296 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
wollte nicht Mittag werden. Plötzlich bekam ſie die Idee, im Garten Blumen für den Mittagstiſch zu ho⸗ len. Der Gaſt ſollte damit überraſcht werden. Ob er wohl die Blumen liebt? Dieſe Spielerei lenkte glücklich Hedwigs Gedanken ab. Wähleriſch ſuchte ſie die ſchönſten, friſcheſten und band ſie zu drei niedlichen Bouquets, die die Couverts zu zieren beſtimmt wurden, und ordnete die übrigen ſinnig in nette Körbchen, wo⸗ von eines die Mitte des Tiſches einnehmen und eines in Theodors Zimmer kommen ſollte. Endlich, end⸗ lich hörte ſie Stimmen und eilig mit ihren Blumen entfliehend ſprang ſie die Treppe hinauf; ihr Arrange⸗ ment war gelungen, ehe die Zurückkehrenden noch das Haus erreicht hatten. Erhitzt, klopfenden Herzens kam ſie ihnen entgegen, beide Hände gleichzeitig Beiden reichend.
Tartar trug das von Theodor erlegte Wild und brachte es auf den Schmeichelruf Hedwigs zu ihren Füßen hin.
„Sie haben alſo Glück gehabt,“ ſagte ſie.
„Wie konnte ich anders, nachdem Sie mich mit einem Segenswunſche entlaſſen haben?“ verſetzte Theodor.
Dann ging er auf ſein Zimmer, die Kleider zu wechſeln, und als er wieder herab kam, ſagte er keine Sylbe über die ihm zugedachte Ueberraſchung. Auch bei Tiſche ſchien er die Zugabe der Blumen natürlich zu finden. Alexander würdigte indeß die Tafelzierde beſſer. Er ſagte heiter:„Jeder ſchmücke ſich mit ſeinem Strauße,“ und gab das Beiſpiel, indem er den ſeinen ſcherzend an ſeinem Knopfloch befeſtigte. Hedwig ſteckte den ihren in den Gürtel und ſah erwartungsvoll auf Theodor, der langſam und mechaniſch die Blu⸗ men betrachtete und endlich ebenfalls in ſein Knopfloch hing, ohne ein Wort zu ſagen.
(Jortſetzung folgt.)
Kater und Katze.
Stillleben am Sonntagsmorgen. (Hiezu die Bilderbeilage.)
Am Sonntag früh da waren All
Wohl in die Kirche gangen,
2 Der Kater und die Katz allein Umher im Zimmer ſprangen. Sie guckten hin, ſie guckten her, Ob nirgend was zu naſchen wär,
Es roch ſo appetitlich.
Der Kater ſtolz einherſpaziert: Jetzt bin ich Herr im Hauſe, Und geb' mich länger nicht mehr ab Mit hungrigem Gemauſe! Im Schrank dort ſteht ein Schinkenbein Und ein getratenes Entelein—. Wärs nur nicht eingeſchloſſen!
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Die Katze ſpricht: Ich bin die Frau, Weiß, wo die Milch zu finden, Weiß auch, wo Brod und Butter ſteht, Und gute Käſerinden. Auch anderthalb geback'ner Fiſch Sind aufgeſpart vom Mittagstiſch— Wärs nur nicht eingeſchloſſen!
Der Kater ſpricht: Eine Leberwurſt Liegt auch noch in dem Schranke, Ein Schnäpschen derauf, fürwahr das iſt Ein trefflicher Gedanke! Die Flaſch' iſt zu? So trink ich gern Auch Milch— zwar iſt ſie nichts für Herrn— Wär ſie nur nicht verſchloſſen!
Die Katze ſpricht: Ich wittere was Von guten Hefenklößen, Daneben liegt gebrat'ner Speck,
Ich glaub, in ganzen Stößen!
Der Kater ſpricht: Ein Hering auch
Iſt gut, mit klein gehacktem Lauch— Wärs nur nicht eingeſchloſſen!
Die Katze ſpricht: Ich bin die Frau, 2 So will ich ſitzen und ſpinnen. Der Kater ſpricht: Ich bin der Herr, Was ſoll denn ich beginnen? Es iſt ſo leer im ganzen Haus, Hm! fänd ich nur ne ſette Maus— Sind die auch eingeſchloſſen?
Und als die Kirch' und Predigt aus, Die Hausfrau kommt geſchritten: „Ei, find ich euch bei meinem Schrank So häuslich guter Sitten? Ihr Muſter der Enthaltſamkeit, Wohl euch, daß die Gelegenheit 4 Euch klüglich ward verſchloſſen!“
Louiſe Meunier. Von P. D. (Schluß.)
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IX.
ouiſe ſuchte durch dieſe feinen Troſtſprüche René nur zu täuſchen; denn ſie war entſchloſ⸗ ſen, nie wieder auf ſeine Verſprechungen oder auf ſeine Liebe irgend welche Anſprüche zu er⸗ heben. Sie hatte die Stimmung der Gräfin zu genau erforſcht und durchſchaut, als daß ſie die Verſuche, dieſelbe zu ihren Gunſten zu bekehren, noch hätte fortſetzen mögen, deren Erfolgloſigkeit für ſie auf der and lag und die ihr höchſtens neue Demüthigun⸗
gen und neue Qualen einbringen konnten.


