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Crinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humot.
Schultern und enger Taille ſich geltend macht, hebt den Mann hervor. Die Frauen fallen vorzüglich durch ihre breiten und hohen Hüften auf, ſonſt ſtehen ihre Glieder in dem ſchönſten Ebenmaß und ſie laufen in Wohlge⸗ ſtalt allen Europäerinnen unſtreitig den Rang ab. Die Augen der Tſcherkeſſen, durch die ſtarken Brauen ſehr vortheilhaft gehoben, ſind blau oder braun; in ihnen thront das kräftige Freiheitsgefühl des Mannes, das ſeelenvolle Leben des Weibes. Die Geſichtsfarbe läuft bei jenem etwas in's Gelbliche, bei dieſen läßt ſie eine ſanfte Röthe durchſchimmern. Der Tſcherkeſſe weiß ſehr wohl, mit welchen Vorzügen ihn die Natur ausgeſtattet hat, und deßhalb duldet er bei einer Verheiratung ſehr ſelten die Einmiſchung fremden Blutes.
Die Kleidung des Mannes beſteht in einem langen, bis über die Knie reichenden Rock, der vorn an Bruſt und Hals nicht ſchließt und überhaupt der Knöpfe und des Kragens entbehrt. Unter dieſem liegt ein anderer, der bis an den Hals hinaufreicht und deſſen Form ſehr an unſere ſeidenen Steppröcke erinnert. An den beiden Bruſtſeiten des oberen Rockes laufen ſilberbeſetzte Pa⸗ tronentäſchchen, die nach dem Wohlſtande des Beſitzers, ebenſo wie die übrige Bordirung der Rockkanten, mehr oder weniger reich verziert ſind. Die Hoſen, entweder roth, grün oder ſchwarz, ſind theils von Sammet oder Seide, ihre Seitennähte mit ſilbernen Treſſen beſetzt; ſie ſind in der Mitte und nach oben zu ſehr weit, unten ſehr eng. Die Stelle der Knöpfe und Träger vertritt ein um die Lenden geſchlungener Gurt. Die Kopfbe⸗ deckung iſt bei allen dieſelbe, ſie beſteht aus einer fuß⸗ hohen, über die Hälfte mit Pelz beſetzten Mütze. Die Fußbekleidung bilden Stiefeln von rother, gelber oder auch ſchwarzer Farbe, deren Buntſcheckigkeit an ein corps de ballet erinnert. Sie werden Winter und Sommer ohne Strümpfe getragen und von den Frauen verfertigt, die auch für die übrige Bekleidung ſorgen müſſen. Weſte, Halstuch und Manchetten ſind für den naturwüchſigen Tſcherkeſſen natürlich unbekannte Luxus⸗ artikel.
Jeder Mann, ohne Ausnahme, iſt mit einem Dolche verſehen, den er des Morgens beim Aufſtehen ſogleich in ſeinen Leibgurt ſteckt und erſt Abends, beim Schlafen⸗ gehen, ablegt. Selbſt Knaben, kaum fünf Jahre zählend, wollen dieſes Recht ſchon genießen. Der Säbel, welcher in einer Lederſcheide ſteckt, iſt ohne Bügel und hat die Form unſerer Kavallerie⸗Säbel. Der Griff am Säbel, wie am Dolche, iſt meiſtentheils von Silber, denn die Waffen ſind ſein einziges Kleinod, und er würde nie auch nur ein Stück von ihnen verkaufen. Die Gewehre, an den Schäften mit Silber und Elfenbein ausgelegt, ſind durchgängig ſehr koſtſpielig. Dieſe Waffe iſt ſtets im ſauberſten Zuſtande, und doch habe ich einen Tſcherkeſſen ſie nie mit etwas Anderem, als einem einfachen Tuch⸗ lappen, putzen ſehen. Sporen kennt er nicht, er führt nur eine Reitpeitſche bei ſich, die er ſich ſelbſt aus ge⸗ trockneten Viehdärmen verfertigt. Seine Waffen und ſein Pferd muß der Mann ſich ſelbſt verſchaffen, im Unvermögensfalle liefern ihm die Reicheren die erfor⸗ derlichen Mittel.
Die nationale Tracht der Weiber unterſcheidet ſich nur wenig von der männlichen. Sie tragen ebenfalls ſehr weite, ja noch weitere Hoſen, als die Männer, über dieſe einen nicht über die Knie reichenden Rock. Gleich den türkiſchen Frauen tragen ſie über dieſen einen Mantel, d. h. ein vierkantiges Stück Tuch, deſſen eine Spitze als Kragen bis über die Taille herabfällt, während es vorn an der Bruſt zuſammengeſchlagen wird und unten bis auf die Füße reicht. Das reiche ſchwarze Haar laſſen ſie auf die Schultern fallen, und ſchneiden es bei zunehmendem Wuchs ohne weitere Akkurateſſe ab. Die Männer dagegen lieben ein auffallend kurzes Haar, und wenn ſie im Beſitz eines Raſirmeſſers ſind, ſo ſcheeren ſie es ſich glatt ab; ein höchſt eigenthümlicher Geſchmack. Die tſcherkeſſiſchen Frauen gehen, wie die Türkinnen, verſchleiert; mit dieſem ſehr unnützen Zierrath ſieht man ſie jedoch ſelten zu Hauſe. Gleich den Frauen der Os⸗ manen haben die Reicheren einen Diener(jedoch keinen Eunuchen), der ſie beim Ausgehen oder Ausreiten be⸗ gleitet. Eine reitende Tſcherkeſſin gewährt übrigens einen poſſierlichen Anblick; ſie nimmt nämlich auf dem Pferde dieſelbe Stellung ein, wie ein Mann, was bei der für das Reiten beſchwerlichen und gefährlichen Be⸗ ſchaffenheit des Landes in der That ſehr praktiſch iſt.
Die Pferde, welche man in dieſem Gebirgsterrain allein gebrauchen kann, ſind nicht groß, aber ſehr kräftig und von bewundernswerther Ausdauer. Sie geben im Laufen den arabiſchen nichts nach, und werden oft ohne die geringſte Fütterung den ganzen Tag hindurch bis in die ſpäte Nacht hinein geritten. Sie müſſen nicht ſelten die ſteilſten Felſen hinauf⸗ und hinunterklettern, wo ein Fußwanderer kaum noch gehen und folgen könnte. Ihr Futter ſuchen ſie im Sommer ſich ſelbſt, und im Winter nehmen ſie mit Heu vorlieb. Sie ſind fromm wie die Lämmer, und einem jungen Thiere, das zum erſten Male geritten wird, fällt es nie ein, ſeinen Reiter durch allerlei Manöver aus dem Sattel werfen zu wollen. Sie werden mit einer einfachen Trenſe geritten, und das ganze Riemenzeug beſteht aus geſchnittenen, getrockneten Häuten, welche der Tſcherkeſſe, ohne jede andere Zubereitung, ſich ſelbſt verfertigt. Der Sattel iſt einem ungariſchen Bockſattel ſehr ähnlich, und beim Reiten wird auf ihn noch ein mit Federn oder Haaren geſtopftes Kiſſen gelegt, auf dem man einen höchſt be⸗ quemen Sitz hat; übrigens reitet man durchweg mit ſehr kurzen Steigbügeln.
Die Lebensweiſe der Tſcherkeſſen iſt bei den Reichen wie bei den Armen ſo ziemlich dieſelbe. Im Sommer des Morgens gegen vier oder fünf Uhr halten ſie ihre Hauptmahlzeit, d. h. man ißt friſchgekochtes Rind⸗ Schaf⸗ oder Ziegenfleiſch. Sodann genießt man friſche, ſüße Milch(welche im Winter gekocht wird), und ſchließlich Baſta, dem derſelbe Zuſpruch geſchieht, wie unſerem Brod. Im Laufe des Vormittags genießt man hin und wieder dicke Milch, dann abermals Baſta und hierzu etwas Schafkäſe. Nachmittags dasſelbe, und Abends wiederholt ſich das Morgengericht, nur fügt man oft noch Rührei und Geflügel hinzu. Der Wohlhabende trinkt Morgens und Abends wohl noch ſeine Taſſe Thee


