Heft 
(1861) 10 10
Seite
317
Einzelbild herunterladen

die Abſcct einzutreten. arf ich mich, mehr in die eba weinem felhoft, od er ich ihm ſehe kam. Natür⸗ obſchon die ich unpaſſen⸗ und der un⸗ alles Unge⸗ des Kame⸗ Blicke und nSchuhe,

vorgeſtellt. dat geworden

mein

die ich auf

ich mich zu mich fün Den nf falt als fennen gab, . Ich ſchob t aber als bickten, fel Resähtiges grune Jag. von mir ſich ie vor einem

Spaziergange ohem Grade die meiſten kehrten, Nl ob der auf⸗

W. Ernſt: Heitere Skizzen aus dem Kadettenleben. 315

Erſter Leldzug.

Geraume Zeit vor dem Zapfenſtreiche erſchien ich in der Kaſerne und meldete meinem Feldwebel mein Eintreffen. Dieſer wies mir noch einige Arbeit am Schreibtiſche und dann mein Lager an. Jetzt erſt löſte ſich mir das Räthſel, wie ein militäriſches Bett herge⸗ richtet wird. Auf den bloßen Strohſack wird ein Lein⸗ tuch gebreitet, auf welches in gleicher Weiſe das zweite und ſodann die wollene Decke gelegt wird. Mehr be⸗ darf es nicht, um das Lager zu formiren. Mit einer gewiſſen Neugierde kroch ich zwiſchen die zwei Lein⸗ tücher unter die Decke und verſuchte den erſten Schlaf auf Soldatenweiſe zu ſchlafen.

Ich lag nur kurze Zeit, als ich an vielen Stellen meines Körpers Stiche verſpürte, wie ſie ein kleines, jedoch höchſt läſtiges Inſekt, das ich im Vaterhauſe mehr aus der Naturgeſchichte als aus perſönlicher Be⸗ kanntſchaft kannte, zu verurſachen pflegt. Auf ſo viele Quäler jetzt Jagd zu machen, wäre ein fruchtloſes Unternehmen geweſen; ich ergab mich daher in mein Schickſal, wappnete mich mit Empfindungsloſigkeit und wollte ſchlafen, aber es war durchaus keine Möglichkeit. Von Stunde zu Stunde ſchienen ſich dieſe Miniatur⸗ blutegel zu vermehren und ſie ſetzten ſo lange ihre Maſſenangriffe fort, bis ſie mich in Verzweiflung und aus dem Bette brachten. Ich ſetzte mich auf einen Stuhl, um im Freien zu kampiren. Meine Schlafkame⸗ raden lachten und ergötzten ſich an meiner Qual, mei⸗ nen Seufzern und Verwünſchungen und ich mußte es geduldig leiden bis ſie einſchliefen und mir durch ihr Schnarchen verriethen, wie gut und behaglich ſie ruhten. Dieſer Gegenſatz zu meiner Ruheloſigkeit ließ mich die Pein der letzteren doppelt fühlen. Noch nie im Leben habe ich den Morgen ſo ſehnſuchtsvoll erwartet als in der erſten Nacht meiner Dienſtzeit auf dem harten Kommißſtuhle. Am andern Tage kaufte ich eiligſt eine Flaſche des berühmten perſiſchen Inſektenpulvers, womit ich mein Bett höchſt verſchwenderiſch einpuderte, um ſo Tod und Verderben meinen blutdürſtigen Feinden zu bringen.

Das war mein erſter Feldzug. Ich hätte nicht ge⸗ glaubt, ſo bald im Pulverdampfe zu ſtehen. Meine Schlafkameraden ſahen meinem Manöver mit verſchmitz⸗ tem Lächeln zu, deſſen Urſache mir nicht recht klar wer⸗ den konnte. Die Löſung des Räthſels erfuhr ich erſt ſpäter, und auch der Leſer wird ſie ſeiner Zeit erfahren.

Rapport und Menage.

An dieſem zweiten Tage eigentlich dem erſten meiner Dienſtzeit, lernte ich kennen, was ein Kompagnie⸗ Rapport ſei. Nach der Stundeneintheilung fällt dieſer Rapport gewöhnlich, je nach den Beſchäftigungen des Tages, in die Morgenſtunden und wird vom Kompagnie⸗ Kommandanten im Beiſein der Kompagnieofficiere ab⸗ gehalten. Eine halbe Stunde nach der Tagwache trägt der erſte Feldwebel den von den vier Zugskomman⸗ danten abgenommenen Rapport in das Rapportjournal

ein, welches ſodann beim Kompagnie⸗Rapport vor⸗ geleſen wird. Dieſer beſteht gewöhnlich aus verſchieden⸗ artigen Meldungen, Bitten, Beſchwerden, dem Dienſte, den Namen der Maroden und Arreſtanten u. ſ. w. Die vorzuſtellende Mannſchaft wird zur beſtimmten Stunde durch den Tags⸗Korporal aviſirt und tritt ge⸗ wöhnlich auf dem Kaſernengange oder einem ſonſt geeigneten Platze an. Sobald ſie vom Feldwebel rangirt iſt, wird dem gegenwärtigen jüngſten Officier die Mel⸗ dung erſtattet. Dieſer beſichtigt die Adjuſtirung, ſtellt allenfalls vorkommende Fehler ab und meldet hierauf dem nächſt älteren Officier und dieſer in aufſteigender Linie weiter bis zum Kompagnie⸗Kommandanten, daß der Rapport geſtellt ſei. 5

So ſtand denn auch ich das erſte Mal in Reih' und Glied und wartete mit Spannung der Dinge, die da kommen ſollten, Endlich erſchien mein Hauptmann, ein großer ſtarker Herr von echt militäriſchem Ausſehen. Vom rechten Flügel an begannen die Meldungen. Auch ich recitirte die mir beigebrachte Formel:Herr Haupt⸗ mann, ich melde gehorſamſt, daß ich zur Kompagnie eingerückt bin, worauf der Hauptmann meine erbärm⸗ liche Montur viſitirte und den Befehl gab, der Kom⸗ pagnie⸗Schneider ſolle ſogleich die Adjuſtirung einer beſſeren beginnen. Das gefiel mir vom Hauptmann ungemein und er hatte ſogleich einen Stein bei mir im Brette. Ich hörte ihm ehrfurchtsvoll zu, als er mir Fleiß, Akkurateſſe und andere militäriſche Tugenden einpfahl und mir einen tüchtigen Unterofficier zum Abrichter empfahl, ſo wenig auch das WortAbrichter meiner Eigenliebe als Menſch und geweſenem Studioſus ſchmeichelte.

Um eilf Uhr war Menageabeſſen. Da die Mann⸗ ſchaft des Regiments zum großen Theil aus Ungarn, Romänen und Zigeunern beſtand, ſo war auch ihre Menage eine von den nicht ungariſchen Regimentern durchaus verſchiedene. Obſchon ich in Ungarn geboren und erzogen bin, ſo war ich doch ganz in deutſcher Sitte aufgewachſen und an deutſche Koſt gewöhnt, und daher vermochte auch die ungariſche Menage meinem deutſchen Gaumen nicht zu behagen. Eine Probe dieſer ungariſch militäriſchen Küche gibt folgende, wöchentlich einigemale vorkommende Speiſe. In die blechernen Menagekeſſel wird Fleiſch und einiges Gemüſe letzteres lin dem Zuſtande, wie es eben vom Greisler kommt, mit Waſſer gekocht, ſodann eine beſtimmte Menge Fiſolen dazu gegeben, gleichfalls in dem Zuſtande, wie man ſie kauft, denn eine Abſonderung der unbrauchbaren Bohnen wäre der Quantität nachtheilig, und ſchließlich das Ganze mit einem Zuſatz von ſogenannter Einbrenn zu einem Brei verarbeitet. Bei Vertheilung der Menage werden die Menageſchalen in Reihen aufgeſtellt und der Inhalt des Keſſels mit höchſter Gewiſſenhaftigkeit durch den Gefreiten, öfters auch durch einen Korporal, durch die Anzahl der Schalen dividirt, bis alle gleichmäßig gefüllt ſind. Hierauf ſtreut man in jede Menaggeſchüſſel ein gehöriges Quantum feingeriebenen Paprika, ſo daß es ausſieht, als ob Ziegelmehl oder die bei den Zimmer⸗ leuten gebräuchliche rothe Farbe darin wäre. Sowie

40*