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Gärten, welche zum Theil Villen einſchließ Theil kleine und zwar ſehr ſchmutzig ausſe Gehöfte, wie wir denn leider dies Prädikat& weiterhin noch vielfach anzuwenden Veranlaſſung fanden. Zwiſchen Chesne und Annemaſſe, wo ein Schild an einem Hauſe neben der Landſtraße die Viſirung der Päſſe fordert, welche aber, wie geſagt, nicht ſtattfand, obwohl man in einigen Wochen den
Beſuch des Kaiſers erwartete, fährt man über die
Gränze und iſt jetzt in Frankreich. Von da' an wird die Ausſicht freier und bietet mehr Mannig— faltigkeit. Man ſieht den weithin ſich ausdehnenden Grat des Mole, der hier ſeine Pyramiden⸗Geſtalt aufgibt und die Felſenmauer des Petit-Salève, an deſſen Fuße das Schloß Etrambière liegt, erſcheint ſchmaler und gleicht nach Matthiſſons bezeichnendem Ausdrucke dem koloſſalen Denkſteine eines nordiſchen Heldengrabes. Bald darauf hört man das Rauſchen der grünweißen Arve, und gelangt auf einer kunſt⸗ reich gebauten Brücke über das Manogethal. Unter mehreren Schlöſſern, welche man ſieht, zog uns am meiſten das alte Faucigny an; es liegt jenſeits Contanime auf einem ſteilen Vorberge; ſeine zer— trümmerten Mauern und Thürme blicken traurig auf die Landſchaft, der es den Namen gegeben hat.
Anblick.
In Bonneville hielt unſer Kutſcher ohne Wei⸗
teres an, um ſeinen Pferden etwas Ruhe und Fut⸗ ter zu verſchaffen. Der dicht an der Straße lie⸗ gende Gaſthof hatte wenig Einladendes; vielleicht lag es an dem Regen, der jetzt ſtromweiſe nieder⸗ ſchoß, vielleicht an den nicht eben höflichen Männer⸗ geſtalten, die uns entgegentraten, vielleicht auch bei mir an einer Erinnerung. Eine hochverehrte, theure Frau hatte mir nämlich vor nicht langer Zeit bei einer ſehr anziehenden Unterhaltung über eine Schweizerreiſe warnend mitgetheilt, daß hier die Reinlichkeit und Sauberkeit nicht gerade zu den hervortretenden Eigenſchaften gehöre. Daran dachte ich bei dem Betreten der düſtern Treppe. Mein lieber Reiſegefährte trank Kaffee; neben ihm ſtand Brod, Butter, Käſe und eine ziemlich große Glas⸗ flaſche, aus welcher er ſich ein Glas zum vierten Theile gefüllt hatte. Eine Bouteille Beaujolais, ein ſehr gerühmter Landwein, ward gebracht und
entkorkt; der Inhalt war einer penetranten Säure
wegen gar nicht zu genießen; der große, dicke Wirth, darauf aufmerkſam gemacht, ſagte: Monſieur, Sie ſind der Einzige von allen meinen Gäſten, dem die⸗ ſer Wein nicht ſchmeckt, worauf ihm beſcheidentlich erwiedert wurde: dann liegt es vielleicht an dieſer Flaſche! Er nun, des Werthes ſeiner Waare ſich wohl bewußt, antwortete nichts, wandte ſich und ging davon,— und ließ ſich ſchließlich drei Francs für den Weineſſig bezahlen. Obwohl nicht gerade leidenſchaftlicher Homöopath, mochte ich doch keinen Kaffee trinken, ſondern wollte mich lieber mit etwas friſchem Waſſer erquicken, ſchenkte ein Glas aus der obengenannten Flaſche halb voll, nahm einen tüch⸗ tigen Schluck— und verbrannte mir faſt den Gau— men, denn die Flüſſigkeit war ſogenannter Kirſch⸗ geiſt. Ich verbiß mit einigem Pruſten meinen be⸗ denklichen Irrthum, um mir vor einer deutſchen Familie, welche eingetreten war, kein Dementi zu geben. Deutſche Reiſende werden ſchnell bekannt
mit einander, wenn ſie gemüthlich ſind; unſere Herrn Schüler jeden Augenblick erwartet würden,
Ra hinaul war, tröſts nahmen Abſchict das, dem Bodethals Arve, das jedoch zuweilen namentlich mit Tauſenden von Nul pflanzt iſt, über Cluſes, neben den ſchröf de Varens hin, an der ſchönen Cascade von Arpe⸗ naz vorbei, nach St. Martin zu gelangen. Die Cascade von Arpenaz, unweit des Dorfes Magland, welches ſchmutzig genug ausſah, hat mehr Höhe, als Fülle; es iſt„keine donnernde Waſſer⸗ ſäule, deren gewaltiger Sturz Felſen aushöhlt, ſon— dern ein leicht herabwehendes Silberband, das an der grauen Steinwand flattert, und ehe es noch ſein moos-(und felſen-) umkränztes Bett erreicht, ſich in den feinſten Diamantſtaub auflöst.“ Trotz des vie⸗ len uns umrauſchenden Waſſers vom Himmel herab, gewährte uns doch der Waſſeerfall einen erfreulichen
Hotel Royal in Chamouny.
Unweit der Brücke von St. Martin, Nchen Ort wir beim anbrechenden Abende erreichten und wo wir gar gern in dem uns ſehr empfenen Gaſthofe zum Montblanc geblieben wären, weder Kutſcher es geſtattet hätte(der in den letztenen— den eine brillante Rednergabe geoffenbart hatzit welcher er ſeine Vorzüge in's Licht ſtellte, 25 der durchaus in dem nahen Sallanches übernächten wollte), unweit der ſtattlichen, ſoliden Brücke hat man einen überaus belohnenden Blick auf den Mont⸗ blanc, der bis dahin von Genf aus faſt immer von andern Bergen verſteckt wird; wir erfreuten uns in dieſer Stunde deſſelben leider nicht; und eben ſo wenig eines Nachtquartiers in Sallanches. Denn, als unſer Wagen vor dem Hotel Bellevue hielt, das von allerlei Volk umlagert war, erklärte uns zuerſt gerufene artigere Wirth, daß ſechzig Betten für eine Schule aus Paris bei ihm beſtellt ſeien, und daß die


