Heft 
(1861) 11 11
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Der Dorf⸗Uhrmacher. Der Schloſſer von Philadelphia.

und verſtand ſie auf tauſend und ein Thema hinüber⸗ ſpielen zu laſſen, ohne gerade durch Seichtigkeit zu er⸗ müden. Als in Kurzem die kleine Gruppe ſich auflöſte, zog ſich Theodor in eine gemüthliche Ecke auf ein Sopha zurück, wo er indeß nicht lange allein blei⸗ ben ſollte.

(Schluß folgt.)

Der Dorf⸗Uhrmacher. (Hiezu die Bilderbeilage.)

m Erzgebirg' iſts rauh und kalt, Hoch liegt der Schnee auf Dorf und Wald, Vor Meiſter Märten's Zimmer. Ticktack, geht's drinnen bis zur Nacht, Ticktack, wenn grau der Tag erwacht Mit ſeinem erſten Schimmer.

Viel Uhren hat der Alte ſchon Gefertigt um geringen Lohn, Sein Haupt ward grau in Sorgen. Er ſah nur, wie die Zeit entflieht, Er ſingt ein traurig' Lebenslied, Er ſingt's jedweden Morgen.

Die Uhr ſchlägt Eins. Ich war ein Kind, Wie war die Zeit mir wohl geſinnt, Und flog dahin in Wonnen! Die Uhr ſchlägt Zwei. Es wächſt der Knab', Feld, Wald und Heid ſind ſeine Lab', Friſch fließt der Lebensbronnen.

Die Uhr ſchlägt Drei s wird ungerad! Die Welt iſt weit, und rauh der Pfad, Doch Kraft noch in den Seelen. Die Uhr ſchlägt Vier. Es winkt das Glück, Ihm nach, ihm nach, und nie zurück! Es kann dir gar nicht fehlen!

Die Uhr ſchlägt Fünf. Ich hatt eine Braut Sie ward zum Weib mir angetraut, Wie ward die Arbeit ſüße!* Die Uhr ſchlägt Sechs. Das Haus ward voll, Der Kinder Luſt an's Ohr mir ſcholl, Doch Sorg' hat ſchnelle Füße.

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Die Uhr ſchlägt Sieben. Krankheit kam, Mich lang und trüb gefangen nahm, Mein Weib ging für mich ſchaffen. Die Uhr ſchlägt Acht. Ich ſah einen Schrein, Da legten ſie mein Kind hinein, Konnt mich empor nicht raffen.

Die Uhr ſchlägt Neun. Ich bin erwacht, Ich hab' mein Weib zur Ruh gebracht, Wohl unter den grünen Raſen! Erinnerungen, LXXXII. 1861.

Die Uhr ſchlägt Zehn. Das Herz mir brach, Die Kindlein folgten der Mutter nach, Haben mich all verlaſſen.

Die Uhr ſchlägt Elf. Die Zeit iſt ſtumm, Wie einſam iſt's um mich herum, Nichts will zurück mir kehren! Genug, genug! Bald ſchlägt es Zwölf, Den letzten Schlag, Gott helf, Gott helf', Werd ich ihn endlich hören?

Der Schloſſer von Philadelphia.

Erzählung.

mos Sparks nar ein guter, rechtlicher Mann und verſtand ſein Handwerk ganz vortrefflich. Mit fünfunddreißig Jahren hatte er einen klei⸗ 6 nen eiſernen Koffer mit vielen geheimen Federn ½ gemacht. Nach der Meinung vieler Kenner war A dies ein kleines Kunſtwerk, und in vielen Zei⸗ tungen wurde dem Erfinder die gebührende Anerken⸗ nung ſeines Fleißes und Talentes zu Theil. Als er ſo plötzlich für einige Tage berühmt geworden war, gingen ihm von vielen Seiten glänzende Anerbietungen zu. Aber er wies ſie alle zurück und verſchmähte ſogar die ſich ihm bietende ſchöne Gelegenheit, in das Atelier des größten Mechanikers zu New⸗York, Namens Patſon, einzutreten. Als Grund ſeiner Weigerung gab er an, daß es ihm unmöglich ſei, Philadelphia, ſeine Vaterſtadt und die Gräber ſeiner Eltern zu verlaſſen und die kleine Miethwohnung, wo er ſich verheiratet und wo die Wie⸗ gen ſeiner Kinder geſtanden, mit einer andern zu ver⸗ tauſchen. Für einige Tage hatten die Leute wohl die Köpfe über den Mann, der ſein Glück nicht machen wollte, geſchüttelt, dann aber war er bald in Vergeſſen⸗ heit gerathen und zu der Zeit, wo unſere Erzählung beginnt, nur noch in dem engen Kreiſe ſeiner Nachbarn und Kunden bekannt.

Jakob, ſein Sohn, ein blühender Burſche von fünfzehn Jahren, war ſein einziger Lehrling. Von früh bis zum ſpäten Abend arbeiteten Vater und Sohn emſig in ihrer Werkſtätte und gönnten ſich nur ſelten eine kurze augenblickliche Raſt. Ihr Fleiß brachte ihnen aber wenig genug ein. Amos Sparks war mehr Künſtler als Handwerker, was wohl der Hauptgrund war, der ihn damals ſeine Freiheit und Unabhängigkeit einer zwar dem Anſchein nach glänzenden, aber doch unfreien und abhängigen Zukunft vorziehen ließ. Bei der einfa⸗ chen, einförmigen Arbeit, wie ſie ſein ſo wenig ausge⸗ breitetes Geſchäft eben nur verlangte, grübelte und ſann er unaufhörlich Verbeſſerungen und neuen Erfindun⸗ gen nach, an welchen ja ſchon ſeit Jahrhunderten die Mühen und Hoffnungen oft eines ganzen Menſchen⸗ lebens geſcheitert ſind. Trotz der faſt kümmerlich be⸗ ſchränkten Verhältniſſe, in welchen die Familie Sparks,