Heft 
(1861) 12 12
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Th. Reinwald: Theodor. 355

Phraſen zu wechſeln; dann empfahl er ſich und verließ die Geſellſchaft.

Als man ihn ſpäter vermißte, ging im Saale die Rede, er ſei von einem plötzlichen Unwohlſein befallen worden.

VIII.

Beim erſten düſteren Grau des folgenden Mor⸗ gens ſaß Theodor von Krüden noch am Schreib⸗ tiſch, wo er die ganze Nacht hindurch gearbeitet hatte. Jetzt ſchien Alles beendet, denn er legte die Feder bei Seite und blieb in dumpfem Nachdenken, die Stirn in beide Hände geneigt, ſitzen. Was in dieſer Stunde an ſeinem Geiſte vorüber zog, mußte die höchſte Qual für ſein Herz geboten haben als er ſich erhob, war ſein Geſicht entſtellt von einem grauſamen Kampfe.

Bald jedoch kehrte ſeine Ruhe zurück. In den traurigen, öden Wintermorgen hinaus blickend, fand er die Kraft, den inneren Sturm zu bewältigen.

Erwartungsvoll zählte er die fortſchreitenden Vier⸗ telſtunden, und kaum war das erſte Morgenläuten von den Thürmen der Stadt verklungen, ſo vernahm er ein leichtes Klopfen an der äußeren Thür ſeiner Wohnung. Der Diener mußte bereits inſtruirt ſein, denn trotz dieſer ungewöhnlichen Stunde öffnete er und ließ zwei in ihre Mäntel gehüllte Officiere eintreten.

Theodor kam ihnen entgegen.

Ich habe Sie erwartet, meine Herren, ſagte er mit kühler Artigkeit, indem er ihnen zugleich Plätze an⸗ wies. Ein paar gleichgiltige Worte wurden gewechſelt, dann ſagte der ältere der beiden Beſucher:Wir ſind von unſerem Freunde und Kameraden Hauptmann von Schildenburg beauftragt, Ihnen die näheren Be⸗ ſtimmungen des Rendez⸗vous mitzutheilen, Herr Baron. Schildenburg obwohl der Beleidigte ver⸗ zichtet auf das Vorrecht des erſten Schuſſes; er wünſcht, daß gleichzeitig gefeuert werde und zwar in einer Stunde, wenn Sie bis dahin bereit ſein können. Am Ausgang des Hirſchparks.

Bereit bin ich ſchon jetzt, verſetzte Theodor feſt.Meine Angelegenheiten ſind geordnet und ich bin dem Hauptmann für die Raſchheit ſeines Verfahrens ſehr verpflichtet. Auch die Wahl der Waffen und des Ortes hat meinen Beifall. Sagen Sie ihm das, meine Herren. Und nun auf Wiederſehen in einer Stunde!

Die beiden Officiere ſtanden auf und verabſchie⸗ deten ſich ceremoniös, von Theodor bis zur Thür geleitet.

In ſein Zimmer zurückgekehrt, nahm Theodor ein ſchon bereit liegendes Billet von ſeinem Tiſche und ſchickte ſeinen Diener damit fort. Er mußte indeß nicht weit zu gehen gehabt haben, denn nach Ablauf einer halben Stunde kehrte er in Begleitung eines Herrn zurück, deſſen große, dürre Geſtalt und kahle Stirn im

Aang mit der denkenden Phyſiognomie unzweifelhaft

Mann der Viſeenſchaft verrieth. Sie haben mich rufen laſſen, lieber Baron,

ſagte er, eilig eintretend;und da bin ich ſchon. Was iſt's? Sind Sie krank?

Nein, mein guter Doktor. Diesmal iſt es ein anderer menſchenfreundlicher Dienſt, den ich von Ihnen erbitte ein Doppeldienſt als Arzt und als Mann von Ehre. Es handelt ſich um eine Ehrenſache. Wollen Sie mein Sekundant und zugleich unſer Beiſtand ſein?

Sie machen mich beſtürzt! rief der Doktor, un⸗ willkürlich zurücktretend.Ich ſtehe Ihnen zu Gebot, lieber Baron, aber was un aller Welt Willen iſt denn vorgefallen?

Eine Lapalie, ſagte Theodor bitter.

Und Ihr Gegner?

Hauptmann von Schildenburg.

Was Teufel! Das hätte ich nicht erwartet. Er iſt doch ſonſt kein Händelſucher und als Freund Ihres Bruders! Ich begreife nicht!

Sie ſollen auch als Sekundant nichts begreifen, als Ihre Rolle, mein lieber Doktor. Sie wiſſen, wie exkluſiv ich gelebt habe; ich bin in der Wahl meiner Freunde in einem ſolchen Falle ſehr beſchränkt. Ich kenne Sie als Ehrenmann alſo kein weiteres Wort! Die Sekundanten Schildenburgs ſind der Haupt⸗ mann von S... und Lieutenant M... Sie haben eine halbe Stunde Zeit zur gegenſeitigen Beſprechung, dann erwarte ich Sie hier. Um ſieben Uhr müſſen wir an Ort und Stelle ſein.

Schweren Herzens entfernte ſich der Doktor. Die halbe Stunde, welche Theodor noch zu warten hatte, brachte er mit dem Ordnen von Kleinigkeiten und Auf⸗ trägen an ſeinen Diener zu, der etwas von der Sache zu ahnen anfing, ſo vorſichtig auch ſein Herr die Vor⸗ gänge des Morgens zu bemänteln ſuchte. Aber der ge⸗ meſſene Befehl zu ſchweigen, ſchloß dem geängſtigten Burſchen, wenigſtens vor der Hand, den Mund. Von Zeit zu Zeit trat Theodor lauſchend an das Fenſter, und während er die heiße Stirn an die eiſigen Scheiben preßte, hielt er die Hand an die Bruſt, als ob er dort einen gewaltigen Schmerz empfinde.

Endlich erſchien der Doktor.

Beide gingen, um alles Aufſehen zu vermeiden, zu Fuß bis an ihr Ziel, wo ſie erſt ſpäter ein Wagen erwarten ſollte. Noch war es ziemlich dunkel, das heißt, ſo melancholiſch trübe in der Atmoſphäre, die ſchnee⸗ ſchwer und bleigrau über der Gegend lag, daß die bei⸗ den raſch Dahinſchreitenden unwillkürlich zuſammen⸗ ſchauerten. Der Hirſchpark, vom Reſidenzſchloſſe etwa eine Viertelſtunde weit entfernt, lief in das Freie aus und zwar nur in traurige, eintönige, jetzt von ſchwer⸗ fälligen Raben und Krähen bevölkerte Stoppelfelder. Unweit davon jedoch lag eine kleine mit Bäumen be⸗ pflanzte Wieſe; dieſe hatte Schildenburg zum Kampfplatz erkoren.

Der Hauptmann traf mit ſeinen Sekundanten faſt gleichzeitig von der einen Seite ein, als Cheodor von der andern erſchien.

Die Herren grüßten ſich ernſt und ſchweigend Schildenburg ſah finſter wie eine Gewitterwolke

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