Jahrgang 
1861
Seite
5
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fertig bringen will,

einer der neugeſchulten Lehrer Unterricht im Zeichnen gibt, vetrifft, ſo darf er auch nicht eine Viertelſtunde müſſig gehen, wenn er die vielen Holzſchnitzeleien mit denen er das Stundengeld an ſeinen Lehrer auszugleichen hat.

So ſteht's mit dem Chriſtoph? entgegnete der Förſter mit freundlichem Nicken.Nun, das freut mich von Herzen und ich hoff' auch, er wird ſeinen Zweck erreichen, denn's war von jeher ein energi ſcher Burſche und hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Aber, aber, ſetzte er plötzlich wie erſchreckt hinzu, indem er der Frau Martha einen ernſten Blick zuwarf,du willſt doch nicht ſagen, daß der Chriſtoph eben jetzt in Bühl unten iſt? Es iſt mir ſchon vorhin aufgefallen, daß ich ihn nicht in der

und was dann die übrige Zeit in der Woche

Stube innen ſah, aber ich glaubte, er ſei vielleicht nur auf einen Augenblick abweſend; und nicht wahr, ſo iſt es auch? Er iſt heute nicht in Bühl unten?

Ei freilich iſt er unten, erwiederte Frau Mar⸗ tha den Herrn Gevatter verwundert anſchauend. Aber ich kann Sie wahrhaftig nicht begreifen, warum Sie ſo ängſtlich fragen? Der Bub iſt ja ſchon dreizehn Jahre alt und kennt jeden Weg und Steg links und rechts, ſo daß er ſich unmöglich verirren kann. Ueberdies hat die Sonne den Schnee bereits überall weggeleckt, außer in den Schluchten oder tiefer im Walde innen, und ſein Gang iſt alſo diesmal bei weitem weniger beſchwerlich, als er die⸗ ſen Winter über war, wo er oft bis über die Knie in den Schnee einſank, und nicht ſelten ſechs Stun⸗ den brauchte, um von Bühl heraufzukommen.

(Schluß auf Seite 9.)

Ausſſug in die Weſtſchweiz und weiter.

Nach Genf.

Die unſichere, regneriſche Witterung, welche im Juli begonnen und wochenlang fortgedauert hatte,

ſchien uns für eine Reiſe in die Schweiz wenig Er⸗

freuliches zu verheißen; dennoch beſchloßen wir, auf Beſſerung hoffend, unſern gefaßten Entſchluß aus⸗ zuführen und unſere Hoffnung ward nicht getäuſcht.

Zwar blieben die folgenden genußreichen Tage nicht ohne Wolken und einzelne Niederſchläge, ein Bild des ganzen Menſchenlebens; wenn aber nach dem Ausſpruche eines berühmten Schriftſtellers das Reiſen überhaupt eine Kunſt iſt, ſo iſt eine weiſe Benützung der Witterung jedenfalls in dieſe

Kunſt mit eingeſchloſſen.

Eine achtſtündige Eilfahrt führte uns in das

Reuenburg. 3

alte Baſel; als wir bei eingebrochener Nacht auf den Balkon unſeres Hotels traten, warf der Voll⸗ mond ſeine Strahlen auf die Mitte des prachtvollen, in reicher Fluth dahinrollenden Rheinſtroms und verſilberte die Wellen; die tauſend Lichter, die aus den zum Theil ſehr ſtattlichen Gebäuden an beiden Ufern ihren Glanz mit dem Mondlichte vereinten, erhöhten die Lieblichkeit des Anblicks; der majeſtä⸗ tiſche Dom warf einen langen Schatten auf den

rauſchenden Strom. Brücke und Straßen waren noch ſehr belebt; nach wenigen Stunden war Alles

ruhig; die Lichter waren ausgelöſcht; eine feierliche

Stille lag auf der Stadt; der Mond allein, weiter wandelnd, war wach geblieben und legte über Häuſer, Hügel und Berge einen ſilbernen, mild leuchtenden Schleier. Der Weg von Baſel nach Genf bietet ungemein viele Abwechſelung dar, und iſt in mehrfachen Be⸗

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