Jahrgang 
1861
Seite
10
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geſehen, und wie ich höre, hält der Geiſt gleichen

Schritt mit dem Körper. So iſt's recht, Burſche,

und wenn du ſo fortmachſt, ſo werde ich mit dem 4 Herrn Grafen wegen deiner ſprechen, daß er wielleicht ein Uebriges thut und das Lehrgeld bei einem guten

Meiſter für dich bezahlt, weil du denn doch höher hinaufſtrebſt, als zur Holzhauersprofeſſion. Aber 1 nun, Mutter Martha; es iſt mir gerade als ob ſich der Appetit in mir regte, und da du ſicherlich Kar⸗ toffeln am Feuer haſt, die, wie du weißt, mein Leibgericht ſind, ſo wirſt du mir wohl erlauben, daß ich an eurem Nachtimbiß Theil nehme. Mutter Martha beeilte ſich, den Tiſch zu decken, und die inzwiſchen gar gewordenen Kartoffeln auf⸗ zutragen, obwohl ſie ſich natürlich gar ſehr wegen der Frugalität ihrer Mahlzeit,die gewiß anders ausgefallen wäre, wenn ſie vorher etwas von dem Beſuche gewußt hätte, entſchuldigte. Allein der alte Förſter lachte nur, denn er wußte wohl, daß 4 Frau Martha nichts anders bätte auftiſchen können und wenn ſie ihren ganzen Speiſekaſten umgekehrt hätte. So ſetzten ſich denn Alle um den großen eichenen Tiſch herum und ließen ſich das Nachteſſen wohl ſchmecken, obwohl das Zugemüſe nur allein aus Salz und der Haustrunk aus friſchem Waſſer beſtand.

Das hat mir einmal wieder geſchmeckt, ſagte der Förſter, als er fertig war.Aber nun ſehe ich's euch an, daß ihr eure Neugierde nicht mehr bezäh⸗ men könnt. Nicht wahr, ihr wollt wiſſen, wie ich dazu komme, heute Abend ſo ſpät noch bei euch ein

zuſprechen? Will's euch ſagen, Kinder, und dann wird's der Mutter Martha auch klar werden, warum ich vorhin ſo in Sorgen war, als ich hörte, daß

der Chriſtoph noch nicht nach Hauſe gekehrt ſei. Die Sache iſt einfach die, durch die ſtrenge Kälte des vergangenen Winters wurden die Wölfe, die in den Vogeſen über dem Rhein drüben hauſen, genö⸗ Schlupfwinkel in den unwirthbaren Wild⸗ niſſen des höheren Gebirgs zu verlaſſen, weil es ihnen an Nahrung zu mangeln begann, und ſie zogen ſich daher mehr gegen die Niederungen herab. Ja einige derſelben kamen ſogar bei Breiſach über den gefrorenen Rhein herüber und warfen ſich in den oberen Schwarzwald. Natürlich machte man 1 gleich von allen Seiten Jagd auf ſie und erlegte ſie auch ſämmtlich bis auf zwei oder drei, die ſich durch⸗ ſtahlen und bis zu uns herunter flüchteten. Die wilden Beſtien haben ihre Anweſenheit auch ſogleich dadurch kund gethan, daß ſie vor drei Tagen demt Schäfer von Saßbach beinahe die ganze Heerde zer⸗ riſſen, und die Nacht darauf im Kappelthal kaum

geringere Verwüſtungen anrichteten. So hat man denn heute früh ein allgemeines Treibjagen ange⸗

thigt, ihre

ſtellt, zu dem die ganze erwachſene männliche Ein⸗ wohnerſchaft des Rengen⸗ und Kappelthales aufge⸗ boten wurde. Auch gelang es wirklich, des einen der Wölfe habhaft zu werden, aber ſo dicht und wohlbeſetzt auch der Kordon war, in welchen man die zottigen Burſche eingekeilt zu haben glaubte, ſo wurde es doch bald evident genug, daß wenigſtens eine der Beſtien entkommen ſein müßte, denn ſchon am Mittag erhielten wir die Nachricht, daß dem Schäfer vom Thalwieſenhof ein jährig Lamm mitten

aus der Heerde herausgeriſſen worden ſei, wie denn

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ohne ſeine Beſonnenheit und ohne den Muth ſeines ſtarken Hundes ſicher noch augerichtet worden ſein würde. lichkeit nach hat ſich alſo der Wolf in die Berge gegen die Alexandersſchanz zu geworfen, oder iſt er auch denn ſo ein Thier macht unglaublich weite und ſchnelle Märſche über's hintere Buhlbachthal

weit größeres Unglück Aller Wahrſchein⸗

den Hornisgründen zu gelaufen; ja möglicherweiſe kreuzte er ſogar den Weg, hinabführt, Schwarzmurggründe, auf welchem Wege er möglicher⸗ weiſe dem Chriſtoph hätte begegnen können. Sei dem nun aber, wie ihm wolle, das Thier war ein⸗ mal entkommen und ſomit ward beſchloſſen, Förſter der Umgegend, leitet hatten, Richtungen hin eine Streife veranſtalten ſollten, um ſo vielleicht den Wolf men oder doch wenigſtens ſeine ſichere Fährte zu

der von hier nach Bühl

nach den Wildniſſen der

und floh

daß wir die wir das Treibjagen ge⸗ dieſe Nacht nach den verſchiedenſten ſelbſt zum Schuß zu bekom⸗

Meine Streife nun führte mich über die weshalb ich auch den Gruß von meiner Frau mitbringen konnte, und geht von hier über den Katzenkopf hinüber nach dem Gaisthalwirths⸗ haus, wo wir Streifende uns morgen früh zu treffen abgemacht haben und wohin auch unſer Patron, der Herr Graf, der ſich für dieſe Jagd auf's höchſte intereſſirt, kommen wird, i fenden Maßregeln zu beſprechen. So, nun wißt ihr Alles; doch wahrhaftig, jetzt iſt's die höchſte Zeit aufzubrechen, denn ich habe einen ziemlichen Weg von hier auf den Katzenkopf hinauf und dann wieder hinab in's Gaisthalwirthshaus.

Aber wenn dir der Wolf begegnet? ſagte jetzt kleine Mädchen, die Marie, indem ſie den För⸗ bittend anſah.Bleib' lieber bei uns, denn das böſe Thier könnte dich freſſen, und dann hätten wir keinen Pathen mehr, der uns ſo viel ſchöne Sachen bringt.

Ich wollte, du hätteſt recht, Kind, lachte der Förſter,und der Wolf käme mir wirklich zum Schuß. Es wäre das einträglichſte Geſchäft, das ich heute Nacht machen könnte, denn es ſind fen hundert und von den drei Thalgemeinden zu⸗ ſammen hundertundfünfzig Gulden Schußgeld aus⸗ geſetzt, ſo daß wer den Wolf erlegt, ſeine zweihun⸗ dertundfünfzig Gulden einſtreifen darf.

Oh daß ich ein Jäger wäre! rief jetzt der älteſte, der Chriſtoph.Ich würde nicht ruhen, als bis ich die Beſtie erlegt hätte, um das viele Geld zu gewinnen.

Mach' du nur auf dem Wege weiter, den du betreten haſt, erwiederte der Förſter,dann kannſt du mit der Zeit deine Mutter ebenfalls unterſtützen und erreichſt am Ende ein weit höheres Ziel, als dir, wenn du Jäger würdeſt, je möglich wäre.

Jetzt ſtand er auf, warf ſeine Büchſe über und machte ſich zum Fortgehen fertig. Martha batte noch Etwas auf dem Herzen.

Nicht wahr, ſagte ſie,Sie verbieten dem Chriſtoph, in der nächſten Zeit nach Bühl hinabzu⸗ gehen, denn man kann nicht wiſſen, ob nicht der Wolf ihm über den Weg käme, und am Ende lau⸗

fen auch wir in unſerem Häuschen hier Gefahr, einen

Beſuch von dem Thiere zu bekommen..

Nur nicht allzuängſtlich, liebe Martha, erwie⸗

entdecken. Windeck,

das

ſter

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um die weiter zu ergrei⸗

vom Herrn Gra⸗

Aber Mutter

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