Heft 
(1861) 12 12
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Emil Dietze: Ein Abenteurer wider Willen. 363

ſein, Jolky noch länger zu verfolgen, er ſollte das Le⸗ ben nun auch von einer heiterern Seite kennen lernen.

Der Oberſtatthalter blieb ſeiner Zuſage eingedenk; er begnügte ſich nicht damit, ihm ſchon am erſten Tage eine Summe Geldes, ſowie Wein und Bier zur Stär⸗ kung ſeiner Kräfte, und ſonſt Alles, was zur Einrich⸗ tung einer neuen Haushaltung vonnöthen war, zu ſchik⸗ ken, er verſprach ihm auch ferner ſein väterliches Wohl⸗ wollen, ernannte ihn bald nachher zum Fähnrich bei der Bürgergarde und übertrug ihm auch zu gleicher Zeit die Vormundſchaft über die muhammedaniſchen und heidniſchen Waiſen. Dieſes Amt machte ihn zum Er⸗ zieher aller chineſiſchen Kinder und zum Verwalter ihres Vermögens. Dieſen Begünſtigungen folgte bald eine andere nicht minder werthvolle: der Oberſtatthalter verlieh ihm die Erlaubniß, zwölf Stadtlohnwagen zu halten und in Pacht zu nehmen. Aber dazu gehörte ein anſehnliches Kapital, über das unſer Jolky nicht verfügen konnte. Auch dafür ſorgte ſein Gönner. Frei⸗ gebig ſchoß er dem ehemaligen Schneider die erforder⸗ lichen Mittel vor und Jolky ſah ſich bald von Wagen, Knechten und Pferden und was er ſonſt bedurfte um⸗ geben.

Eine ſo günſtige Wendung ſeines Schickſales, nachdem er ſo viele Drangſale erduldet, hatte Andreas nimmermehr erwartet. Er war ein guter Haushalter und ſein Wohlſtand nahm ſichtlich zu; nur reichten ſeine Kräfte nicht aus, Allem, was ihm oblag, vorzuſtehen; er ſah ſich daher genöthigt, den beſchwerlichſten Theil ſeines Geſchäftes aufzugeben, und ſo verkaufte er das ihm verliehene Vorrecht, Wagen zu halten, vortheilhaft an einen Andern und wendete ſich ausſchließlich dem Handel zu, in welchem er von Herrn von der Parra⸗ noch beſonders dadurch unterſtützt wurde, daß ihm dieſer einen unbeſchränkten Kredit gewährte. Binnen wenigen Jahren war Jolky's Vermögen ſo gewachſen, daß er ſich eine Beſitzung mit vierzehn bewohnten Häuſern er⸗ werben konnte.

Während bis zu ſeiner Rückkehr nach Batavia ſich das Unglück an Jolkys Sohlen geheftet zu ha ben ſchien, war es von da an das Glück, welches ihn mit einem Uebermaß von Wohlwollen heimſuchte und buch⸗ ſtäblich nicht müde wurde, ihm fort und fort neue Ga⸗ ben zuzuwenden. Die Batavier ſahen ihn bald als Ka⸗ pitänlieutenant, als Mitglied des Rathes der Stadt und endlich wurde er gar als Geheimer Rath in das holländiſche Gouvernium berufen. Und Jolky miß⸗ brauchte das Vertrauen, welches ihm zu Theil ward, nie. Wo ſich ihm Gelegenheit bot, für das Wohl der oſtin⸗ diſchen Geſellſchaft, wie für das des Staates thätig zu ſein, da ſcheute er kein Opfer. Jolky war nicht allein ein Mann, den man um ſeines Vermögens willen ehrte, man achtete und verehrte ihn auch hoch um ſeiner Thätigkeit und Verdienſte willen, und der Ruf von ihm ging weit, über die Grenzen ſeines Wohnortes hinaus.

Der Tod ſeines Weibes war der erſte bittere Kelch, der ihm nach langer Zeit gereicht wurde; zwei Töchter weinten mit ihm an ihrem Grabe. Noch war indeß die Wunde nicht verharſcht, als ihn ein neuer Todesfall

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auf's ſchmerzlichſte traf ſein Wohlthäter, der Herr von der Parra ſtarb.

Dieſer Verluſt zweier theuren Perſonen in dem kurzen Zeitraume eines Jahres ſchlug ſeinen Lebens⸗ muth gewaltig zu Boden, er begann ſelbſt zu kränkeln und es wurde eine recht ernſtliche Krankheit daraus. Lange Zeit zweifelte man an ſeiner Wiederherſtellung; doch die Kunſt der Aerzte rettete ihn endlich.

Während ſeiner Geneſung war Jolky von einer unwiderſtehlichen Sehnſucht nach ſeinem Vaterlande er⸗ faßt worden, und ſobald er das Lager verlaſſen durfte, beſchäftigte er ſich ernſtlich damit, alle ſeine häuslichen und geſchäftlichen Angelegenheiten für eine lange Ab⸗ weſenheit in Ordnung zu bringen. Seine Töchter über⸗ gab er der Pflege treuer Freunde und im Oktober 1776 beſtieg er ein holländiſches Schiff, das ihn Europa zu⸗ tragen ſollte. Noch ehe er mit ſeinen zwei ſchwarzen Begleitern das Vorgebirge der guten Hoffnung erreichte, warf alle Drei eine ſchwere Krankheit nieder, die ſie zwang, ihre Fahrt zu unterbrechen, und von der Jo lkyj allein nach mehreren Monaten wieder erſtand.

Im Mai 1777 konnte er ſeine Fahrt endlich fort⸗ ſetzen und im Auguſt langte er wohlbehalten in Amſter⸗ dam an. Sein nächſter Beſuch galt dem ſchon vor Jah⸗ ren in ſeine Heimat England zurückgekehrten Schwiegervater; indeß verweilte er dort nicht lange, es zog ihn nach Wien und nach ſeiner Geburtsſtadt, und bereits am 21. Oktober fuhr er durch die Thore der Kaiſerſtadt und wirklich ward ihm die Freude, ſeinen Bruder noch am Leben zu finden.

Das Erſcheinen dieſes neuen Robinſon machte ſelbſt in Wien viel von ſich reden; die Kaiſerin Marie Thereſie und ihr Sohn Joſeph, die ebenfalls davon hörten, wünſchten den Mann zu ſehen und ſeine Aben⸗ teuer von ſeinen eigenen Lippen zu hören. Die Liebens⸗ würdigkeit der beiden Majeſtäten entzückte den einfa⸗ chen Mann, und ob auch dies allein hingereicht haben würde, ihm dieſe Audienz unvergeßlich zu machen, ſo durfte er doch nicht ſcheiden, ohne als Gegengeſchenk für einige mitgebrachte indianiſche Gegenſtände, und als Erinnerung eine Medaille und eine Doſe, beide von Gold, empfangen zu haben.

So nahe der Heimat wurde das Verlangen, ſei⸗ nen Vater und den Ort ſeiner Geburt wieder zu ſehen, immer mächtiger. Er machte ſich auf den Weg und hatte bald das Glück, ſeinen Vater, der ihn kaum wie⸗ der erkannte, zu umarmen. Auf Drängen ſeiner Ver⸗ wandten ſchlug er ſich die Rückkehr nach Indien ganz aus dem Sinne und ließ ſich in Ofen häuslich nieder. Hier war es auch, wo er, um eine Theilnehmerin ſeiner irdiſchen Habe und ſeiner häuslichen Sorgen zu haben, ein zweites Ehebündniß ſchloß.

Als glücklicher Gatte und als Vater eines Sohnes ſah er dem Abend ſeines Lebens in beſchaulicher Ruhe entgegen. Doch nicht lange mehr ſollte er ſich der An⸗ nehmlichkeiten erfreuen, unter Verwandten und Freun⸗ den zu leben. Der durch unſägliche Mühſale frühzeitig entkräftete Körper wurde von Tag zu Tag hinfälliger. Ein Lungenleiden warf ihn auf das Krankenlager, das

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