Jahrgang 
1861
Seite
12
Einzelbild herunterladen

5

angekommen ſei und ohne Zweifel die laſſenſchaft, baarem Gelde nicht

machen werde.

würdet Ihr gut daran thun, ſelbſt nach Bühl hinab zugehen und mit dem Aſſeſſor zu reden. Der ſei zwar ein ſtrenger und geldgieriger Herr, aber viel⸗ leicht laſſe er ſich doch erweichen und gebe Euch noch längere Borgfriſt, da Ihr ja mit den Zinſen nicht zurückſeiet.

Ach Gott, ach Gott, jammerte nun Frau Mar⸗ tha,wie wird's mir und meinen armen Kindern ergehen? Ich hab' ſchon früher von dem ſtrengen Herrn Aſſeſſor gehört und gewiß dringt er darauf, daß ich das Ziel baar bezahle. Es ſind zwar nur noch zweihundert Gulden, aber du lieber Himmel, wo ſoll ich das viele Geld hernehmen, und wenn ich's nicht auftreibe, ſo läßt er mir am Ende das Haus nebſt den Güterſtückchen verſteigern und dann kann ich mit meinen drei Kindern unter freiem Him⸗ mel campiren.

Der Schmerz der armen Wittwe war wirklich ergreifend, aber wer ſollte ſie tröſten und auf⸗ muntern? Der Knecht kratzte ſich verlegen hinter den Ohren, denn er wußte nichts zu ſagen; die kleine Marie aber fing ebenfalls zu weinen an, weil ſie die Mutter weinen ſah, natürlich ohne zu wiſſen, um was es ſich handle.

Mutter, ſagte da endlich ihr Aelteſter, der

Chriſtoph,Mutter, man muß nicht gleich verzwei⸗

feln. Der Herr Aſſeſſor iſt gewiß kein ſo harther ziger Menſch, als man ihn ſchildert. Und wenn ers auch wäre, iſt denn dann gleich Alles verloren? Kann denn Gott nicht das Herz eines Andern rüh⸗ ren, daß er den Aſſeſſor baar ausbezahlt und dafür uns zu Schuldnern annimmt, gerade wie die Schmidt⸗ huberin gethan hatte? Du rühmteſt ja immer die Fran Bürgermeiſterin wegen ihrer großen Güte, die ſie gegen dich habe; könnte nun dieſe reiche Frau nicht ihren Mann dazu bewegen, daß er das Ziel kaufte und uns dann ſo lange Borgfriſt gäbe, bis ich erwachſen genug bin, um das Geld zum Heim⸗ zahlen zu verdienen? Verlieren kann er ja nichts dabei, denn der Zins iſt noch immer regelmäßig bezahlt worden, und das Haus mit den Gütern hat ſicherlich den dreifachen Werth auch in den ſchlech⸗ teſten Zeiten.

So ſprach der junge Chriſtoph und ſeine Worte fielen auf goldenen Boden. Lag doch ſo viel ein⸗ fache Wahrheit darin, daß es der Mutter Martha war, als fiele ihr ein großer Mühlſtein vom Herzen!

Mein Chriſtoph hat recht, rief ſie, indem ſie tief aufathmete und die alte Farbe auf die Wangen zurückkehrte.Auf dieſe Art kann's gehen und nun bin ich auch entſchloſſen, morgen mit nach Bühl hinunter zu fahren, damit ich der Frau Bürgermei⸗ ſterin meine Bitte vortrage. Gewiß weist ſie mich nicht ab und eben ſo wenig wird ihr Mann ihr die Bitte abſchlagen.

In dieſem Glauben tröſtete ſie ſich um ſo mehr, als ſie auch der Knecht darin beſtärkte. Somit ward denn abgemacht, daß die Wittwe die gebotene Gelegenheit benützen und den andern Mor⸗

und zwar

ganze Hinter⸗ beſonders die Güter und Güterzieler zu Somit wenn Ihr in Verlegenheit kompien wollet wegen Eures letzten Ziels, das noch auf Eurem Hauſe hafte, ſo

äußerſt

gen in aller Frühe noch vor Tagesanbruch mit den Fuhrwerk des Waldbauern nach Bühl hinabfahren ſollte, worauf ſich dann der Knecht entfernte, umf nach Hauſe zu gehen und der Ruhe zu pflegen. Für Frau Martha aber war dieſe Zeit noch nicht gekom men, ſondern ſie hatte vielmehr nun genug zu thun, um mit allen auf den andern Tag nothwendigen Anordnungen fertig zu werden. Da ſie nämlich blos jedes Vierteljahr in die Stadt hinabkam, ſo gab's natürlich eine ſolche Maſſe von Dingen zu beſorgen, daß man wohl ein paar Stunden nöthig hatte, um ſich nur alle die vielen Kleinigkeiten zu notiren. Ueberdies mußte die. Abrechnung mit der Frau Bürgermeiſterin und den andern Frauen, welche Flachs zum Spinnen hergegeben hatten, beſorgt und alſo das Geſpinnſt ſorgfältig ſortirt und für jede Frau beſonders eingepackt werden. Doch kam Mut⸗ ter Martha noch am nämlichen Abend mit Allem glücklich in's Reine und den andern Morgen, als der Knecht angefahren kam und ſchon von weitem laut knallte, um ſie auf ſeine Ankuunft aufmerkſam zu machen, da ſtand ſie ſchon fix und fertig unter der Hausthür und die Minute darauf konnte der Knecht ohne weiteren Aufenthalt weiter fahren. Nicht unterlaſſen aber hatte es Mutter Martha, ehe ſie den Holzwagen beſtieg, ihren Kindern gute Ermah⸗ nungen zu geben und beſonders den älteſten, den Chriſtoph, daran zu erinnern, daß er als der Erſt⸗ geborne gewiſſermaßen Vaterſtelle an den beiden Andern zu vertreten habe, wogegen aber auch um⸗ gekehrt die Letzteren uhm zu gehorchen hätten, wie einem Pfleger und Vorgeſetzten.

Ich weiß nicht, meinte ſie plötzlich, als der Wagen ſich ſchon in Bewegung ſetzte, während ihr Aelteſter nebenher ging, um ihr eine kleine Strecke weit das Geleite zu geben;ich weiß nicht, warum es mix auf einmal ſo ſchwer fällt, von Hauſe fort⸗ zugehen Ja, es iſt gerade als ob eine innere Stimme mir zurief, dazubleiben und euch nicht zu verlaſſen. Was meinſt du, Chriſtoph, ſollte das nicht eing Vorbedeutung ſein?

Doch der Knabe beruhigte ſie, ſo gut er konnte und bat ſie, alle Aengſtlichkeit fahren zu laſſen. Ich bi n doch kein Kind mehr, Mutter, ſagte er,un baßi weißt, daß ich eher mein Leben ließe, ehe ich pig ibe, Kler Leids ghaß he. Allein wer ſoll uns denn ein Leids anthun de chi iſt ja kein unrecht Ding in unſerer Nachbarſie auf weit und breit vorgekommen ſeit: Menſchen enken oder vielmehr ſeit der Zeit, da dem Unw din des Hannickels und ſeiner Bande ge⸗ ſteuert worden iſt. Alſo geh' du nur ruhig und komm' heilſ und geſund wieder zurück; beſonders aber merke dir, daß du dich heute Abend nicht mit zu vielen Dingen überbürdeſt, denn ich kann ja, wenn ich morgen zum Zeichenunterricht nach Bühl hinabgehf, einen Theil deiner Bedürfniſſe mit nach

Hauſe nfhmen.

So lließ ſich denn Mutter Martha geſchweigen, aber auff der ganzen Hinunterfahrt wollte ihr der Gedankel nicht aus dem Kopfe, daß ſie beſſer daran

gethan Rätte, für den heutigen Tag zu Hauſe zu bleiben, ſatt die kleine Reiſe 8 Hih d wachin. die doch, iie ſie ſich ſelbſt zugeſtehen mußte, eine he Aici. ſei war. Doch, einmal in Bühl

daß einem meiner Geſchwiſter ein

aneker ichtun Geſchif geit ei die H⁰ Frau O dies u germei n'8 T

M

Weiſe Kinde der A ſich zu Bruder er kon dufse zurückt Jaſchen für das Behufe ooffeln daß d aeten b wenig 2 am Huude * fen we

nicht ſie di ausein thun? auls u wir wiß Freud

5

menu ganz fen.