Heft 
(1861) 12 12
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O mein Gott! FJetzt ahne ich Alles, verſetzte Alexander ſchmerzlich;ja, Sie haben nur zu ſehr Recht.

Und in wenig Worten berichtete er dem Arzte die Scene beim Brande, Theodors nachheriges, ſichtlich geheim gehaltenes Leiden.

Doktor A... runzelte die Stirne, was bei ihm ein Zeichen von Bedenklichkeit zu ſein pflegte; dann ſagte er:Still, er erholt ſich. Kein Wort über das Vorge⸗ fallene. Das Duell bleibt Geheimniß wir dürfen bloß den traurigen Zufall benützen.

Und der Gegner?

Iſt unverſehrt. Auch er wird ſchweigen.

Auf den Rath des Arztes zog Alexander ſich vor der Hand zurück in das nächſte Zimmer, wo er ein paar Zeilen an ſeine Mutter ſchrieb und bereit blieb, im paſſenden Moment hervorzutreten.

Theodor erhielt langſam die Beſinnung wieder. Sein Blick ſchweifte matt umher und endlich fragte er leiſe:Wer iſt bei mir?

Ich, Herr Baron, ſagte der Doktor.Vor Allem muß ich Ihnen das Sprechen ſtreng unterſagen; Ihre Wünſche will ich Ihnen abfragen; Sie dürfen mir nur durch Zeichen antworten. Ich habe dafür geſorgt, daß Ihr Zweikampf geheim bleibt, was bei der edelmüthigen Art, wie Sie Ihren Gegner ſchonten, um ſo leichter iſt. Ihr Bruder allein weiß von dem Ouell, aber er kennt Ihren Gegner noch nicht.

Es iſt gut, ſprach Theodor leiſe. Dann drückte er den Wunſch aus, zu ſchreiben. Der Doktor reichte ihm Papier und Crayon und empfing ſodann den Auftrag, ein auf dem Liſche liegendes, verſiegeltes und an Alex⸗ ander adreſſirtes Packet in die Fächer des Schreib⸗ tiſches zu verſchließen einen Brief, der daneben lag und an Frau von Krüden gerichtet war zu ver⸗ brennen.

Doktor A... die Diskretion ſelbſt that ſchweigend den Willen des Kranken und brachte ihm dann den Schlüſſel des Sekretärs. Theodor nickte matt zuſtimmend, dann ſchloſſen ſich ſeine Augen kraftlos und er verfiel in einen betäubenden Schlummer.

Alexander kam jetzt, um an dem Bette Wache zu halten, während der Arzt und der Diener ſich ent⸗ fernten, die nöthigen Hilfsmittel herbeizuſchaffen.

X.

Acht Tage waren verfloſſen in Furcht und Hoffnung für die Generalin, die treu bei ihrem Sohne ausharrte; in ſtillem Gram für Martha von Brühl, die unter einem Dache mit dem geliebten Manne, doch verurtheilt war ihm ferne zu bleiben; in herber Beun⸗ ruhigung für Alexander in heimlicher Verzweiflung für Hedwig. Jeder Einzelne trug ſeine Laſt allein.

Martha ſtill, wie ein Marmorbild, Hedwig auf entgegengeſetzte Weiſe. An der tödtlichen Angſt, die ſie jetzt verzehrte, fühlte Hedwig erſt, wie ſtark ihre unglück⸗ liche Leidenſchaft ſchon geworden war, und voll Ver⸗ zweiflung, voll bitterer Selbſtanklage, uneinig mit allen ihren Empfindungen rang ſie in der Einſamkeit ihres Zimmers die Hände und betete knieend zu Gott um Kraft, ihre verbrecheriſchen Gefühle aus dem Herzen reißen zu können. Alexander ahnte nichts von dieſen Kämpfen, aber er las doch in ihrem Auge die vernichtende Gewalt des Schmerzes, fühlte aus ihrem ungleichen Benehmen den verſtörten Zuſtand ihrer Seele heraus. Eine tiefe Traurigkeit überſchattete ſein Gemüth, aber er ſchwieg noch, nicht aus verächtlicher Indolenz, ſondern aus echter Großmuth, das verirrte Herz ſich ſelbſt überlaſſend, bis es ſich auch ſelbſt wieder finde.

Alexander glaubte mehr und mehr an den Charakter ſeines Bruders er hielt ſich überzeugt, daß Theodor nie einen Verſuch gewagt habe, dem jungen Weibe ſeines Bruders irgend ein Geſtändniß zu machen, oder nur ſeine Neigung ihr zu verrathen. Dann blieb aber das Porträt für Alexander ein undurchdringliches Räthſel, denn er fing jetzt an zu vermuthen, daß es aus einer früheren Zeit ſtamme. Konnte er aber darüber eine Frage ſtellen? Sein Gefühl ſträubte ſich dagegen und ſo duldete er ſchweigend die Pein einer zerſtören⸗ den Unruhe.

Frau von Krüden befand ſich am Morgen des achten Tages nach Theodors Unfall allein bei ihrem Sohne. FJetzt erſt wußte ſie, ſeit ſie für ihn gezittert und gebangt, daß er der Liebling ihres Herzens ſei. Die ſtille Zärtlichkeit, womit er in dieſen Tagen ihr näher⸗ getreten war, ließ ſie von Stunde zu Stunde hoffen, er werde ihr ein volles Vertrauen ſchenken. Aber noch blieben ſeine Lippen geſchloſſen und er beſaß auch die Kraft nicht zu eingehenderen Mittheilungen. Der Name Hedwig, von ſeinen fiebernden Lippen ſo oft mit Schmerz und Sehnſucht genannt, kontraſtirte ſeltſam mit der auffallenden Art, ſie zu vermeiden. Wenn ſie kam, ſtellte Theodor ſich meiſt ſchlafend; war ſie nicht da, ſo fragte er nicht nach ihr. Frau von Krüden hätte keine Frau ſein müſſen, um dieſe einzelnen Fäden nicht zu einem Gewebe knüpfen zu können. Doch verwarf ſie ſchaudernd das Reſultat ihrer Kombinationen immer wieder.

Heute hatte Doktor A... zum erſtenmale weniger Runzeln auf ſeiner Stirne gezeigt und ſelbſt eine kleine Konverſation mit Theodor gehabt das warf einen glänzenden Strahl in das Herz der Mutter.

Aus einem längeren Schlaf erwachend fah Theo⸗ dor ſeine Mutter liebevoll an und fragte:Sind wir allein, Mama?

Ja, mein Theodor, verſetzte ſie ſchmeichelnd ſein Haar zurückſtreifend;was willſt Du mir ſagen?

Alles, meine gute Mutter, was ich auf dem Herzen habe, ſagte er leiſe.Setze Dich etwas zurück in den Schatten und beantworte mir dann auch meine Fragen wahrheitstreu wie Du ja immer biſt.

Gerne, entgegnete ſie.