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384 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Billigkeit(1 Stück koſtet im Einzelverkaufe einen Penny) jede Konkurrenz aus.
Ein ſchweres Straferkenntniß. Unter den jüngſt in Preußen Begnadigten befand ſich auch ein Sträfling, welcher wegen Entwendung einer Kiſte Cigarren zwölf Jahre hinter Schloß und Riegel zugebracht hat. Es war ſein vierter Diebſtahl geweſen, in Folge deſſen nach den damals geltenden Geſetzen auf lebenslängliche Zuchthaus⸗ ſtrafe gegen ihn erkannt worden war.(In den Gerichts⸗ ſälen treibt ſich noch heute mancher widerſinnige Paragraph herum!)
Ein Deutſcher, der ſeine letzten Lebensjahre in⸗ Paris zugebracht, hat ſein Vermögen„Denjenigen, die ihm Vergnügen gemacht“, teſtamentariſch hinterlaſſen. Zu den ſo Beſchenkten gehören einige Romanſchriftſteller, Feuille⸗ toniſten, dramatiſche Autoren und Komponiſten. Der Fall iſt gewiß ſelten, daß der Schöpfer eines geiſtigen Genuſſes dafür einen wirkſamen Dank von dem Genießenden em⸗ pfängt, und wir theilen das Beiſpiel mit, auf daß es vielleicht in Deutſchland einmal Nachahmung finde.
In Bremen ſtarb kürzlich der Paßſchreiber Suffert im Gefängniß, der in 49 Jahren ſeiner Amtsführung Unterſchleife und Fälſchungen im Betrage von 170.000 Thaler verübt hatte. Von dieſer Summe konnte der bremiſche Staat nur 22.000 Thlr. retten.
Seltſame Vererbungen. Burdach erzählt, daß die Tochter einer Frau, die nach einem Aderlaß on Blutleere ſtarb, ſo empfindlich war, daß ihr die geringſte Verletzung großen Blutverluſt verurſachte, und daß dieſes Uebel ſich auch noch auf ihren Sohn vererbte. In der Revue britannique wird behauptet, daß das Zeichen der Brandmarkung ſich oft vererbe. Die jungen Hühnerhunde ſtehen auf Hühner ohne jede Dreſſur. Gall erzählte, daß das Laſter des Stehlens ſich von Familie zu Familie forterbe. Daß Wahnſinn und Lungenkrankheit erblich ſind, iſt bekannt. Im Pompadourgeſtüt erblindete ein ſchönes Hengſtpferd — alle von ihm abſtammenden Fohlen erblindeten im dritten Jahre. Sogar das hohe Alter iſt erblich. In einer franzöſiſchen Arbeiterfamilie ward der Sohn 108, der Vater 104, der Großvater 108 Jahre alt. Der Pole Jean Golembiwski, welcher unter Napolen I. diente, ward 102 Jahre, ſein Vater 121 Jahre, ſein Großvater 130 Jahre alt.
Vor dem Schwurgericht in Weimar ſtand kürzlich ein fünfzehnjähriger Knabe, L. Heſſe aus Toba, ſchlecht erzogen und ein Thierquäler. Er hatte einen Hund an einem Baume in die Höhe gezogen, demſelben den Leib aufgeſchnitten und dem noch lebenden Thiere das Fell abgezogen. Darüber war er von einer Frau betroffen und zur Rede geſetzt worden, und dies ärgerte den jugend⸗ lichen Böſewicht ſo, daß er ihr drohte, er werde es ihr gedenken. Geſagt, gethan: er legte in dem Hofe der Frau Feuer an und 9 Wohnhäuſer und 20 Wirthſchaftsge bebäude wurden ein Opfer der Flammen. Der jugendliche Verbrecher wurde zu acht Jahren Arbeitshaus verurtheilt.
Koncerte und Theater.
Wir haben in unſerem gegenwärtigen Rückblick in Betreff der bereits begonnenen Koncertſaiſon noch der dritten und letzten Quartettſoirée zu erwähnen, die zwar kein eigentliches Streichquartett brachte, aber dagegen im Gebiete der Kammermuſik andere Tonſtücke aufwies, die vielſeitiges Intereſſe erregten. Wir hörten eines der herr⸗
lichen Streichtrios von Beethoven aus des Meiſters erſter, noch von Mozart beeinflußter Schaffungsperiode, hierauf ein neues Trio von unſerem genialen Landsmann Veit, deſſen Klavierpart die treffliche Pianiſtin Frln. Marie Prokſch vollendet ausführte, endlich ein Doppelquintett von Göbel, welche letztere Kompoſition aber nicht zu den bedeutenden gehört. Der Cäcilienverein gab am 30. No vember ſein erſtes diesjähriges Koncert und brachte, ſeinem höchſt lobenswerthen Principe getreu, nur Neues und Gutes. Es wurde eine Symphonie in C von Jadasſohn mit ciner maſſenhaften Orcheſterbeſetzung und recht ge⸗ lungen aufgeführt, das Werk ſelbſt hat Friſche und Ori⸗
ginalität, iſt mit Routine geformt, pikant inſtrumentirt.
und ſehr anregend. Dieſem folgte ein„Paſtorale“, betitelt „die Maikönigin“, Text aus dem Engliſchen, für Chor, Soloſtimmen und Orcheſter komponirt von St. Bennet. Die Betonung dieſes Gedichtes zeigt von Poeſie und glücklicher Erfindung lyriſcher Tonideen, die ein charak⸗ teriſtiſches den Worten anpaſſendes Tonbild wiedergeben und angenehm, auch mitunter nachhaltig anſprechen. Durch die Vorführung dieſer beiden Novitäten hat ſich der unermüdete Hr. Vereins⸗Direktor Apt die Kunſtfreunde zu beſonderem Danke verpflichtet. Auch das reiſende Vir⸗ tuoſenthum hat uns bereits einige ganz achtbare Reprä⸗ ſentanten geſtellt, ſo die Klaviervirtuoſen Frln. Vrabely und Hrn. Decker aus Wien, dann den Koncertmeiſter Hrn. Becker aus Mannheim und den Bariton Hrn. Mo⸗ rani⸗Rocca aus Mailand. Das meiſte Aufſehen von allen den Genannten erregte der Violinvirtuos Hr. Becker, ein noch ſehr junger Mann, der, obwohl hier dem großen Puöolikum noch ganz unbekannt, ſchon im erſten Koncert durch erſtaunliche Technik und wahrhaft künſtleriſchen Vortrag außerordentliches Furore machte. Sein Gefährte, Hr. Morani⸗Rocca wußte ſich ebenfalls durch kunſtgemäßen Geſang eine ehrende Anerkennung zu verſchaffen. Auch zu humaniſtiſchen Zwecken fand bereits ein Koncert und zwar zum Vortheile der Leſehalle deutſcher Studenten Stattz ferner gab die Sophienakademie am 5. December ihr Koncert, worin ſie ihr auf Kultivirung des Kirchen⸗ geſanges zumeiſt gerichtetes Streben neuerdings beurkun⸗ dete.— Unter den Bühnenleiſtungen nennen wir zuerſt die in dieſer Zeit vorgekommenen Benefizvorſtellungen, und zwar des Hrn. Hertzſch(Hugenotten), des Frlus. von Schulzendorf(die Schule der Verliebten) und der Frau Frey(1740, Luſtſpiel von Hirſch). Die beiden letzten Vorſtellungen fanden bei überfülltem Hauſe Statt und aus den dargebrachten Ovationen konnten die betreffenden Damen deutlich die Ueberzeugung hinnehmen, daß ſie erklärte Lieblinge unſeres Publikums ſind⸗ Es iſt ſehr anzuerkennen, daß Frau Frey bei dieſer Gelegenheit eine Novität brachte, wenn auch letztere keineswegs als eine Bereicherung des Repertoirs erſcheint. Frlnu. Ledner vom Stadttheater in Leipzig, ſetzte ihr Gaſtſpiel als„Julia“ in Shakeſpeare's Tragödie, als„Anna“ im„Sonnwendhof“ und als„Eugenie“ in Raupachs„Geſchwiſter“ fort und zeigte in allen dieſen Leiſtungen Begabung, Verſtändniß und Wahrheit. In der Oper gab es, wie immer, manche Täuſchung. Vorſtellungen, wie z. B.„Fauſt“, wurden plötzlich abgeſagt, andere, wie B.„Maurer und Schloſſer“ unerwartet eingeſchoben, als Lückenbüßer diente der„Waffenſchmied“. Zweifelhaft bleibt es übrigens, ob die Repriſe der Mozart'ſchen Oper„Figaro’s Hochzeit“ am 3. December einer zufälligen Eingebung der Theater⸗ direktion zu verdanken war oder ob letztere irgend welche Ahnung hatte, daß in dieſer Woche der Todestag des großen Meiſters in würdiger Weiſe hätte in Erinnerung gebracht werden können.
Wir bitten die 3. und 4. Seite des Umſchlages, unſere Abonnements⸗Einladung enthaltend,
beſonderer Aufmerkſamkeit zu würdigen.
Redigirt unter Verantwortlichkeit des Verlegers.
Papier und Druck des art.⸗typ. Inſtituts von Carl Bellmaunn in Prag.


