Heft 
(1861) 11 11
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350 Crinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Hannover 95, in Oeſterreich 11,3, in Württemberg 11,

in Sachſen 14, und in Baiern 20 Proc. Demgemäß

hätten Sachſen und Baiern den traurigen Vorzug der meiſten unehelichen Kinder. Für Baiern ſtimmt hiermit die Angabe vollſtändig überein, welche Hermann in den Beiträgen zur Statiſtik für Baiern gemacht, nach welcher auf je 3, eheliche bereits 1 uneheliche Geburt erfolgt. Auf je 1000 Neugeborene finden ſich in Baiern nicht weniger als 210 uneheliche Kinder, und läßt man die Pfalz weg, in welcher das Verhältniß am günſtigſten iſt, ſo treffen im diesſeitigen Baiern auf 1000 Neugeborene 240 außereheliche Geburten.

Humoriſtiſches. Ein kleines Landmädchen brachte Quark zu einer Stadtfrau.Iſt der Quark auch ſauber? fragte dieſe.Ja, antwortete die Kleine naiv,Mutter hat

geſtern ſchon alle Haare herausgeleſen.

In einem Café hatte ein Gaſt ein ganzes Pack Zeitungen in Beſchlag genommen und beſchäftigte ſich ſo lange damit, daß endlich ein Anderer ſich ihm in der Abſicht näherte, das Recht der übrigen Leſeluſtigen zu be⸗ anſpruchen.Sie wünſchen Zeitungen, mein Herr? fragte der Uſurpator;ich verſichere Ihnen, daß gar nichts drin iſt.Dann haben Sie ſich ſehr lange mit Nichts beſchäftigt, war die Antwort.

Ein Landmann kam ins Weinhaus und forderte eine Flaſche Wein.Wünſchen Sie Laubenheimer? fragte der Kelluer.Laubenheimer? Nein, ich werde mich wohl hüten, mir Bauchgrimmen zu machen.Wie ſo?Nun hier ſteht doch: von vorzüglicher Qual. Ach ſo! daß iſt bloß abgekürzt.Abgekürzt? Hören Sie mal, ich möchte keine Qual haben, und wenn ſie nur eine Sekunde dauerte.

John, eine einzige Frage! ſagte Veit, fin

Landmann, auf der Straße zu einem andern.Aber mach ſchnell, ich habe Eile!Was gabſt Du Deiner Kuh, als ſie neulich krank war?Ein Pfund Terpentin.

Damit ging John ſeines Weges. Am andern Tage ſah Veit John wieder.Ach John, Du haſt mir ſchlecht gerathen!Wie ſo denn?Ich gab meiner Kuh ein Pfund Terpentin und ſie ſtarb.Ja, meine auch, erwiederte John.

Warum biſt Du traurig, Freund?Meine Geliebte hat einen Andern geheiratet.Und Du haſt dabei den Pfarrer gemacht.Wie ſo?Nun, Du haſt getraut.

Wo haſt Du denn Deine Uhr gelaſſen? fragte ein alter Landpfarrer ſeinen zum Beſuch von der Uni⸗ verſität kommenden Sohn.Beim Uhrmacher zur Re⸗ paratur.Deines Geldbeutels natürlich! fügte der Vater hinzu.

Sie ſind wie ein Barometer, ſagte eine Dame zu einem in ſie berliebten Tänzer:Queckſilber unten und nichts oben.Bitte um Vergebung, meine Dame, erwiederte der Tänzer,oben trage ich Ihr Bild.

Vermiſchtes.

Der Aſtronom Otto Skruve hat vom Kaiſer Alex⸗ ander II. von Rußland eine Summe von 125.000 Fr. erhalten, um auf der Höhe des Arrarat eine vollſtändige Sternwarte zu errichten. Bekanntlich iſt dort die Luft von einer ſeltenen Reinheit und Durchſichtigkeit. 1

Folgende in Köln verübte Betrügerei verdient mitgetheilt zu werden. Ein unbekannter junger Mann von ganz anſtändigem Aeußern und zuverſichtlich auf⸗ tretend, kehrte in einem dortigen Gaſthofe ein. Als er von einem Ausgange wieder in's Hötel zurückkam, ſagte

er dem Wirthe, er habe Einkäufe gemacht; wenn die gekauften Sachen gebracht würden, möge er ſo gefällig ſein, das Geld dafür, etwa acht Thaler betragend, dem Ueberbringer zu bezahlen oder, ſetzte er hinzu, wenn er dies nicht gern thue, möge er er ihm jetzt gleich einen Hundertthalerſchein wechſeln. Der Wirth war zuvor⸗ kommend und erklärte, das Geld auslegen zu wollen. Als hiernächſt der junge Mann wieder ausgegangen war, kam ein Dienſtmann, verlangte und erhielt für ein Paket, das ex für den Kaufmann N. N. abzugeben habe, den Preis der darin enthaltenen Waare mit 7 Thlr. 20 Sg. 6 Pf. Der Herr N. N. blieb jedoch aus und bal ſellie ſich heraus, daß das Paket werthloſe Sachen enthielt.

In der Nacht vom 14. zum 15. Oktober hat in Brüſſel ein furchtbarer Sturmwind gewüthet, deſſen Wuth auch noch am 15. fortdauerte. Eine Menge Kamine wurden umgeworfen, Dächer abgedeckt und eine 28 Fuß lange Mauer niedergeworfen, die ein 27jähriges Mädchen unter ihren Trümmern begrub, das lebensgefährlich ver⸗ wundet in's Spital gebracht wurde. Verſchiedene im Bau begriffene Häuſer ſtürzten ein.

Menſchenhandel in Bukareſt. Der Bukareſter reformirte Seelſorger Franz Koos macht in öffentlichen Blättern folgende Mittheilung über einen wahren Men⸗ ſchenhandel. Ein Abenteurer, Namens Emerich Bene, bereiſt jedes Jahr das übervölkerte Szekler Land und lockt den armen Szeklern, die ſich kaum zu ernähren vermögen und ſelbſt oft zum Broderwerbe nach der Moldau gehen, die herangewachſenen Knaben, beſonders aber die Mädchen ab, unter goldenen Verſprechungen, er werde ſie in Bukareſt bei vornehmen Familien unter⸗ bringen, wo ſie es weit bringen würden. In Bukareſt angelangt, verkauft er die Kinder, mit welchen er einen förmlichen Handel treibt, die Knaben per Kopf um einen Dukaten an ungariſche und deutſche Handwerker, die Mädchen aber um viel höhere Preiſe. Dieſes ſchändliche Gewerbe treiben außer Bene noch Mehre, ſo daß in Bu⸗ kareſt allein ſich über 6000 ſolcher Szekler⸗Kinder be⸗ finden. Prediger Koos hat Bene bei der Bukareſter

Polizei verklagt, in Folge deſſen Letzterm verboten wurse,

künftig Mädchen nach Bukareſt zu bringen. Bene aber erklärte offen, das ſei ſein Erwerb, er könne denſelben nicht aufgeben und wolle von nun an die Szekler⸗Kinder nach Giurgewo ſchaffen. 1

König Dahomeh hat wieder eines jener ſcheußlichen Menſchenopfer vor, deren Rieſigkeit mit Schauder erfüllt. Es ſollen dafür nicht weniger als 1500 Schlachtopfer bereit gehalten werden. 3

Die deutſchen Kaufleute in Liverpool haben be⸗ ſchloſſen, unter ſich 7000 Pf. St.(= ca. 47.000 Thlr.) zum Bau eines Dampfkanonenbotes für die deutſche Flotto aufzubringen.. 1

Wieder ein Opfer religiöſer Schmärmerei. Aus Elberfeld wird berichtet: Vor einiger Zeit fand ſich auf dem dortigen Rathhauſe ein äußerlich anſtändiges Frauen⸗ zimmer ein. Nachdem ſie ſchon längere Zeit dort ſtill⸗ ſtehend gewartet, fragte ſie ein Beamter:Suchen Sie Jemand?, worauf ſie leiſeJa! antwortete.Wen

denn?Feſus, war die Antwort.Wollen Sie Etwas?Ja, einen Paß. Nach dem Paßbüreau

gewieſen, wünſchte ſie einen Paß nach dem Himmel, und als ihr bedeutet wurde, ſich zu entfernen, folgte ſie dieſer Weiſung nicht, ſondern wiederholte laut weinend ihr Geſuch mit dem Vorgeben, daß ihre bereits verſtorbenen Eltern ſie erwarteten und ſehr ungehalten ſein würden, wenn ſie nicht bald erſcheine; ſie wäre ſehr ſtreng er⸗ zogen und dürfe nicht unfolgſam ſein. Da nichts von ihr zu ermitteln war, wurde ſie einſtweilen als obdachlo in Polizeigewahrſam gebracht.

Der Komiker Fleſche aus Magdeburg war z Berlin in einem Luſtſpiele in der wirklichen Uniforf eines preußiſchen Polizeibeamten auf der Bühne erſchien und dieſes gräßlichen Verbrechens halber bei ſeiner