen und einzelne Clane zur Flucht genöthigt wurden. Kaum bemerkte dies Karl Eduard, ſo beſchloß er entweder dem Kampfe eine andere Wendung zu geben oder aber auf dem Schlachtfelde zu ſterben. Er ſtellte ſich alſo an die Spitze des Clans Lochiel, der ſich ihm bis jetzt immer am er—
gebenſten gezeigt hatte, und ſtürzte ſich, gefolgt von
der tapferen Schaar, ſo wie von vielen Andern, die er in der Schnelligkeit ſammeln konnte, auf den Punkt, wo der Herzog von Cumberland, umgeben von ſeinem Generalſtab, hielt. Allein der Herzog zeigte an dieſem Tage, daß wirklich ein Stück von einem Feldherrn in ihm ſtecke. Er bemerkte alſo kaum die unverſehene Bewegung des Feindes, als er ihm auch ein ſchweres Küraſſierregiment entgegen ſtellte, während ſeine Adjutanten flogen, um noch andere Truppen von den beiden Flanken her zum Angriff zu beordern.
Der Zuſammenſtoß war ein furchtbarer. Die
Schotten griffen mit all' dem wilden Ungeſtüm an,
der ihrer Race eigen iſt, wurden aber von den Engländern mit einer ſolch' unerſchütterlichen Ruhe empfhngen, daß ſie augenblicklich auf ſich ſelbſt zurückprallten. Dreimal erneuerten die Schotten den Angriff, und dreimal mußten ſie unter ſchrecklichen Aber jetzt ließ der Herzog von Cumberland, da er inzwiſchen Verſtärkungen erhalten hatte, ſeinerſeits-zum Angriff blaſen, und nun gab s kein alt mehr für die ſchwer be⸗ drängten SPchländer. Wie feſte Mauern drangen die ſchweyen Reitergeſchwader vor und erdrückten Alles, was ihnen in den Weg kam. Bald war die Flucht“allgemein und nur an Einem Punkte leiſtete man noch Widerſtand; aber dieſer Widerſtand war auch ein ſolch' heroiſcher, daß er eines beſſeren Aus⸗ gangs würdig geweſen wäre. Hier ſtand Karl Eduard, umgeben von den tapferſten und treueſten ſeiner Clanführer, und vertheidigte ſich Mann gegen Mann gegen ſeine Feinde, von denen er mehr als Einen mit eigener Hand niederſtreckte. Ja, er be⸗ wies eine ſolche Bravour und Todesverachtung, daß ihm in dieſer Beziehung ſelbſt die engliſchen Ge— ſchichtsſchreiber Gerechtigkeit widerfahren laſſen muß—
ten! Doch immer kleiner wurde das Häuflein ſeiner
länder vom Herzoge von Cumberland befehligt, und n lä war förmlicher Wahnſinn! Allein immer noch wollte
beide Anführer thaten ihr Aeußerſtes, um ſich den Sieg zuſchreiben zu können. Allein die große Ueber⸗ zahl, die beſſere Bewaffnung und das ausgezeich— wetere Exercitium befand ſich auf Seiten der Eng— länder, deren Kern aus langgedignten deutſchen Truppen beſtand. So konnte das Rültat von An⸗ fang an nicht zweifelhaft ſein, wenn auch der unge⸗ ſtüme Muth der Schottländer nicht allzu gering an⸗ zuſchlagen war. Artillerie, welche der ſchottiſchen um's vierfache über⸗ legen ſein mochte, und überdies vom Oberſt Bed⸗ ford auf's vortrefflichſte geleitet wurde; denn wenn es dem Oberſten auch nicht gelang, der Schlacht dadurch, daß er im Anfang alleé ſeine Batterien gegen die Erhöhung, auf welcher Karl Eduard hielt, ſpielen ließ, ein ſchnelles Ende zu machen, ſo lichtete er doch die Reihen der Feinde ſo außerordentlich
*
Den Autsſchlag gab die engliſche
fentreißen.
Braven, und immer furchtbarer ſchwoll der Koloß der feindlichen Reiter an. Ein längerer Widerſtand
Karl Eduard nicht weichen, ſo ſehr auch ſeine Freunde in ihn drangen.„Laßt mich hier auf dem Schlacht⸗ felde ſterben,“ rief er verzweiflungsvoll,„ich ziehe den Tod der Schande vor!“ Wider ſeinen Willen,
ja halb mit Gewalt mußten ſie ihn endlich in ihre
Mitte nehmen, um ihn auf dieſe Weiſe zur Flucht zu zwingen und ſo dem allgemeinen Blutbade zu Ein Glück war's, daß in dieſem Augen⸗ blicke der Herzog von Cumberland einen Streifſchuß an di ange erhielt und hiedurch einige Verwir⸗ ude Reihen der Engländer erzeugt wurde, denn fönſt wäre es wohl den Wenigen, welche den Prinzen umgaben, nicht möglich geweſen, mit ihm zu entkommen!
Dies war der Ausgang der Schlacht von Cullo— den, und nie konnte man einen Sieg entſchiedener


