Jahrgang 
1861
Seite
8
Einzelbild herunterladen

V 1 1 b

veranlaßt, Landmann; er bewirthſchaftete ſein Güt⸗ chen Neuhof bei Lenzburg, und überzeugte ſich bei dem Umgange mit Leuten aus den unterſten Schich⸗ ten des Volkes, von der traurigen Verwahrloſung deſſelben. Seine menſchenfreundliche Seele ſann auf Abhülfe; er nahm einzelne verwahrloſete Kinder zu ſich und wirkte durch Schriften für die heilige Sache, welche ihm ſo ſehr am Herzen lag. Angefeindet von zahlreichen Gegunern, unkundig praktiſcher Ge⸗ ſchäftsführung, kam er in mannigfache Verlegenhei ten, verließ ſein Gut, gründete ein Erziehungshaus in Stanz, dann in Burgdorf, begab ſich nach Her⸗ zogenbuchſee(1804), verband ſich darauf mit Phil. Eman. Fellenberg und wirkte mit ihm in Iferten. (Fellenberg blieb nur kurze Zeit bei ihm, und grün dete auf ſeinem Landgute Hofwyl bei Bern ein land wirthſchaftliches Inſtitut, eine Armenſchule und ein Philantropin für Kinder wohlhabender Eltern, An⸗ ſtalten, die vortrefflich gediehen. Im Jahre 1817

d 4

wurden mit ihm Unterhandlungen zur Uebernahme der Lehranſtalt Peſtalozzi's in Iferten eingeleitet, die jedoch ohne Reſultat blieben. Seine Stellung als Präſident des großen Rathes in ſeinem Kanton gab er wieder auf und widmete ſich von Neuem dem Erziehungswerke. Er ſtarb am 21. November 1844, nachdem er abermals in den großen Rath getreten und Landammann von Bern geworden war.)

Die Methode Peſtalozzi's iſt bekannt. Er er⸗ ſtrebte eine harmoniſche Ausbildung der geſammten geiſtigen und phyſiſchen Kräfte der Kinder, und ſuchte dieſelbe durch einen ſtufenweis geregelten Un⸗ terricht, ſo wie auf dem Wege der ſinnlichen und geiſtigen Anſchanung zu erreichen. Die wenigſte Anerkennung, den ſtärkſten Widerſtand fand er in ſeinem Vaterlande. Unter ſeinen zahlreichen Schrif⸗ ten nennen wir nur das noch immer geleſene Buch: Lienhardt und Gertrud. Er ſtarb 1827.

Lauſanne.

Nach einer und einer halben Stunde erreichten wir Lauſanne, nachdem wir ſchon vorher eines überraſchend ſchönen Blickes auf den Genfer See uns erfreut hatten. Der Himmel war ziemlich hei ter; nur über den Bergſchluchten von Wallis hing düſteres Gewölk; auf den Weinbergen und reizen⸗ den Villen vor Lauſanne lag heller Sonnenſchein,

und welche köſtlichen Früchte hier gezogen werden,

davon überzeugten wir uns durch den Genuß von Birnen und Aprikoſen, welche uns erquickten, da die Mittagsſtunden heiß geweſen waren.

Wir möchten Jedem rathen, der von Lauſanne nach Genf reist, nicht den Weg auf den eiſernen Schienen, ſondern das Dampfboot zu wählen; der erſtere bietet wenig Anziehendes dar, während man von dem letzteren herrliche Ausſichten auf den See, ſeine Umgebungen, vorzüglich auf Genf ſelbſt hat, welches ſich von keiner Seite ſo ſchön darſtellt, als eben von der Seeſeite. Es hat etwas Ueberraſchen⸗ des, aus einem undeutlichen Chaos, welches der große und der kleine Salèéve überragen, allmählig

eine Gruppe nach der andern hervortreten zu ſehen; zuerſt die Kathedrale St. Pierre, auf welcher eine rieſige Fahne flatterte, mit ihren Umgebungen, dann die Brücke über die Rhone, die ſtattlichen Gebäude an ihren Ufern, bis man zuletzt deutlich die kleine Rouſſeau⸗Inſel mit dem Standbilde des berühmten Mannes erblickt.

Wir fanden im Hotel des Bergues am rechten Rhoneufer Alles, was das Herz begehrte, eine freundliche Aufnahme, eifrige Bedienung, gute Koſt und vor Allem eine entzückende Ausſicht aus

unſern Zimmern auf die belebte(oberſte) Brücke,

den tiefblauen See, die Stadt, die prächtigen Ge⸗ bäude am linken Rhoneufer, die Promenade du Lac vor dem rieſigen Hotel de la Metropole, und auf die prächtigen Berge.

Am Tage unſerer Ankunft machten wir noch zu Wagen eine zweiſtündige Ausfahrt in die nächſten Umgebungen der Stadt, wobei wir, unſern Wün⸗ ſchen gemäß, auch die ſchönſten Plätze und Gebäude betrachteten. In Arare fanden unſere jungen Be⸗

2 *