wärts,
tapfern Georg von Stein die Burg, und hielt ſich wacker faſt zwei Wochen; da fiel die Veſte durch Verrath; die Beſatzung wurde gegen den abgeſchloſ— ſenen Vertrag entweder in den See geworfen oder aufgeknüpft; am folgenden Tage bemächtigte ſich der Herzog der auf einem Felſen liegenden, die von Grandſon nach Neuenburg führende Straße beherr⸗ ſchenden Burg Vauxmarcus(Vamergu), durch Ueber⸗ gabe.
Die Eidgenoſſen, voll Ingrimms über den Mord und Verrath von Grandſon, kaum ein Drittheil ſo ſtark als der Feind, beſchloſſen doch mit Gott ihm zu widerſtehen, und eine ſolche Stellung zwiſchen Wäldern und Höhen einzunehmen, durch welche ſie die Uebermacht weniger gefahrvoll machten. Es galt zuerſt, den Herzog, welcher die rechte Seite ſei— nes Heeres an den See, die linke an den Thevenon (Jura) gelehnt, zugleich Sümpfe und Gräben zu größerer Sicherung dieſer Poſition benutzt, auch überall ſchweres Geſchütz aufgeſtellt hatte, zu veran⸗ laſſen, dieſe ſtarke, faſt unüberwindliche Stellung aufzugeben. Vauxmarcus zu machen; während dieſelbe ausgeführt wurde, begann ein Vorpoſtengefecht. Den Streiten⸗ den eilten Schaaren zu Hülfe und es kam bald zur Schlacht; zuvor jedoch fielen die Schweizer auf die Knie in den Weinbergen, welche ſie genommen hat⸗ ten, breiteten die Arme aus und baten Gott um Sieg. Als dies die Burgunder ſahen, verlachten und verhöhnten ſie den Feind, weil ſte wähnten, er ergebe ſich und bitte um Gnade; erhoben ein großes Kriegsgeſchrei, ordneten ſich keilförmig und rannten heran. Die Eidgenoſſen aber, in einem langen
ten
Viereck aufgeſtellt, aus deſſen Mitte ſämmtliche Ban⸗
ner ſich erhoben, trieben den Anſturm durch ihre langen Speere zurück und feuerten mit ihren Büchſen in die Reihen der Burgunder. Karl ließ ſein Ge⸗ ſchütz abbrennen, deſſen Kugeln zu hoch gingen, und ſuchte einen Durchbruch zu erzwingen; die Reiterei, ſechstauſend Pferde ſtark, unterſtützte ihn. Er ſel bſt trug die große Standarte von Burgund in der Hand und befeuerte die Seinigen durch mächtigen Zuruf. Vergebens; die Reiter wurden zurückgedrängt; ihr Anführer, der Herr von Chateauguyon, welcher einen großen Haß gegen die Schweizer hegte, ſpornte ſein Roß, hub ſich hoch im Sattel empor, ſprengte vor⸗
aber von einem Berner Helden erſchlagen. Mit ihm fielen viele andere Männer von geprüfter Tapferkeit und aus den edelſten Geſchlechtern; als nun die Burgunder ſchon zu wanken anfingen, erſcholl plötz— lich,— es war Nachmittags um drei Uhr,— Hör⸗ nerruf von den Bergen zwiſchen Bonvillers und Champigny; der Uriſtier und das Unterwaldner Landhorn ließen, dem Feinde ſchrecklich, den Eid⸗ genoſſen wundervoll erfreulich, ihre lang gehaltenen Töne erklingen.„Was für ein wildes Volk iſt das?“ fragte Karl einen gefangenen Schweizer;„das ſind erſt die rechten Streiter,“ antwortete dieſer, „die Männer vom hohen Gebirge, welche die Oeſter— reicher ſchlugen!“ Da ſeufzte der Herzog: was will das werden? Schon jene Wenigen haben uns müde gemacht. gen, ihnen Muth zuſprechend; als dieſe aber die muthigen Kämpfer aus allen Schluchten und Hohl⸗
Man beſchloß, eine Demonſtration auf
ergriff das Landbanner von Schwyz, ward
Und er ritt durch die Reihen der Seini⸗
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wegen Mann an Mann hervorbrechen ſahen, ver⸗ loren ſie alle Hoffnung zum Siege und wandten ſich zur Flucht, die Karls Wuth nicht aufhalten konnte; die Schweizer drangen unaufhaltbar nach, erſt in Ordnung fortſchreitend, dann in vollem Laufe das feindliche Lager hindurch, immer weiter, bis die Nacht anbrach, Kail⸗ von den Seinigen fortgeriſſen, ent⸗ wich durch den nächſten Jurapaß nach Joigne, dann bis Nozeroy; der Ruhm der Unbeſiegbarkeit war verloren, ſein gewaltiges Heer vernichtet, ſein Ueber⸗ muth gebrochen,— der ſchandbare Wortbruch von Grandſon war beſtraft.
Die Schweizer fielen nach dem erfochtenen gläu⸗ zenden Siege auf die Knie und dankten dem Herrn der Heerſchaaren. Grandſon ward ſofort übergeben; Berner und Freiburger nahmen die aufgehangten Freunde und Verwandten von den Bäumen und hin⸗ gen für ſie einen Theil der gefangenen Burgundi⸗ ſchen Edeln und Knechte daran; Andere wurden vom Felſen herabgeſtürzt, nur Wenige fanden Erbarmen! Die gewonnene Beute war unermeßlich. Nach eili— ger Plünderung, welche ſich Einzelne erlaubten, ward alles Gut verordneten Beutemeiſtern übergeben; an Dieſe mußte auch Jegliches, was ſchon genommen war, wieder zurückgeltefert werden. Außer dem über eine Million Gulden an Werth geſchätzten Eigen— thume des Herzogs, der Habe von ſechs Fürſten, vielen reichen niederländiſchen und burgundiſchen Grafen und Edeln, war kein weniger willkommener Theil der Beute eine Menge aufgehäufter Nahrungs⸗ mittel, die ſchönſte Sammlung von Waffen aller Art, von prächtigen Zelten, vor Allem aber das Geſchütz, welches aus vierhundert großen Hauptbüchſen und achthundert Hakenbüchſen mit dem ſämmtlichen Schieß⸗ bedarf und der Beſpannung von zehntauſend Pferden
beſtand.
In dem Zelte des Herzogs fand man ſeinen gol— denen Stuhl, ſeinen Staatshut, ſein Prachtſchwert, mit großen Diamanten, Rubinen, Perlen u. ſ. w. verziert, den Orden des goldenen Vließes und an⸗ dere ſehr koſtbare Stücke; im Speiſezelte goldene und ſilberne Pokale, Schüſſeln u. dgl. Jur Beute zehiten endlich drei große Diamanten; den einen, welchen Karl an Werth einer Provinz gleich ſchätzte, veriun er ſelbſt auf der Flucht; ein Schweizer fand ihn und verkaufte ihn um einen geringen Preis; den zweiten, die Halszierde des Herzogs, fand man im Lager, ſo wie den dritten auch*).
Dies war die Schlacht bei Grandſon, welches jetzt ſo friedlich vor uns lag; auf jenen Abhängen, auf jenen Feldern zwiſchen den Bäumen und Wein⸗ ſtöcken, um jene drei rohen Granitblöcke, die zum Andenken an den blutigen Sieg aufgeſtellt ſein ſollen, hat der wilde Kampf geraſ't, ſind Ströme Blutes gefloſſen.
Bei dem Anblicke des bald erreichten Iferten (Dverdon), des Eburodunum der Römer, gedachten wir mit Pietät des edeln Heinrich Peſtalozz zi und ſeiner ſegensreichen Wirkſamkeit. Im Jahre 1746 zu Zürich geboren, ſtudirte er erſt Theologie, dann die Rechte und ward endlich, durch Rouſſeaus Gmile
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„ Die beiden größeſten gelangten, nachdem ſ e verſchiedene Beſitzer gehabt hatten, der eine in die väpſtliche, n der andere in die franzöſiſche Krone. 8 1 3 —*
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