Heft 
(1861) 11 11
Seite
347
Einzelbild herunterladen

Geberde, ſo daß n Erdapfel aus ſäte, aber es mir jener böſe ſes Kapitel wür.

plioße wließen: Lächer.

unſeres werthen

Schuß. Dieſer

zweniger Profeſſor Wſſenſchaft,

Er geber⸗ alle Sachen tief hwerhörig, was jſeiner ziſcheln⸗ nell ſprach glich

einen

a der Kadetten⸗ Vorleſung über nſtand vom ge⸗

Die Kadetten noch aus ihren * Sobald der⸗ vorgeſchriebene eſtinn ter Ka⸗ ein gegebenes in und warten

am um die un⸗ nd uft mit hef

1 glücſeligen ebr jungen Ka⸗ Poltt widmen

rüber, deun

Gewehlg

1 des I b

65pe un tſein an

3

ug 1 7 4

W. Ernſt: Heitere Skizzen aus dem Kadettenleben.

347

An der Schultafel hängt eine ſehr große Karte von Deutſchland. Der Lieutenant wirft auf dieſelbe einen prüfenden Blick, ob nicht etwa mit Bleiſtift Be⸗ merkungen über Einwohnerzahl, Flächeninhalt ꝛc. ver⸗ zeichnet ſind. Um jedoch recht ſicher zu gehen, daß der zu Prüfende nicht etwa geheime Zeichen auf der Karte benütze, bedeckt er haſtig denn haſtig ſind alle ſeine Bewegungen mit der Hand die Gegend der ſächſi⸗ ſchen Länder und frägt barſch:Was iſcht daſch?

Unſer Espe ſtarrt voll Angſt auf die mit der Hand bedeckte Stelle und ſeiner Erinnerung ſchwebt in unbeſtimmten Umriſſen und verſchwimmenden Farben die große Menge der kleinen ſelbſtändigen Reiche vor, die unter der Handfläche verborgen ſein können; mit Mühe ſammelt er ſein Gedächtniß und ſtammelt:Reuß, Schleiz, Lo...

Schi haben nichtſch gelernt. Schi wiſchen gar nichtſch. Schetzen Schi ſchich. Schi haben einen Dreier fürſch ganze Monat.

Niedergeſchmettert wankt der Unglückliche ſeinem Tiſche zu und ſchwitzt den Schweiß des Schreckens zu Ende.

Der Lieutenant blickt im Saale herum und ſucht ein anderes Opfer. Doch nein, er ſucht einen ſeiner Lieblinge, damit die Beſchämung um ſo größer werde, und das Verdienſt ſeines Protektionskindes deſto mehr hervor leuchte.

Der Gerufene iſt ein Feſtungskind, gewöhnlich nur der Bruder genannt, weil er das Glück hat, eine bild· ſaubere Schweſter zu beſitzen. O es iſt ein Glück, eine hübſche Schweſter zu haben; ſelbſt bei der Geographie ſind die Wirkungen zu merken.

Der Bruder hat einſtweilen ſich die Stelle, welche der Lieutenant vorſichtig noch immer bedeckt hält, auf der eigenen Landkarte wohl angeſehen, tritt ſtolz zur Tafel und beginnt mit Zuverſicht ſämmtliche ſächſiſche Länder herzuzählen; und entwickelt, ſobald der Lieute⸗ nant die Hand von der Karte gezogen, auch ganz be⸗ ſondere ſtatiſtiſche Kenntniſſe, wobei ihm die auf den Gebirgen mit Bleiſtift geſchriebenen Zahlen ſehr zu Statten kommen.

Der Profeſſor iſt mit der Prüfung ſehr zufrieden und dem Bruder wird eine Vorzugsklaſſe in den Ka⸗ talog eingetragen.

Nachdem noch Einige geprüft worden ſind, be⸗

hinaus vor die Thür und applicirt einem unglückſeligen Gemeinen, der gerade vorüber geht, eine tüchtige Ohr⸗ feige mit der kategoriſchen Bemerkung:Daſch Maul ſchu halten und abſchufahren.

Mit Sack und Pack.

Es iſt Sonntag! Die geſammte Kadettenſchule hat zur Kirchenparade auszurücken.

Beim erſten Signal rangiren ſich die Kadetten und werden durch den Herrn Lieutenant von Schuß viſi⸗ tirt. Da gibt es eine Menge Anſtände. Bei Einem iſt eine Extra⸗Halsbinde Alles, was nicht vom Aerar dem Mann gegeben wird und ſich nicht ſtreng an die Vorſchrift hält, heißtextra beim Zweiten findet ſich ein ſeidenes Porte⸗epée, der Dritte hat die ungari⸗ ſchen Schuhe mit unrechten Schuhzeichen geſchnürt. Sind die Fehler bedeutend oder iſt der unglückſelige Kadet gerade nicht ein beſonderer Liebling des Lieutenants, ſo heißt es mit Sack und Pack ausrücken. Das iſt für gewöhnlich nicht gerade eine Unterhaltung, viel weniger noch aus Strafe. Noch jetzt, wo ich längſt die Muskete mit der Feder vertauſcht habe, drückt es mich wie ein Alp und preßt mir einen unbehaglichen Schweiß auf die Stirne, wenn ich an die vergangenen Qualen des Sack und Pack mich erinnere. Ich war mit Sack und Pack viel bei Paraden und auf Märſchen, jedoch nie wurde es mir ſo läſtig als damals, wenn Herr von Schuß mich viſitirte.

Mit Todesangſt mußte man daſtehen; ſelbſt nach der ſorgfältigſten Bemühung, nett und rein zu erſchei⸗ ven, konnte doch nein es mußte bei jedem Manne etwas vorkommen, was gegen die Vorſchrift war. Die geheimſten Winkel des Gewehres, der Patrontaſche wur⸗ den durchſtöbert; wehe, wenn irgend wo ein Stäub⸗ chen ſaß!

Wir ſtehen alſo mit Sack und Pack in Reih' und Glied. Mann für Mann wird viſitirt. Mit banger Er⸗ wartung ſehe ich den Augenblick kommen, in welchem ich mein Sündenregiſter hören werde.

Der entſcheidende Moment iſt da. Alles iſt rein und ordentlich an mir, kein Laut, keine tadelnde Bemer⸗ kung kömmt über die Lippen des Unterſuchers. Schon ſtrahlt mir die Hoffnung, den Sonntag frei und unge⸗ hindert genießen zu können: als plötzlich ein boshaft freudiger Blick unſeres Exercirmeiſters mein ſündenbe⸗

ginnt der weitere Vortrag. Die Kadetten ſchreiben fleißig

nalch. Plötzlich klopft einer derſelben verſtohlen an den

Fiſch, auf die Art, wie man es an einer Thür zu ghu erflegt. Der Profeſſor horcht und befiehlt einem Kadett

ſtopr die Thür zu ſchauen, wer draußen ſei. Natü uſß eineiß Jedermann außer dem Profeſſor, woher das

unen ſtamme; doch der Befehl wird befolgt, de 4 ſichnet die Thür, welche auf den Kaſernenga ne Fohldet es ſei Niemand da.

nuch In einer Weile ſtößt ein A⸗ in⸗ f dender Melodie des Oefilirmarſe.( ali⸗ ggleiz Ohrenſpitzen von Seiten de ſor æ iſt der Setzinung, einer der Soldaten uf em Gange

Bor ſtöre ſo den Unterricht. aruger ſtürzt er

ladenes Haupt trifft, worauf die wohlfriſirten Haare erlich geordnet ſind. Lange Haare! Schreiben Schi ihn auf, Kadet⸗ eldwebel, rückt heute Nachmittag drei Uhr noch⸗ malſch mit Schack und Pack aus mit kurtſchen Haaren. Was die Haare betrifft, war überhaupt unſer von Schuß ein großer Verehrer der à la Bedouin⸗Friſur. V Die Vorſchrift lautet: vorn ein Zoll, rückwärts ein halb Zoll. Mit dieſer Länge läßt ſich allenfalls noch eine anſtändige Kopfzierde heraus bürſten. Er aber übertrieb, wie in andern Dingen, ſo auch hier das Maß und be⸗ V ſtand feſt auf ganz kurz geſchorenen Haaren wie bei Galeerenſträflingen.

44*