Jahrgang 
1861
Seite
19
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Das iſt das Grab der Reichen, meinte der Todtengräber in ſeiner trocken ſarkaſtiſchen Weiſe.

War ſehr ſchön im Anfang, und die Todte ruhte

unter einem förmlichen Blüthenmeere. Schade, daß Sie ſo gar lange ausgeblieben ſind, denn Sie hät ten gewiß einen Gefallen daran gefunden. Hätten auch den Wittwer kennen lernen können, der das Monument in den erſten paar Monaten mit ſeinen Kindern regelmäßig alle Wochen beſuchte, denn er war, wie ſich von ſelbſt verſteht, untröſtlich, und

überdies hatte ihn das Monument viel Geld ge⸗

koſtet. Freilich noch vor dem Ablauf der kurzen Trauerzeit hörten die Beſuche auf, denn der reiche Herr heirathete wieder, und über dem Glücke dieſer

zweiten Ehe vergaß er die Andere, die da unten im

Sarge modert. Es wäre wahrhaftig unſchicklich ge weſen, wenn er anders gehandelt hätte! Zur Steuer

; Wahrheit aber muß ich zugeſtehen, daß den Kin-

errn der Verſtorbenen von der zweiten Mutter nicht

geradezu verboten wurde(wie hin und wieder ge⸗

ſchehen ſoll), das Grab ihrer Mutter zu beſuchen.

O nein, das geſchah nicht; im Gegentheil, die drei

Kinder ich erinnere mich genau, daß es drei waren kamen am erſten Jahrestage des Todes ihrer Mutter, unter Aufſicht einer Gouvernante, in Kompagnie hierher und brachten Blumen und Kränze in Maſſe mit. Am zweiten Jahrestage kam aber nur noch das älteſte Töchterlein, und diesmal nicht mit der Gouvernante, ſondern mit einer Magd, die einen einzigen Blumenſtrauß trug. Sie legten den Strauß auf das Grab nieder und entfernten ſich dann eiligſt, weil die neue Mutter ein zu langes Ausbleiben verboten hatte. Magd nicht, den Strauß nach einer Stunde wieder zu holen. verwelkt, meinte ſie!

Und heuer, am dritten Jahrestage? fragte ich beklommen.

Auch verabſäumte die Ich glaube, es war ein kurzer Spruch aus der Bi⸗

Er wäre ja doch nur unnützerweiſe hier

So iſt er wohl geſtorben? rief ich mitleids⸗ voll.

Dieſes weniger, entgegnete er kalt,wohl aber verdorben und jetzt in alle Ferne gezogen, wie's lie⸗ derlich Blut mit ſich bringt.

Und die Kinder? fragte ich, im Innerſten ver⸗ wundet.

Die Kinder? erwiederte er in ſeiner alten Weiſe.Nun, die ſind ſo aufgehoben, wie Kinder dieſer Art aufgehoben werden, im Waiſenhauſe.

Ein zorniges Wort lag auf meinen Lippen, aber ich konnte es nicht äußern, denn er zog mich plötzlich rückwärts hinter den großen Baum, in deſſen Schat⸗ ten er vorhin ſchon, vor meiner Ankunft, verborgen gelegen hatte.

Stille, flüſterte er,ganz ſtille! Da kommen ſie, und es wäre Sünde, ſie in ihrer Andacht zu ſtören.

Wir kauerten uns nieder, ſo daß uns das dichte Strauchwerk faſt ganz bedeckte. Doch war es uns möglich, durch das Laubwerk hindurch Alles genau⸗ zu beobachten. Der Ankommenden zählte ich Drei, einen Mann in gut bürgerlicher Kleidung von viel⸗ leicht achtundzwanzig oder dreißig Jahren und zwei Kinder, einen Knaben und ein Mädchen von etwa fünf und vier Jahren, alle Beide, wie der ältere Mann, gut aber einfach gekleidet. Sie gingen lang ſam vorwärts bis vor die dritte Grabſtätte, welcher ich meine Aufmerkſamkeit zu ſchenken bisher noch nicht Muße gefunden hatte. Aber jetzt ſah ich ge nau hin und ein wirklich beſeligendes Gefühl durch⸗ bebte mich. Zu Häupten des Grabes ſtand ein ein⸗ facher Stein mit einer eben ſo einfachen Inſchrift.

bel; aber ſo ſauber gehalten war der Stein und ſo hell und friſch glänzte die Inſchrift, als wäre ſie

erſt eben jetzt vom Meiſter fertig gemacht worden!

Heuer iſt gar Niemand gekommen, erwiederte Geſträuche ſo ſaftig und weich, wie wenn ſie eben

der alte Mann trocken.

Ich wandte mich traurig ab und ſchaute auf die zweite Grabſtätte. Dieſe war äußerſt einfach nur mit einem hölzernen Kreuze geſchmückt, auf dem nichts als ein Name und eine Jahreszahl ſtund. Ich habe ſchon oft ſolche hölzerne Kreuze mit tiefer Wehmuth betrachtet, denn ſie ſind ja meiſt ein Be⸗ weis ſowohl von der Armuth des Stifters, als auch von ſeinem guten Willen. Was kann er dafür, daß es ihm nicht möglich iſt, ebenfalls ein ſteinern Mo nument für die Ewigkeit zu ſtiften, wie der Reiche daneben? Iſt nicht ſein Groſchen ſo viel werth und ein eben ſo großes Teſtimonium ſeiner Liebe, als die Doppeldublone ſeines Nachbars, der möglicher⸗ weiſe nur prunken wollte, ohne etwas dabei zu füh len? So dachte ich ſonſt immer, aber diesmal widerte mich das Kreuz an, denn um daſſelbe herum wucherte Unkraut und Riedgras, und es ſelbſt ſtand ſchief wie zum Umſtürzen reif.

.Das iſt das Grab der Armen, meinte mein Führer,derſelben, welcher ich wegen ihrer Armuth den Ehrenplatz in der Mitte einräumte. Aber dies⸗ mal kam ich ſchlimm weg mit meinem Ehrenplatze, denn der Wittwer hat, ſeit das Kreuz hingeflickt wurde, auch nicht ein einziges Mal mehr nach der Grabſtätte geſehen.

Und nun vollends das Grab! War das ein Grab, welches ſchon drei Jahre zählte? Grünten nicht die

erſt gepflanzt worden wären? Freilich Alles ſo ein⸗

fach, wie der Stein, aber welche Sorgfalt, welche Pflege? Beim Himmel, die, welche hier unten ruht. ſchlief weich gebettet, vom Blüthendufte der Liebe umweht!

Er hat ſich über ſeine Kräfte angeſtreng als er ihr dieſen Stein ſetzte, flüſterte der alte Dten⸗ gräber, als er die Tropfen in meinen Aug ge⸗ wahrte.Ja, weit über ſeine Kräfte, denn iſt 71 kaum wohlhabend zu nennen; aber ich hoffe,ine Liebe ſoll ihm Segen bringen.

Ich hatte keine Zeit, ihm zu antworten nunmehr mußte ich alle meine Aufmerkſamkeit auf, die drei Beſucher des Grabes richten, da ſie jetzt dicht vor demſelben ſtanden. Alle Drei hatten Kränze mitgebracht, welche ſie auf dem Grabe nie⸗ derlegten, und offenbar ſtand der dereinſtige Ehe⸗ gatte der Verſtorbenen vor mir nebſt ſeinen beiden Kindern, den Halbwaiſen. Der Mann nahm ſeinen Hut ab und ſtützte ſich, die Hände übereinander legend wie zum Gebete, auf ſeinen Stab. Seine Augen richteten ſich tiefſinnend auf die Grabſtätte, und er betete wohl im Stillen ein tiefgefühltes Vaterunſer; neben ihm aber, zu Füßen der todten Mutter, knieten die beiden Kinder nieder, der Knabe

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