254 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
und mit Hinzurechnuug des Militärs auf 37,754.856 Seelen, alſo um etwa 26 ⅜ Procent geſtiegen.— Der
auf Grundlage der Beſitzveränderung von 1851 bis 1855 und anderen Unterlagen ermittelte Werth des Realbe⸗ ſitzes nebſt Viehſtand und Inventar beſtand im Jahre 1858 aus 10,785,173.688 fl. und war belaſtet mit Hypo⸗ thekenſchulden im Werthe von 1,416,729.882 fl., ein Verhältniß, das in keinem Staate der Welt günſtiger ſein wird. Der Grundbeſitz beſtand aus 35,854.995 Joch Aeckern und Reisfeldern, 1,091.984 Joch Weingärten, 13,785.989 Joch Wieſen und Gärten, nebſt Oliven⸗, Lorbeer⸗ und Kaſtanienwäldern, 14,569.318 Joch Weiden, 31,864.873 Joch Waldungen und 612.893 Joch Sümpfen mit Rohrſchlag, zuſammen in 97,749.964 nach öſterr. Jochen.
Seeit dem Beſtehen der Gewerbefreiheit in Oeſter⸗ reich wurden in Wien 99 neue Kaffeehäuſer eröffnet. Vor der Gewerbefreiheit waren in Wien 100 Kaffee⸗ häuſer. Jetzt wird daſelbſt das zweihundertſte eingerichtet.
Humoriſtiſches. Was muß ein Jüngling thun, den die Schön⸗ heit einer Dame in Feſſeln ſchlägt?— Er muß die
Ruthe küſſen, die ihn ſchlug.
„Iſt Herr S. zu Hauſe?“—„Nein, aber nach dem Eſſen iſt er gewiß da.“—(Vier Stunden ſpäter): „Iſt Herr S. da?“—„Nein.“—„Aber es iſt jetzt Abend, und Sie ſagten doch, er werde nach dem Eſſen da ſein.“—„Ja, er hat auch noch nicht gegeſſen.“
Was ſcheint eine Dame zu ſagen, welche ein roſiges Näschen hat?— Küſſe mich sub rosa!
Warum die Damen ſo hartnäckig die Krinolinen, eine Art Panzer, als kriegeriſche Kleidung tragen?— Weil die Lieutenants von ihren Schnürleibern Gebrauch machen.
Ein junger Mann erbot ſich einer jungen Dame
ein Geburtstagspräſent zu machen und fragte ſie, was ſie⸗
ſich am liebſten wünſche.— Nun, erwiederte die Gefragte mit feinem Doppelſinn, ich erwarte Ihren Antrag.
Ein Knabe ſetzte ſeines Vaters Brille auf, fiel auf die Naſe und ſchlug ſich Glasſplitter in dieſe.— „Was iſt denn geſchehen?“ rief die Mutter erſchrocken. —„O Mutter, ich bin in ein Loch gefallen!“—„In ein Loch?“—„Ja, wo Glas drauf und Eiſen drum war.“
Wie viele Sinne hat ein Menſch?— Sieben: Den Geſchmack, das Gefühl, eine Naſe, zwei Augen und zwei Ohren.
Ein Großprahler, der wegen ſeines Geſchwätzes auffiel, ſagte unter Auderm zu ſeinem Nachbar:„Glauben Sie, mein Herr, es gibt auch noch heute, wie zu Bileams Zeiten, ſprechende Eſel.“—„Wie ich höre!“ verſetzte der Angeredete.
Jemand rettete eine Dame vom Tode des Er⸗ trinkens und ihr nun hinzukommender Gatte ſchenkte ihm zum Dank zwei Groſchen. Die Zuſchauer waren über dieſe Knauſerei entrüſtet.— Bſt! ſagte ein Spötter, der Herr wird wohl wiſſen, was er gibt. Hätte dieſer Held hier ſeine Frau nicht gerettet, ſo würde er vermuthlich einen Louisdor erhalten haben.
Vermiſchtes.
Mit der Bemerkung„Buchſtäblich wahr“, erzählt die„N. Münchner 3.“: Eine in der jüngſten Zeit an einen deutſchen Monarchen gerichtete Bittſchrift eines Landmannes trug die folgende Adreſſe:„J. Hochwohl⸗ geboren Herrn Königl. Majeſtät des Königs und ſeiner Gemalin Ehefrau in**(Zum allerhöchſten Selbſter⸗ brechen).“.
Die Polizei zu Freiburg verhaftete unlängſt einen Bettler, der ſich in einem äußerſt mitleiderregenden Zu⸗ ſtande befand und deſſen ganzes Aeußere darauf berechnet war, auf die bitterſte Noth, den größten Mangel ſchließen zu laſſen. Als man denſelben näher unterſuchte, fanden ſich mehre tauſend Thaler in Werthpapieren bei ihm vor. Eine Anfrage bei ſeiner Heimatbehörde in Berlin über ſeine Perſönlichkeit brachte die Nachricht, daß das Geld ſein Eigenthum und der Verhaftete ein ganz wohlhaben⸗ der Mann ſei. Derſelbe iſt auf einer Vergnügungsreiſe in die Schweiz begriffen und bettelte ſich in dieſer Weiſe durch, weil es ihm der Geiz nicht zuläßt, einen Pfennig von ſeinem Vermögen anzugreifen.
Am 7. Oktober wurde in Olmütz ein 14jähriger Bäckerjunge ertappt, als er brennenden Zunder unter die Marktbuden am Oberring ſteckte. Der junge Brandleger wurde ſofort verhaftet.
In Sorbais(Frankreich) hat ſich folgender merk⸗ würdige Fall ereignet. Eine Bauersfrau trank eine Schale kalte Milch und verſchluckte dabei eine lebende Eidechſe. Sie ſpürte zwar, daß ſie etwas mit hinuntergeſchluckt hatte, gab aber nicht weiter Acht darauf. Andern Tags ſtellten ſich jedoch ſehr heftige Magenſchmerzen ein, die täglich zunahmen, ſodaß ſie, nach drei Wochen der ent⸗ ſetzlichſten Leiden, glaubte ſterben zu müſſen. Da gelang es ihr endlich, nach unerhörten Anſtrengungen, eine große Menge unverdauter Stoffe durch Erbrechen von ſich zu geben, worunter ſich glücklicher Weiſe die Eidechſe befand. Dieſelbe lebte noch zwei Stunden. Die Bauersfrau wurde wieder ganz hergeſtellt.
Ein furchtbares Eiſenbahnunglück begab ſich am 3. September auf der Hannibal⸗ und St. Joſef⸗Bahn in Miſſouri. Die Seceſſioniſten hatten die 100 Fuß lange und 35 Fuß breite Eiſenbahnbrücke über den Little Platte⸗Fluß auf ſo heimtückiſche Weiſe zerſtört, daß ſie feſt zu ſtehen ſchien und zur mörderiſchen Falle wurde. Die Bindebalken der Brücke unterhalb des Fahrweges waren verbrannt, das Feuer aber war, nachdem es die⸗ ſelben verzehrt hatte, ſorgſam ausgelöſcht worden. Ein Bahnzug mit 85 bis 100 Perſonen, unter ihnen Weiber und Kinder, kam in der Nacht um eilf Uhr auf dieſe Brücke und ſtürzte in den Abgrund. 17 Perſonen blieben auf der Stelle todt, die Mehrzahl der übrigen wurde
gräßlich verwundet und verſtümmelt. Nur drei Perſonen
kamen wie durch ein Wunder unverſehrt davon. 4
Einer Weinhändlerswitwe in Berlin war ein Hundertthalerſchein abhanden gekommen. Der Verdacht des Diebſtahls fiel auf eine Aufwärterin. Dieſe läugnete jedoch die That, gab ſofort den Dienſt auf und zog zu ihrem Geliebten. Die Weinhändlerin ſuchte ihre gewe⸗ ſene Magd in ihrer Wohnung auf, wahrſcheinlich, um ſie zur Herausgabe des Scheines zu bewegen. Hiebei mögen Beide in Streit gerathen ſein, welcher damit endete, daß die Frau von dem Mädchen erdroſſelt wurde. Die Thä⸗ terin fuhr dann die Leiche auf einem Kinderwagen zum Kanal und warf ſie in's Waſſer, wurde jedoch bemerkt und verhaftet. Bei der Durchſuchung ihrer Wohnung fand man den vermißeen Hundertthalerſchein in einem Verſtecke.
In Leipzig nahm am 29. Sept. die Polizei bei einem dortigen Steindrucker falſche öſterr. Zehnkreuzer⸗ münzſcheine nebſt den dazu verwendeten Steinplatten in Beſchlag. Fünf Perſonen wurden wegen dieſer Fälſchung, die glücklicherweiſe gleich im Beginn entdeckt wurde, verhaftet. 1
Der„Tagesbote“ erzählt: Als am letzten Sonn⸗ tag der von Dresden kommende Zug in Bodenbach hielt, entſtieg ein Herr dem Coupô, ſetzte ſich während der Aufenthaltszeit behaglich auf einen im Bahnhofe liegen⸗ den vollen Hopfenſack und brannte ſich eine Cigarre an. Zwei andere ebenfalls mit demſelben Train angekommene Herren betrachteten aus der Entferhung den Sitzenden und bewunderten deſſen auffallende Ae. Grafen Forgäch. Endlich tr 5 ein ef fremden Herrn am Hopfenſa⸗


