Heft 
(1861) 12 12
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Die unabhängigen CTſcherkeſſen. 37

Eintritt ſich wie eine Bildſäule ſtumm an die Wand ſtellt. Jeder Angehörige, der dem Eintretenden folgt, erſcheint in derſelben Weiſe und betrachtet, gleich dem Hausherrn, den Gaſt mit unverwandten Augen. Hat dieſe Förmlichkeit, etwa nach fünf Minuten, ihr vor⸗ ſchriftsmäßiges Ende erreicht, ſo geht der Wirth mit dem üblichen Gruße: Salam alaicum auf ſeinen Gaſt zu und beginnt mit ihm ein Geſpräch, während Jemand, nach echt homeriſcher Weiſe, mit einem irdenen Waſſer⸗ kruge und einer hölzernen Waſchſchüſſel ſich dem Gaſt nähert(bei den reicheren Tſcherkeſſen tritt an Stelle des irdenen Kruges ein kupferner); dieſer läßt ſich nun Waſſer über die Hände gießen, um ſie von dem Reiſe⸗ ſtaub zu reinigen. Hierauf bringt man einen runden Tiſch von zwei Fuß Durchmeſſer und einem Fuß Höhe, auf welchen die verſchiedenen Speiſen aufgetragen wer⸗ den, als da ſind: dicke oder ſüße Milch, in der Mitte mit Baſta, die unſerer Hirſe ſehr nahe kommt und hier das Brod vertritt, ein Viertel gebratenes Rindfleiſch, Honig ꝛc. Bei jedem neuen Gange erſcheint ein neuer Tiſch, der erſtere dagegen mit dem alten Gericht wird hinausgetragen. Die Milch ißt man mit einem Holz⸗ löffel, den Hirſebrei fiſcht man mit den Fingern heraus, denn der Muhammedaner bedient ſich beim Eſſen be⸗ kanntlich keiner Meſſer und Gabeln; daher ſchneidet er ſich vom Braten nicht Stückchen vor, ſondern reißt und zerrt an dieſem ſo lange herum, bis er ſeinen Appetit geſtillt hat. Während des Eſſens ſteht der Wirth mit ſeinen Angehörigen längs der Wand, ſieht dem Gaſte ruhig zu und wartet, bis dieſer ein Stück von dem Braten abreißt und es Einem von ihnen hinreicht, der gleich nach Empfang desſelben ſich wieder auf ſeinen Platz begibt, um es gemüthlich zu verzehren. Sobald der Gaſt dann ſeine Pflicht erfüllt, d. h. ſo viel als möglich ſelbſt verzehrt und auch die Anweſenden mit reichlichen Biſſen verſorgt hat, wird die Ouverture des Gaſtmahls erneuert, der Waſſerkrug und die Waſch⸗ ſchüſſel erſcheinen wieder und nach der Reinigung erfolgt das Finale, d. h. ein dienſtbarer Geiſt kehrt den Platz rings um den Liſch mit einem Beſen.

In der beſchriebenen Weiſe wird jeder Gaſt freund⸗ lich und achtungsvoll aufgenommen, und es iſt hierbei von keinem Belang, ob er vornehm oder gering iſt; dieſer Unterſchied hat nur in ſo fern Einfluß, als bei einem Edelmann die Bewirthung mit Thee eröffnet wird; auch erhält ein ſolcher als Bett ein Federkiſſen, nach Umſtänden auch zwei, ein leinenes Betttuch und eine Wattendecke mit rothem Atlasüberzug; ein ärmerer Gaſt dagegen erhält nur eine Matratze von Schafwolle, Kopfkiſſen und eine Wattendecke mit Kattun überzogen.

Das Fremdenhaus, in welchem der Gaſt auch übernachtet, unterſcheidet ſich in äußerer und innerer Einrichtung durchaus nicht von den übrigen Wohn⸗ gebäuden, wenn man dieſe ſo nennen darf. Größten⸗ theils, mit höchſt ſeltenen, erſt ſeit dem Krimfeldzuge datirenden Ausnahmen, ſind dieſe von Holz aufgeführt, die Wände beſtehen aus Weidengeflecht, mit darüber geſtrichenem Lehm. Die Fenſter ſind in die Wand ge⸗ brochene Löcher, welche durch eine Klappe nach Belieben

verſchloſſen werden können. Den Fußboden bildet eine aufgetragene Lehmſchicht, welche ſich mit der Zeit feſt⸗ tritt; in dem durch geflochtenes Waldſtroh hergeſtellten Dache vertritt eine Oeffnung zum Abzug des Rauches den Schornſtein. Zu beiden Seiten des Kamins befindet ſich eine anderthalb Fuß hohe Terraſſe, mit einem Teppich belegt, um während des Tages hier ruhen und des Nachts ſchlafen zu können, wozu die oben erwähnten Decken hierher getragen werden. Dieſer Kamin ſelbſt dient nicht blos zur Durchwärmung, ſondern auch zur Erleuchtung des Raumes, da man von einer Lampe noch keine Ahnung hat; im Winter wie im Sommer wird er bei einbrechender Dunkelheit geheizt. Nur für einen höheren Gaſt tritt ausnahmsweiſe noch eine andere Beleuchtung ein. Es werden nämlich zwei kleine Fackeln angezündet, welche zwei dienſtbare Geiſter halten müſſen; dieſes Amt verwalten entweder ruſſiſche Sklaven oder, wenn ſolche nicht vorhanden ſind, tſcherkeſſiſche Knaben. Zu beiden Seiten des vornehmen Gaſtes poſtirt, müſſen ſie ſo lange leuchten, bis derſelbe ſein Abendeſſen beendet hat. Möbel findet man weiter gar nicht in dieſen Häuſern; jeder Zierrath fällt daher von ſelbſt weg, außer daß die Wände mit Waffen und Uten⸗ ſilien, an hölzernen Nägeln befeſtigt, beſetzt ſind.

Außer dem Gaſthauſe gibt es auf einem Gehöfte noch ein Gebäude für die Herrſchaft, eines für die weib⸗ lichen, eines für die männlichen Perſonen, auch mehrere auf vier Pfählen ruhende Vorrathshäuſer, um das auf⸗ geſpeicherte Korn trocken zu erhalten. Zur Bergung des Viehes während der Winterzeit iſt gewöhnlich eine Art Remiſe vorhanden, deren Dach und Seitenwände ein ſehr dünnes Flechtwerk haben. Ein kleines Haus dient als Kapelle, in welcher der Cſcherkeſſe ſein Gebet ver⸗ richtet, d. h. abplappert, und die außer den vier Wänden keine beſonderen Ornamente zeigt. Auf dem Hofe ſelbſt ſind mehrere Nuß⸗, Feigen⸗ und andere Obſtbäume ge⸗ pflanzt; das ganze Gehöft wird durch eine gute und feſte Umzäunung geſchützt.

Da nun, bei dem gänzlichen Mangel an gemein⸗ ſam verbundenen Wohnſtätten, dieſe Gehöfte ſehr zer⸗ ſtreut, ja nach Beſchaffenheit des Landes oft meilenweit aus einander liegen, ſo kommt es nicht ſelten vor, daß der Reiſende einen ſolchen Wohnſitz nicht mehr erreicht, und dann bivouakiren muß. Nachdem er in ſolchem Falle ſich ſeinen Ruheplatz für die Nacht ausgeſucht hat, ſattelt er ſein Pferd ab und läßt es graſen, wo es Luſt hat. Er zündet hierauf ein luſtiges Feuer an und geht dann auf Entdeckungsreiſen nach türkiſchem Weizen aus, welchen er auch gewöhnlich ſehr bald findet, da er hier und dort auf den Feldern reichlich wächſt; vielleicht hat er auch ſchon unterwegs dafür geſorgt. Dieſer, über dem Feuer geröſtet, wird nun ſein Abendbrod, und am andern Morgen ſein Frühſtück. Sein Lager macht er ſich aus dem Sattel und ſeinem Gepäck zurecht. Bei Tagesanbruch ſattelt er ſein Pferd wieder und ſetzt die Reiſe fort, kehrt dann aber gewöhnlich bei dem nächſten Gehöft ein, wo er nach beſchriebener Weiſe freundlich und ohne Bezahlung bewirthet wird. Ein herrlicher und ſtolzer Wuchs, der beſonders in breiter Bruſt, ſtarken

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