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den wolkenfreien, klaren Montblane werfen, nur Einmal ſeine herrliche Wölbung ſchauen zu können; bis jetzt war wohl die Hoffnung ſehr rege; aber die Wahrſcheinlichkeit der Erfüllung ſchien immer mehr zu ſchwinden; denn der ſtrömende Regen ver⸗ wandelte ſich in einen feinen, nebelartigen, feuchten Niederſchlag, und als wir durch das erſte Dorf des wundervollen Hochthales, les Ouches, fuhren, ward es ſehr dunkel. Dennoch ſahen wir den kleinen Gria⸗, dann den etwas bedeutenderen Taconay⸗ Gletſcher; impoſanter, in blendender Weiße trat der Boſſonsgletſcher hervor.
Da waren wir denn in Chamouny(oder la Prieuré, wie das Oertchen eigentlich nach einer Bene⸗ diktiner⸗Abtei heißt). Ein lange und heiß genährter Wunſch, ſeit Jahren gehegt, war erfüllt; die Seele war in großer Aufregung und Spannung; in dem Hotel royal(in dem neuen ſchönen Gebäude), das voll Reiſender war, begegnete man nur Phy⸗ ſiognomieen, die wenig Muth einflößen konnten. Es galt: hoffen und ſtille ſein.
Es war ungefähr um die zehnte Stunde Mor⸗ gens, in der wir uns von dem guten Auguſt und ſeiner Frau getrennt hat⸗ ten; wiederholt traten wir auf den Balcon, der ſich vor unſern Zimmern be⸗ fand, ſuchten die Flegére, ſuchten Montanvert,— vergebens; der weiße Boſ⸗ ſonsgletſcher zur Rechten, das ſchmutzige, grauſchwarz überzogene mer de Glace, eigentlich nur ſein Aus⸗ läufer, der glacier des Bois, zur Linken, die da⸗ zwiſchen liegenden Berge, oben ganz verhüllt, einige kleinere und größere Ge⸗ bäude dicht vor uns, die weißen Wellen der brau⸗ ſenden Arve, einzelne Fel⸗ der und Wieſen waren das Einzige, was wir zu Aber auch dies war ſchön, und wie viel Schöneres ließ es ahnen!
So blieb es bis um ein Uhr. Da hörte es auf zu regnen. Ein kühler Windſtrom zog durch das Thal; er ſchien das Gewölk verjagen zu wollen. Jetzt wollen wir eiligſt den glacier des Bossons be-⸗ ſuchen, ſprachen wir.
Wir kämpften uns durch den abſcheulichen Schmutz des Oertchens hindurch, das eigentlich nur aus ſchö— nen Hotels, einigen Handwerker⸗ und Kaufmanns⸗ Läden und ſchmierigen Hütten beſteht, traten in's Freie und wanderten einige Minuten auf der vom Regen völlig aufgeweichten Straße fort. Zur Rech⸗ ten hatten wir zum Theil ſchon abgeerntete Felder, oben, höher hinauf Matten mit einzelnen Gehöften, Waldung, Felſen; zur Linken ſtrömte die Arve, etwas weiter hin waren Wieſen und Baumgruppen, bis wo der granitene Fuß der Eisberge der Mont⸗ blanc⸗Kette ruht. Auf dieſe flog der Blick wieder⸗ holt hinüber.
Boſſonsgletſcher.
Da auf einmal, wie durch einen Zauberſchlag, reißen die Wolken oben, hoch oben; blendend weiße Felder treten hervor; Wölbungen, Spitzen, ein un— geheures Meer von Eis, aus dem ſich rieſige Wo— genhäupter erheben, die erſtarrt ſind,— Alles von einem wunderbar glänzenden Lichte übergoſſen;— das iſt der Montblanc! Auch die Aiguille de Gouté und Dôme de Gouté werden völlig ſichtbar, — aber nicht mehr,— und nur wenige Minuten bleibt der Vorhang aufgezogen; jetzt verhüllen die Wolken wieder das ganze, unausſprechlich prachtvolle, erhabene Bild.
Es läßt ſich nicht beſchreiben. Mit Dank gegen Gott, der unſere Bitte erfüllt hatte, mit einer nicht auszuſprechenden wonnigen Empfindung genoſſen wir das alle unſere Erwartungen übertreffende Schau⸗ ſpiel.
„Wir waren in demſelben Augenblicke, in welchem wir das erſte Weichen des Gewölkes bemerkten, die Hügel zur Rechten hinaufgeeilt, um einen höheren und richtigeren Standpunkt zu gewinnen, was uns gelungen war; als wir auf die Straße zurückgekehrt waren, trafen wir auf einen Reiſenden aus Nord⸗ deutſchland, der ſchon zwei Tage in Chamouny war und den Montblane nicht geſehen hatte; wir mäßig— ten unſer Entzücken, um ihn nicht zu ſehr zu be⸗ trüben und baten ihn, uns zum Boſſonsgletſcher zu be⸗ gleiten, was er mit Ver⸗ gnügen that.
Im Dorfe Boſſon ſteigt man auf einem gewunde⸗ nen Pfade durch Gebüſch und Geſtrüpp neben dem Bache, der dem Gletſcher aus blauer Wölbung ent⸗ ſtrömt, allmählig aufwärts und gelangt an die Mo⸗ räne, die aus größeren und kleineren Felsſtücken, Sand u. dgl., beſteht. Da wird das Steigen ſehr beſchwerlich, bis man zu den mächtigen Eis- und Schneemaſſen und der genann⸗ ten Wölbung kommt. Dann führt ein leichter zu beſteigender Bergpfad zur Rechten des Gletſchers aufwärts bis zu den wundervoll ſchönen, blauen und grünkryſtallenen hohen Nadeln, vielmehr Pyramiden, welche man umgeht, nochmals höher ſteigt und nun einen ziemlich breiten Theil des in Säulen, Schollen, Spitzen aufgethürmten Eismeeres überſchaut, oder überſchreitet, um dann auf einem andern Wege nach Chamouny zurückzukehren. Mein rüſtiger Gefährte zog es vor, mit unſerm Begleiter und dem Führer noch die Cascade du Pélerin zu beſuchen; ich war ſehr ermüdet und wandelte nach Boſſon zurück. Ein feiner Regen durchnäßte mich und es war mir ſehr angenehm, mich nach einer Stunde in unſerm Hotel umkleiden zu können.
Abermals ließ der Regen nach, die Berge aber blieben verhüllt. Wir wanderten im Garten unſers Hotels umher, der ſehr niedlich angelegt, auch mit


