affen
nzug ließ ohl fleid ſicht dgſte 1 ge⸗ kinen ſetzte
7
. N 3—
als ob er die größte Freude dran hätte! Die Mut⸗ ter ſollte gar nicht merken, daß ihm dieſes oder jenes, was er that, hart ankam, ſondern er wollte ſie glauben machen, als thue er dies Alles aus purem Vergnügen; aber— ſie merkte es trotzdem und dankte Gott alle Abende, daß er ihrem Sohne einen ſolchen Charakter gegeben habe. Eine Küm— merniß jedoch konnte Chriſtoph, ſo ſehr er ſich auch anſtrengte, ihr nicht abnehmen, und dieſe Kümmer— niß war die Sorge um die Erziehung, um das Ler— nen ihrer Kinder. Ihr Erſtgeborner hatte offenbar viel Talent und noch mehr Lernbegierde, aber wie ſollte ſie es anfangen, dem armen Knaben Unter⸗ richt zukommen zu laſſen? Die Stadtleute und ſo⸗ gar die Bewohner von größeren Dörfern haben freilich von ſolchen Sorgen keinen Begriff, denn da hat man ja die Schulen ganz in der Nähe und kann noch extra nach Guſto ausleſen; allein im Gebirge
innen, wo man bis in's nächſte Städtchen vielleicht
drei Stunden zu gehen hat und wo noch überdem — z9uu g hal 1). 1 im Winter die Wege meiſt ſo verſchneit ſind, daß man drei und vier Wochen lang gar nicht aus dem
Hauſe kann, wie ſoll man da den regelmäßigen Be—
ſuch einer Schule möglich machen, wenn man nicht ſo reich iſt, um einen eigenen Hauslehrer zu halten? Kein Wunder alſo, daß Mutter Martha über dieſen
— Punkt ſchwer in Nöthen war, denn die nächſte
KSchule—(die allernächſte müſſen wir eigentlich
ſagen) befand ſich in einem kleinen Weiler, der etwa zwei Stunden von ihrem Häuschen entfernt lag, und hier lernte man durchaus nichts, als nur allein die Anfangsgründe im Leſen, Schreiben und Rech— nen. Natürlich hatte Chriſtoph dieſe Schule beſucht und ſich vollkommen in den Beſitz jener Anfangs— gründe geſetzt. Ja man durfte ſogar mit Recht ſagen, daß er darin ſo bewandert ſei, als der Lehr— herr ſelbſt, obwohl er nur wenige Unterrichtsſtunden genoſſen hatte; allein— auf welche Weiſe ſollte es ihm nun möglich gemacht werden, ſich weitere Kennt— niſſe zu erwerben? Der Junge verrieth außerordent— lich viel Geſchick im Holzſchnitzeln und brachte in der That an den langen Winterabenden manch'„Kunſt⸗ werk“ zu Stande, um das die Mutter dann ſpäter immer ihren guten Groſchen löste. Doch es fehlte „. 3— an den nöthigen Werkzeugen und noch mehr am Allernöthigſten, an der Ausbildung im Zeichnen.
Wenn er hierin nur wenigſtens einigen Unterricht
hätte haben können, nur wenigſtens„den erſten Elementarunterricht“! Vielleicht könnte es ihm dann doch gelingen, durch eigene Uebung weiter zu kom— men und es am Ende ſo weit zu bringen, daß er regelrechte Bildwerke liefern konnte! mußte Chriſtoph auf die Erfüllung dieſes ſeines ſehnlichſten Wunſches verzichten, allein vor einigen Monaten war ein junger Lehrer nach Bühl gekom⸗ men, der ſich in Etwas auf's Zeichnen verſtand, und dieſer erbot ſich, dem Jungen alle Wochen ein paar Stunden zu widmen, wenn dieſer ihm, in Ermange⸗
lung des baaren Geldes, ſeine Schnitzwerke dafür
an Zahlung gebe. Natürlich ergriff Chriſtoph dieſe Gelegenheit mit vollen Händen, und wanderte nun faſt einen ganzen Winter hindurch alle Wochen zwei Mal unter den unſäglichſten Anſtrengungen und oft mit wirklicher Lebensgefahr, ſchneite und windete(ſeine Mutter wollte es lange
Lange Zeit
wenn's gerade recht
nicht zugeben, allein er hatte ſie ſo lange gebeten und wieder gebeten, bis ſie endlich einwilligte) nach Bühl hinab(alſo eine Strecke von ſechs Stunden,“ nämlich drei Stunden hin und drei Stunden her), um die beſagte Unterrichtsſtunde zu bekommen.
So ſtand es mit dem Hausweſen der Mutter Martha, über welches wir nur deswegen ſo weit— läuftig berichtet haben, damit der ſtädtiſche Leſer, der ſich das Leben in einer einſamen Schwarzwälder Hütte oft ſo gar„idylliſch“ vormalt, doch auch einen kleinen Begriff davon bekomme, wie in der Wahr⸗ heit und Wirklichkeit eine ſolche„Idyllität“ ausſieht. Verſetzen wir uns nun in das Haäuschen ſelbſt, um endlich mit den dort lebenden Perſonen des Näheren bekannt zu werden!
Es war an einem Frühlingsabend und die Sonne, die heute ungewöhnlich hell geglänzt, wollte eben in's Meer hinab ſinken. Mutter Martha ſaß an einem der kleinen Fenſter, von denen wir oben ge⸗ ſprochen, und hatte wie gewöhnlich den Spinnrocken vor ſich, deſſen Fülle ſich unter dem fleißigen Dre— hen ihrer Spindel ſichtlich minderte. Von ihren Kindern waren nur zwei anweſend, ihr kleines Mäd— chen, welches, nachdem es ſeine heutige Strickaufgabe vollendet, zu ihren Füßen ſpielte, und der zweite Bube, der Martin, der, obwohl erſt eilf Jahre alt, doch ſchon dem Chriſtoph nachahmte und eifrig an einem Holzmaſer ſchnitzelte.
„Mutter,“ ſagte Martin,„es iſt doch noch kein rechter Frühling, denn meine Finger ſind ganz ſteif vor Kälte, und ein warmer Ofen würde uns ganz wohlthun.“
„Aber du weißt,“ entgegnete die Mutter,„daß unſer Holzvorrath ſtark auf die Neige geht, und daß in den Wäldern weiter oben noch zu viel Schnee liegt, um von dort dürres Abholz zu holen. Auch darf man dem Chriſtoph nicht zu viel zumuthen, ſonſt überarbeitet er ſich am Ende und wenn er krank würde, ſo wären wir erſt recht angeführt.“
Der Junge ſchwieg, rieb ſich aber ſo eifrig die Hände, daß die Mutter doch am Ende lächelnd auf⸗ ſtand, um in die Küche zu gehen und ein Feuerchen zu machen.
„Ich will heute noch die Kartoffel im Ofen ſie— den,“ ſagte ſie,„ob's wohl mehr Holz koſtet, denn 's iſt wirklich wahr, wenn's auch den Tag über und in der Sonne warm genug iſt, ſo friert's doch noch am Abende, und ich denke, dem Chriſtoph, wenn er nach Hauſe kommt, mag eine warme Stube auch willkommen ſein.“
So ſtellte ſie denn den Hafen mit Kartoffeln (das regelmäßige Nachteſſen für jeden Abend das ganze Jahr hindurch) in den eingeheizten Ofen, kehrte ſodann in die Stube zurück und zündete ſo⸗ fort, da es inzwiſchen dunkel geworden war, die Oellampe an, um bei ihrem Scheine emſig weiter zu arbeiten. Eine geraume Zeit war Alles ganz ſtill und man hörte nichts als das Surren der Spin⸗ del oder hie und da ein unſchuldig Wort von der kleinen Marie. Aber horch,— tönte das nicht, wie das Bellen eines Hundes? Hörte man jetzt nicht den Pfiff eines Mannes, der den Hund zurück⸗ rief?
Anderswo, in einer belebteren Gegend, ſind derlei Dinge ganz alltäglich, und keinem Menſchen .
4 4


