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Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
ſich wendet und hier zahlreiche Nebenflüſſe aufnimmt, um endlich in die banater Militärgrenze überzugehen, wo es ſich wieder nach Oſten wendet und große Bruch⸗ niederungen enthält, ehe die Temes in die Donau mündet. Die Niederungen der Batſchka, vor Zeiten der Tummelplatz blutiger Schlachten altrömiſcher und tür⸗ kiſcher Heere, umſchließen mit ihrer getreidetragenden Stromebene ein niedriges, wenig fruchtbares Plateau, auf welchem Roßherden und Rinder weiden und das man unter dem Namen Batſchka nicht mit zu begreifen pflegt. Dagegen darf man die Niederungen, welche Theiß und Donau mit ihrem fetten Schlamme düngen, das Nilland der Monarchie nennen. Da wogen unab⸗ ſehbar die hochhalmigen Weizenfelder in grünen oder gelbbraunen Wellen, da duftet es aromatiſch von dem reifenden Roggen, da ziehen ſich Hanfäcker als dunkel⸗ grüne Streifen zwiſchen Weinbergen und Obſthainen hin, blöken Schafherden drüben auf dem Anger, kriechen Kürbißranken mit gewaltigen Früchten beladen am Boden hin, und ſchaut des Maulbeerbaumes weiße Frucht verſtohlen aus der Schattenwelt der Blätter her⸗ vor. Behaglich breiten ſich zwiſchen Wieſen und Gärten die reichen Dörfer der deutſchen Bauern aus, welche mit Fleiß und Sorgfalt den fruchtbaren Boden benutzen und durch das ganze Kaiſerthum wegen ihrer Wohl⸗ habenheit, ihrer Treue, wie ihres Fleißes rühmlichſt bekannt ſind. Freundlich ſchimmern zwiſchen dem Grün der Pflaumen⸗ und Apfelbäume die weißen Giebel⸗ wände hinaus über die wallenden Getreidefluren, als wollten ſie den Wanderer zur Einkehr einladen, und folgt er ihnen, ſo empfängt ihn nach alter Sitte der Name des Erbaners, ein frommer Spruch und die Jahrzahl des Baues über der Eingangsthüre des Ge⸗ höftes, auf welchem Enten, Hühner, Gänſe und Trut⸗ hühner lärmen, ſtattliche Roſſe arbeitsluſtig am Wagen ſcharren, blonde Dirnen, den Kamm im zurückgekämmten Haar, behend nach dem Stalle eilen, um die ſtrotzenden Euter der Kühe zu leeren, Schweine im Kofen rumorend ungeduldig an der Decke über dem Troge rütteln und kräftige Burſchen ſich eben zu einer Wettfahrt vereinigen. Hui, wie fliegen die leichten Wagen raſſelnd die ſtaubige Straße dahin, ſauſen über den Anger, daß die Hengſte dampfen, und der unaufhörlich peitſchende Roſſelenker, vorn auf dem Wagen ſtehend, vor Luſt aufjauchzt!
So eintönig die flache Landſchaft iſt, ſo einförmig die Städte und Flecken mit ihren gradlinigen breiten Straßen und beſcheidenen Häuſern ausſehen; ſo male⸗ riſch erſcheinen die bunten Trachten der Volksſtämme, die ſich geſchäftig durch einander bewegen. Serbiſche
die verwilderten Geſtalten der Schiffszieher auf, die reihenweiſe an eine Leine geſpannt, die ſchwerfälligen Donauſchiffe den Fluß hinauf ſchleppen, wobei ſie mit jedem Schritt eine Laſt von vielen tauſend Centnern und den Widerſtand des Stromes zu bewältigen haben. Glücklicher Weiſe nimmt dieſe quälende Arbeit ſeit der Benutzung der Dampfſchlepper ab.
Unſer Bild führt uns ſpeciell den banater Bauer in ſeiner Tracht vor. Derſelbe trägt entweder Sandalen, weite leinene Pumphoſen, eine leinene Blouſe, die über den Hüften mit einem breiten ledernen Gurt zuſammen⸗ gezogen wird, und auf dem von langen dünnen Haaren umwallten Kopfe eine hohe Pelzmütze(und das ſind meiſt die arbeitſamen fleißigen Walachen)— oder iſt er ein Deutſcher, ſo trägt er enge Lederhoſen, hohe Stiefel, einen mit Schafpelz gefütterten, beſchnürten Rock, der bis nahe an die Knie reicht, und einen Hut mit ſehr breiter herabhängender Krämpe. Noch ein⸗ facher erſcheint die Frau; Sandalen, grobe graue Strümpfe, ein grober Unterrock, breiter Gurt, eine lei⸗ nene Jacke mit weiten Aermeln und ein weißes Kopf⸗ tuch iſt ihr ganzer Anzug. P. D.
Die Skrophuloſe und der Leberthran.
oO nter den egyptiſchen Landplagen, von welchen
9/† die Bewohner großer Städte heimgeſucht werden,
iſt die Skrophuloſe noch die glimpflichſte, obwohl⸗ von ihr das bekannte Sprichwort gilt, daß unter den Blinden der Einäugige König iſt.
Wir alle wiſſen wie ein ſkrophuloſes Kind ausſieht, aber gewiß werden nicht alle Leſer die Urſachen dieſer Krankheit kennen, die beſonders unter dem kind⸗ lichen Alter ſo häufig auftritt. Die Urſache der Skro⸗ phuloſe iſt eine verſchiedene. Skrophuloſe, tuberkuloſe Eltern können ſie ihren Sproſſen mittheilen und dieſe kommen daher entweder ſchon mit den ſichtbaren Keimen zur Welt, oder werden in der Kindheit die Beute der⸗ ſelben. Andere Urſachen ſind ſchlechte, unzureichende, den Verdauungskräften des Individuums nicht entſpre⸗ chende Nahrungsmittel, unreine, dumpfe, lichtarme Luft, feuchte Kellerwohnungen, enge von hohen Häuſern ein⸗ geſchloſſene Straßen, enge ſchattige feuchte Thäler, Fa⸗ briken, Arbeitshäuſer, Bergwerke, Waiſenhäuſer ꝛc. Nach Humboldt begünſtigt Mangel an atmoſphäriſcher Elek⸗ tricität die Entwicklung und den Fortſchritt der Skropheln.
Die Skropheln haben ihren Sitz in den Lymph⸗
Matroſen mit dem rothen Fez und der abgetragenen Jacke, Walachen mit hoher Mütze, Ungarn im Schaf⸗ pelz, mit weiten Linnenhoſen und breitrandigem Hut, die wilden Geſtalten der Roß⸗, Schwein⸗ und Rinder⸗ hirten, die derben Deutſchen in engen Lederhoſen und hohen Stiefeln, die Geiſtlichen in langen wallenden Gewändern, die Frauen in grell bunten Kleidern mit Stickereien aller Art, dazwiſchen kühn blickende Officiere und ernſte Beamte— dies gibt ein reiches Bild aus dem Volksleben der Monarchie. Vor Allen aber fallen
drüſen, der äußeren Haut, den Schleimhäuten und den Knochen, wodurch Anſchwellungen der Drüſen, Eiter⸗ herde, chroniſche Ausſchläge und Geſchwüre, und der Knochenfraß hervorgerufen werden. So hat man in dem Blute Skrophulöſer eine verminderte Menge der Blutkörperchen gefunden, weßhalb wir uns auch erklären können, daß bei ihnen eine ſparſamere Gallenabfonde⸗ rung und in Folge dapon eine mangelhafte Bereitung des Speiſeſaftes und ein verminderter Uebergang von
= S A—S— S= mMaͤö—
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