Fuſtere Wohnung des Curé zeigte mehrere
Mäge, welche keinesweges kirchlichen Inhalt di wo
ren, ſondern Dekrete der neuen Regierung ent: Einmal
Phielten. Ueber dieſe ward weder von unſerm Ehe⸗ his jetzt
eg paar, noch auch ſpäter von unſern Führern irgend die Wa
uns, ein Wörtlein gegen uns erwähnt, und wir ſelbſt mehr zu
les Nacht- vermieden jedes politiſche Geſpräch abſichtlich. Nur wandelt
Hauch; in einem von der bevorſtehenden Ankunft des Kaiſers und Niederſ
ſcht an der Brücke, der Kaiſerin hörten wir zuweilen ſprechen. wunder
Ftreffliche Bewirthung zu Bei Chede liegt ein klarer, von Bäumen be⸗ es ſeh
gute und ſehr reinliche Betten. ſchatteter See, der bei heiterem Wetter einen lieb⸗ Gria⸗,
Nrn Morgen in der Frühe wachten wir lichen Eindruck machen muß; grüne Wieſen umgeben Gletſch
auf und hörten wieder das ſtarke Plätſchern des ihn; unfern davon wälzt die Arve ihre tobenden Boſſon Regens, ſtärker, als am Abende.„Nun wird es Fluthen über Granitblöcke; ſtarre, zerklüftete Felſen, 9 bald beſſer werden,“ ſagte mein Reiſegefährte. Wohl, himmelan ſteigende, gewaltige Berge drücken der Tjieur wir hoffen!— Ein leichtes Fuhrwerk nahm uns einſamen Gegend das Gepräge des Erhabenen, dittiner⸗ auf; neben den Kutſcher ſetzte ſich eine ſehr geputzte, Schauerlichen auf, um ſo anmuthiger tritt dieſer Wunſch, nach Landesart geſchmückte Frau, ſehr jung noch, kleine ſpiegelhelle See mit ſeinen friſch grünen Um⸗ war in mit gelblicher Geſichtsfarbe, ſonſt friſch und anmu- gebungen vor das Auge. botel thig ausſehend. Unſer Fuhrmann bat uns zugleich Bevor wir Servoz erreichten, machte uns Auguſt das vol um Erlaubniß,„ſeine Gattin“,— das war die auf einen ſteilen, platten Felſen aufmerkſam, deſſen ſognom Frau,— nach Chamouny mitnehmen zu dürfen. Fuß mit ungeheuren Felsblöcken umgeben war. Vor galt: be Wurde gern gewährt. Der Regen wurde noch hef- hundert Jahren, erzählte er, ſtürzte hier ein gewal⸗ 68
tiger Berg ein; mehrere Tage hindurch lag eine
mein mitleidiger Reiſegefährte lud die Arme, g eir Wolke von Staub auf den Trümmern; unaufhörlich den J
tiger; ſchlugen,
der die kalten Tropfen in das Angeſicht
freundlich ein, in dem Wagen Platz zu nehmen, was lösten ſich Felſenſtücke ab und rollten mit einem ſilner; mit großem, in gutem Franzöſiſch ausgeſprochenem Gekrach, das ſtärker war, als die ſtärkſten Donner⸗ n; w Danke angenommen wurde. Wir bereuten es nicht; ſchläge, hinunter, alle Räume weit umher waren auf de denn es fehlte uns nun nicht an zum Theil anzie⸗ mit einer Art Aſche(es war pulveriſirter Marmor) vor un hender, zum Theil ſelbſt belehrender Unterhaltung, dicht bedeckt. Zwölf Menſchen und mehrere Heerden fand, zu welcher der weit über ſeinen Stand gebildete wurden gleich anfangs von den ſtürzenden Felſen ſüchten Kutſcher vom Bock aus auch dann und wann ein begraben.— Jetzt lag Alles ruhig, düſter und ernſt vergebe Scherflein fügte. neben uns.— ſonsale Man ſieht nur ſehr ſelten noch Männer und In Servoz wurde angehalten. Es regnete dosſchr Frauen in ihrer Nationaltracht. Dieſe trug ein noch immer, doch war die Luft nicht mehr ſo ſchcer übeteg laues, am Halſe mit ſchwarzen Knöpfen zierlich und und drückend, als am frühen Morgen; unſere Hoff⸗ eiganta ſichtig geſchloſſenes Kleid von einem wollenen Stoffe, nung auf beſſeres Wetter wuchs. Das junge Ehe⸗ linfer Üne lauge ſchwarzſeidene Schürze, an welche ſich paar frühſtückte mit uns an einem Tiſche, und wir Bais,; eerhalb ein Gilet von demſelben Stoffe ſchloß, freuten uns der Zurückhaltung und des guten An⸗ pwiſch hem anſchließenden Ueberwurf ähnlich; zu beiden ſtandes, mit dem es ſich zu benehmen wußte. üieng ſten dicht unter dem Halſe waren goldene Buckeln Jenſeits Servoz zeigte uns Auguſt ein Denkmal, leinere heftet, welche herabhängende Kettchen von dem- welches aus einer granitenen Säule mit marmornem dände dwen Peetalle trugen; eine goldene Kette umſchloß Poſtamente beſteht. Es iſt zum Andenken eines nißen Hs ſelbſt; jede ihrer Hände war mit fünf jungen talentvollen Mannes, F. A. Eſchen aus ſenden
Eutin, errichtet, welcher im Anfange dieſes Jahr⸗ d hunderts in eine achtzig Fuß tiefe Gletſcherſpalte des dG welcher die er—.
deyſ, verzierten Ringen geſchmückt. Als ich im
aufe ſes Geſpräches auf dieſe vielen Ringe hin—
dies, gte ſie:„o ich habe noch zwei“, nahm die⸗(9568 Fuß hohen) Büet ſtürzte, aus 4 ſhen Adeuls der Taſche und belehrte uns, es ſei hier fahrenſten Führer ſeinen Leichnam nur mit großen wie
Siteſaß die Verwandten einer Braut am Hoch⸗- Beſchwerden an das Licht bringen konnten. Die 8 eust derſelben ſchöne Ringe mit allerlei Emble⸗ Aufſchrift am Poſtament ſagt Gutes von dem Tod⸗ du n
Aeu ſkten; dieſen mit dem Kreuz habe ſie von ten und enthält eine Warnung für die, welche dieſe Thal
prenu frère, dem früheren inspecteur de po- Eisberge und Gletſcher beſteigen wollen... Jetzt lices jetzr aber maire, jenen mit den Täubchen von Bald darauf ſahen wir die bemoosten Trümmer ſuchen ihrer Tante u. ſ. w. Auguſt, ihr Gemahl auf dem des Schloſſes St. Michel, von welchem das Volk 5 Bock, fügte hinzu, dieſe Kleinodien würden als Fa⸗- ſich allerlei Märchen und Spukgeſchichten erzählt, desH milienſchätze ſorglich aufbewahrt. fuhren über die aus einer Felsſpalte hervorbrechende, nens Die Gatten unterhielten ſich in einem uns völlig drauſende Arve, und gelangten auf der ſteilen Straße, Liden unverſtändlichen Patois; bei der Prüfung einiger von deren höchſtem Punkte Glückliche den Mont— Fei Wörter und Vergleichung derſelben mit dem Franu⸗ blanc erblicken, in das Chamounythal, welches ſieben Rne öſiſchen ließ ſich kaum noch eine Aehnlichkeit auf- Stunden lang iſt und von Süden nach Norden ſich rnn finden, eben ſo wenig mit dem Italieniſchen; es hinſtreckt. Alle Bergrieſen ſahen wir mit Wolken dden, war ein eigenthümlicher, nicht übel lautender Dia⸗ bedeckt; nur der untere Theil ihrer gewaltigen Leiber Vald lekt. Alles in dieſer Gegend iſt katholiſch; von war zu erkennen. einäe Bigoterie trat uns keine Spur entgegen; in Ser⸗ Ich hatte keinen innigeren Wunſch, als den, bis voz lag der Gaſthof der Kirche gegenüber; die heute und am morgenden Tage nur Einen Blick auf ülnnn


