Heft 
(1861) 12 12
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368 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für

ſo lange werden auch die Hauptplagen der großen Städte, als Typhus, Cholera, Tuberkuloſe und Skro⸗ phuloſe, wenn auch nicht gänzlich beſeitigt, ſo doch nie in ihren Wirkungen abgeſchwächt werden, weil eben die Urſachen oder Grundbedingungen dieſer Krankheiten fort⸗ beſtehen. So iſt, um nur ein Beiſpiel zu erwähnen, in der Schweiz die Skrophuloſe eine ſeltene Krankheit, weil dort alle Grundbedingungen fehlen, wodurch ſie hervorgerufen wird.

Es war nicht der Zweck dieſer Zeilen, den Leber⸗ thran gänzlich in Mißkredit zu bringen, was auch ver⸗ gebliche Mühe wäre, weil ſich gewiſſe Vorurtheile nicht mit einem Schlage ausrotten laſſen, aber wir wollten den Müttern einen Fingerzeig geben, wie ſie auf eine einfache und naturgemäße Weiſe die Geſundheit ihrer Kinder ſchützen und erhalten können und welche Mittel ſie anwenden mögen, die bereits eingetretene Krankheit zu beſeitigen, was ſie dann freilich nur im Vereine mit einem vernünftigen Arzte thun können. Sobald unſere Mütter die große Kunſt erlernt haben, ihre Kinder naturgemäß zu ernähren und das Wohlſein derſelben auf eine leichte Weiſe zu befördern, wird auch der Leber⸗ thran und mit ihm die Skrophuloſe verſchwinden und einem geſunden kräftigen Geſchlechte Platz machen. Es lohnt ſich deßhalb wohl der Mühe, daß Eltern der Ernährung ihrer Kinder die nöthige Aufmerkſamkeit ſchenken, da ja der Säugling ſchon der richtigen Er⸗ nährung bedarf und die Sterblichkeit unter den Neu⸗ gebornen gewiß weniger eine Folge des zarten kind⸗ lichen Organismus, als vielmehr der fehlerhaften un⸗ vernünftigen Behandlung von Seite der Erzieher iſt. Und die Kunſt Kinder naturgemäß körperlich und geiſtig zu erziehen iſt den Jungfrauen, den einſtigen Müttern, nicht angeboren, ſondern muß wie tauſend andere Dinge

Ernſt und Humor.

ſchlagen, als der Abbate ſein Ungeſchick bemerkte und ausrief:O wie bin ich doch einfältig! ich habe meiner Stärke zu viel zugetraut und es gemacht wie der Fürſt B... Der Bankier, welcher dem Spiele zuſah, ſtand wie auf Kohlen; aber der Fürſt blieb unbewegt und fragte leichthin:Warum vergleichen Sie ſich mit dem Fürſten?Weil, fuhr der Abbate, der ſeinen Gegner nicht kannte, ſorglos heraus,weil er ſich für einen guten Schachſpieler hält und doch in Wien, wo er fünfzig⸗ tauſend Thaler verloren, bewieſen hat, daß er nur ein mittelmäßiger iſt.Sie irren, entgegnete der Fürſt, er hat nur vierzigtauſend Thaler verloren.Immer⸗ hin, ſchloß der Abbate;ſo iſt er doch vierzigtauſend⸗ mal ein Narr! Die Partie war jetzt zu Ende; der Fürſt bezahlte ſie und entfernte ſich haſtig. Mit welchem Schrecken hörte nun der Abbate, wer ſein Gegner ge⸗ weſen war! Er eilte, den Wagen des Fürſten zu erreichen, er ſuchte ihn in ſeiner Wohnung auf; B.. fühlte ſich zu tief gekränkt, er ließ ihn nicht vor und zog es auch vor, Rom zu verlaſſen, ohne den römiſchen Schachſpielern weitere Triumphe zu gewähren.

In der Reiſebeſchreibung eines ungenannten Ver⸗ faſſers aus den letzten Jahren des ſiebzehnten Jahr⸗ hunderts befindet ſich u. a. eine bemerkenswerthe Notiz aus der Zeit ſeines Aufenthaltes in Padua.Es ſind, heißt es wörtlich darin,faſt durch alle Gaſſen der Stadt Schwibbogen, welche zwar ziemlich commode, daß man bedeckt gehen kann, allein ſie machen auch die Straßen enge und dunkel und geben Gelegenheit zu der berühmten Straßenmörderei, ſo man in Padua das Qui-va li nennt. Es iſt eine recht ſeltſame Sache, daß die Studenten in Padua das Recht haben zu ermorden und Arme und Beine entzwei zu ſchmeißen, ohne daß

erleent werden.

Kleine geſchichtliche Kurioſa.

Mer Fürſt B... war einer der leidenſchaftlichſten 4 Schachſpieler ſeiner Zeit. Er durchreiſte die halbe Welt um ſich mit den Schachſpielern aller Länder e zu meſſen und zu unterliegen, denn ſeine Ge⸗ ſchicklichkeit ſtand mit ſeiner Leidenſchaft nicht im gleichen Verhältniß. Sein Unglück beſſerte ihn keineswegs und mit Geringſchätzung blickte er auf die ungeheuren Summen, welche er ſeiner Leidenſchaft zum Opfer brachte. Während ſeines Aufenthaltes in Rom traf er bei ſeinem Bankier mit einem Abbate zuſammen, der, weil er ebenfalls mit Vorliebe dem Schach huldigte, von dieſem zur Unterhaltung des vornehmen Fremden zur Tafel gezogen worden war. Nach dem Mittagseſſen ſchlug der Abbate eine Partie Schach vor und der Fürſt nahm ſie begierig an. Was ſeit lange nicht geſchehen war, geſchah hier, B.... gewann ſeinem Gegner fünf Partien ab und er war in Folge einer Unachtſamkeit desſelben nahe daran, ihn auch zum ſechstenmale zu

man die geringſte Hilfe oder Recht deſſentwegen hoffen kann. Sie gehen haufenweiſe gewaffnet, ſobald es Abend worden: verbergen ſich alsdann hinter die Pfeiler unter den Schwibbögen; gehet nun Jemand vorbei, ſo ruft Einer Qui-va-li! und alsbald ein Anderer hinter ihm Qui-va-la! Alſo kann der Arme weder hinter ſich noch vor ſich, und es iſt kein ander Mittel, er muß zwiſchen dem Qui-va li und dem Qui-va-la ſterben ohne zu wiſſen, durch wen. Und hiervon machen ſich dieſe Mes- sieurs nur eine Kurzweil. Es geſchieht öfters, daß dieſe Studenten ganz Unbekannte oder wohl manchmal gar einige von ſich ſelbſt um's Leben bringen, nur daß ſie ihr ſchönes Privilegium, ſo ſie ſich zugeeignet, erhalten. Es iſt zwar wahr, daß das nicht eben alle Tage geſchieht, denn man nimmt ſich in Acht und hält ſich verſchloſſen und heimlich ſo viel wie möglich, doch vergehen wenig Monate, da nicht ein dergleichen unglück vorgeht. Dies geſchieht nicht darum, weil man dieſer Verwegenheit nicht Einhalt thun könnte, ſondern weil die Venediger, ſo die Politique etwas gar zu weit extendiren, dieſe Ruthe für die Paduaner, ingleichen dieſe Nachtwache, ſo ſie nichts koſtet, gar gerne ſehen. 5