Jahrgang 
1861
Seite
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bat ihn, mir einiges Nähere über die Lebensſchick⸗ ſale der drei Verſtorbenen mitzutheilen.

Lebensſchickſale? rief er, eine Scholle nach der andern auswerfend.Was kann ein Weib Lebens⸗ ſchickſale haben! Sie wurden alle Drei geboren, wuchſen auf, nahmen Männer, und gaben einigen Kindern das Leben. Dann legten ſie ſich hin und ſtarben. Das war Alles!

Aber ſie nahmen doch verſchiedene Stellungen im Leben ein, fuhr ich fort,und hatten inſofern auch verſchiedene Schickſale?

Pah! entgegnete der Todtengräber.Was iſt da für eine Verſchiedenheit! Sie beſteht aus nichts als aus mehr oder weniger Geldhaben und aus mehr oder weniger ſchönen Kleidern! Nein, der

Tod erſt macht den wahren Unterſchied, der Tod

erſt zeigt, wie verſchieden die Verſtorbenen im Leben daran waren! Wie iſt das zu verſtehen, Alter? fragte ich, denn er ſchien mir in Räthſeln zu ſprechen. Werden's ſchon einſehen, erwiederte er mit halb traurigem, halb höhniſchem Lächeln.Wer⸗ den's ſchon ſehen, wenn Sie die drei Gräber hier

über's Jahr wieder beſuchen! Will Ihnen auch einen

Anhaltspunkt geben. Die Reichſte und Vornehmſte erhält das Grab links, und die Halbvermögliche das rechts; die Aermſte aber habe ich in die Mitte ge bettet, auf den Ehrenplatz, damit ſie im Tode wenig⸗ ſtens einmal den Genuß habe, welcher den Reichen im Leben alle Weile zukommt. Daran denken Sie,

wenn Sie die drei Gräber wieder beſuchen, und dann werden Sie mit mir ſagen: der Tod erſt macht für keine Thorheit, zu ſterben, fuhr der alte Mann

den wahren Unterſchied.

Mit dieſen Worten warf er die letzte Schaufel

Erde herauf, ſtieg dann ſelbſt an's Tageslicht und ſagte mir ein kurzes Adieu. auch ich den Kirchhof, nachdem ich mir noch den Todestag der drei jungen Frauen gemerkt hatte, um ſpäter ihre Ruheſtätte deſto leichter wieder zu finden.

Drei ganze Jahre lang dachte ich nicht mehr an

de Worte des Todtengräbers, denn ich war dieſe

Fanze Zeit über in entfernteren Gegenden abweſend und mit ganz andern Dingen beſchäftigt. Als ich jedoch nach dieſer langen Zwiſchenzeit wieder durch's Thor jener Stadt fuhr, mußte ich unwillkührlich auch des Gottesackers daſelbſt gedenken. vielten zählen wir denn morgen? ſagte ich zu mir ſelbſt, meinen Taſchenkalender hervorziehend.Rich⸗ tig, es iſt, wie ich vermuthete; morgen haben wir den achtzehnten September, den Todestag jener drei Frauen, deren Grab ich vor drei Jahren machen ch. Da muß ich doch nothwendig morgen den Kirchhof beſuchen, und wäre es auch nur um zu ſehen, wie die Worte des Todtengräbers, die er dazumal geſprochen, zu verſtehen ſind.

weitem erblickte. Die Sonne ſchien hell und warm, trotz der vorgerückten Jahreszeit, und die Vögel zwitſcherten ſo fröhlich in der Luft, als ob der Früh⸗ ling erſt begonnen hätte.

I ſten Putze. Allein immer einſamer wurde der Weg,

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Gleich nachher verließ

Den wie⸗ 1 f liche Grabſtätten verwandelt. Aber wie verſchieden

Alle Welt luſtwandelte, und Männer wie Frauen zeigten ſich in ihrem ſchön⸗

je mehr ich mich dem Kirchhofe näherte, und wie

ich gar in ſeine ſtillen Räumlichkeiten, über welche eine faſt heilige Ruhe ausgegoſſen lag, eintrat, ſo ſah ich rechts und links Niemanden mehr, der das⸗ ſelbe Ziel wie ich verfolgt hätte. Und doch war es ſo ſtill und heimlich und ſchattig hier, wie ſonſt wohl auf keinem der vielen anderen Spaziergänge, auf denen es von Beſuchern wimmelte! Aber frei lich, die Luſtwandelnden dachten an's Leben und wollten mit den Todten nichts zu ſchaffen haben!

Es hatte ſich Manches verändert, ſeit ich das letzte Mal hier geweſen war. Manch' neues Grab war aufgeworfen worden, manch' ältere Stätte ſah verwitterter und herabgekommener aus, als früher, und manch' traulich Plätzchen ſah ſich jetzt von einem hohen und prunkenden Denkſteine überragt, deſſen goldene Inſchrift weithin glänzte. So ging ich vor⸗ wärts und vorwärts immer der Richtung nach, wo nach meiner Erinnerung die drei Gräber, nach denen ich ſuchte, zu treffen ſein mußten. Zugleich ſah ich mich nach meinem alten Freunde, dem Todtengräber um, der mir ſonſt immer faſt wie von ſelbſt in die Hände lief; aber ſo weit ich auch meine Augen herumſchweifen ließ, ſo wollte er ſich doch heute nir⸗ gends erblicken laſſen.

Wo nur der alte Kamerad ſteckt, ſagte ich halblaut vor mich hin.Der Burſche wird doch nicht ſo thöricht geweſen ſein, ſich jetzt ſchon ſein Grab ſelbſt gegraben zu haben!

Wäre gerade keine ſo beſondere Thorheit da⸗ bei, erwiederte nebenan eine Stimme, deren trocke⸗ ner Ton mir gleich ihren Inhaber verrieth.Halt's

fort, der mir bisher durch den Schatten eines hohen Baumes verborgen geblieben war,ſondern meine, die Dummheit iſt auf Seite derer, welche die Ver⸗ meſſenheit haben, übrig bleiben zu wollen. Doch kommen Sie, ich will Ihnen behülflich ſein, die drei Gräber zu finden, nach denen Sie, wie ich wohl

ſehe, ſich ſchon einige Zeit her umſchauen. Wir ſind

übrigens näher dabei, als Sie ahnen. Er führte mich um den Baum herum, und rich⸗

tig, da ſtand ich vor den drei Gräbern! Ich er⸗

kannte den Platz ganz deutlich, obwohl, wie natür

lich, einige Veränderung mit demſelben vorgegangen

war. Damals nämlich hatte ich drei offene Gräber vor mir gehabt, und jetzt waren dieſelben in förm⸗

nahmen ſich dieſe drei Grabſtätten von einander aus! Die erſte links bildete einen Sarkophag mit einer

ſchön gemeißelten Urne darauf und das Grab ſelbſt

war von einem eiſernen Geländer umgeben. Man ſah, daß viel Geld darauf verwendet worden ſein

mußte, allein der Eindruck war doch kein ganz gün⸗ ſtiger, denn die Blumen und Geſträuche, welche über dem Grabe rings um das Monument herum ur⸗

Ich hielt Wort und am Abend des anderen Ta- ges ſchlenderte ich langſam zum Thore hinaus, dem Gottesacker zu, deſſen hohe Cypreſſen ich ſchon von

ſprünglich angepflanzt worden waren, erſchienen in einem verwilderten, ja ſogar verwahrlosten Zuſtande, und zwiſchen der Urne und dem Sarkophage konnte

ich einige Spinnweben entdecken, von deren Alter

der Staub zeugte, der auf ihnen ruhte. Unwill⸗ kührlich ſchüttelte ich den Kopf, denn es wollte mich bedünken, der Wittwer der Frau, welche unter dieſem Grabmale ruhte, müſſe ſeiner verſtorbenen Liebe nicht allzulange gedacht haben.

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