Heft 
(1861) 8 08
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Urſprung der Seebäder. 249

Um ſie zu begreifen, muß man die Zeit und die Gelegen⸗ heit kennen, wo dieſe Kunſt anfing, ſich zu erfüllen.

Zwiſchen zwei Perioden der Kraft, der Zeit der Renaiſſance und der Zeit der Revolution, gab es eine Zeit, wo gewichtige Symptome auf eine moraliſche und phyſiſche Erſchlaffung hindeuteten. Die alte Welt, welche verſchwand, und die junge, die noch nicht da war, ließen zwiſchen ſich einen Zwiſchenakt von einem oder zwei Jahrhunderten. Schwache, krankhafte Geſchlechter, her⸗ vorgegangen aus dem Uebermaß der Luſt und dem Uebermaß des Elends. Das dreimal gründlich ruinirte Frankreich ſuchte ſein Elend in der Orgie der Regent⸗ ſchaft zu vergeſſen. England, das indeſſen auf unſere Koſten wuchs, ſchien kaum weniger vom Uebel ergriffen. Die puritaniſche Idee hatte an Kraft verloren, und eine andere war nicht an ihre Stelle getreten. Das unter Karl II. erniedrigte England wurde durch den Schlamm der Walpole's geſchleift. In der allgemeinen Erſchlaffung zeigten ſich Neigungen ſchrecklichſter Art. Das ſchöne Buch Robinſon Cruſoe läßt nicht undeutlich das herein⸗ drohende Geſpenſt der Alkoholvergiftung erblicken.

Die wüſten Gedanken, die ſchlechten Sitten, ein verweichlichtes, ungeſundes Leben offenbarte ſich phyſiſch in der krankhaften Schlaffheit des Fleiſches, in Skrofeln u. ſ. w. Das ſchönſte Fleiſch bedeckten die ſchrecklichſten Uebel. Die durch die außerordentliche Friſche berühmte Anna von Oeſterreich litt an einem Geſchwür. Die Prinzeſſin Soubiſe, dieſe herrliche Blondine, zerfiel ſo zu ſagen in Stücke.

In England fragt ein großer Herr, der Herzog von Neweaſtle, ſeinen Doktor Ruſſell, weßhalb die Rage ſich verſchlechtere, weßhalb die Lilien und Roſen Skrofeln decken?

Es iſt ſehr ſelten, daß eine entnervte Rage ſich wieder hebt. Die engliſche that es indeſſen doch. Sie entwickelte(auf 70, 80 Jahre) eine ganz außerordent⸗ liche Kraft und Thätigkeit. Sie verdankte dieſe Wieder⸗ geburt einmal den großen Thaten(Nichts iſt ſo geſund als die Bewegung), und das andere Mal dem Wechſel ſeiner Gewohnheiten. Es acceptirte eine andere Nahrung andere Erziehung, andere Heilkunſt; jeder wollte ſtark ſein, um handeln zu können. 3

Es bedurfte dazu nicht des Genies. Die Ideen, worauf es ankam, waren ſchon lebendig, brauchten nur angewandt zu werden. Der Moldauer Comenius hatte ſchon ein Jahrhundert vor Rouſſeau geſagt:Haltet euch an die Natur! folgt der Natur! Der Sachſe Hoff⸗ mann hatte geſagt:Kehrt zur Natur zurück. Folgt ihr in der Heilkunſt!

Hoffmann war zur rechten Zeit, zur Zeit der Re⸗ gentſchaft, gekommen, nach der Orgie der Luſt und der Orgie der Medikamente, durch welche man jene noch verſchlimmerte. Er ſagte:Flieht die Aerzte und trinkt Waſſer! Es war eine moraliſche Reform. So ſahen wir Prießnitz nach den Bacchanalien der Reſtauration (1830) der hohen Ariſtokratie von Europa die härteſte Büßung auferlegen: ſie mußten ſich mit Bauerbrod nähren; die zarteſten Damen mußten ſich unter eiskalte Waſſerſtürze ſtellen. So groß iſt beim Menſchen die

Erinnerungen. LXXXII. 1861.

Liebe zum Leben, ſo groß ſeine Furcht vor dem Tode, ſeine Andacht vor der Natur, ſobald er fühlt, daß ſeine Kraft nachläßt.

Und in der That, weßhalb ſollte das Waſſer nicht das Heil des Menſchen ſein? Nach Berzelius beſteht er (vier Fünftel des Ganzen) aus Waſſer, wird ſich morgen wieder in Waſſer auflöſen. In den meiſten Pflanzen findet dasſelbe Verhältniß ſtatt. Als ſalziges Waſſer bedeckt es vier Fünftel des Planeten. Für das trockene Element iſt es eine beſtändige Hydrotherapie. Es er⸗ nährt dasſelbe, ſchwellt die Früchte, die Ernten. Selt⸗ ſame, wunderbare Fee! Mit Wenig ſchafft ſie Alles; mit Wenig zerſtört ſie Alles, Baſalt, Granit, Porphyr. Das Waſſer iſt die große Kraft, aber auch die elaſtiſche Kraft, die ſich allen Wandlungen der großen Metamor⸗ phoſe anſchmiegt. Es umhüllt, durchdringt, wandelt die ganze Natur.

In welche ſchreckliche Wüſte, in welchen ſchauer⸗ lichen Wald gehen die Leute nicht, um die Waſſer, die aus der Erde quellen, aufzuſuchen! Welche abergläubiſche Anbetung der Quellen, welche uns die verborgenen Tugenden der Erde zuführen? Ich habe Fanatiker ge⸗ ſehen, die nur Karlsbad zum Gott hatten, dieſes wunder⸗ bare Zuſammenſtrömen der verſchiedenſten Waſſer! Und ich ſelbſt war ergriffen von dem ſiedenden Schlamm, in welchem das Schwefelwaſſer von Acqui quellt, mit ſeltſamen Pulsſchlägen, wie man es nur an belebten Weſen ſieht. 8.

Die Thermen! ſie bringen Leben oder Tod; ihre Wirkung iſt entſcheidend. Wie viel Kranke hätten ſich noch lange hinſchleppen müſſen, wenn man ſie nicht in die Bäder geſchickt hätte! Oft bewirken dieſe mächtigen Waſſer eine Wiedergeburt, einen Augenblick der Geſund⸗ heit, ein fürchterliches Erwachen derſelben Leidenſchaften, welche das Uebel erzeugten. Es iſt ein Ausbruch, der zu Tage bringt, was man am liebſten vor Allem ver⸗ borgen hätte. Nichts iſt verborgen in dieſen Babeln, wo man unter dem Vorwande der Geſundheit außer⸗ halb der Gefahr dieſer Welt lebt, wie in der Freiheit der kommenden. Bleiche Schemen drängen ſich um den Spieltiſch und enthüllen die Nacht ihrer ungezügelten Leidenſchaften, auf die ſo oft kein Morgen folgt.

Anders iſt der Hauch des Meeres. Es reinigt durch ſich ſelbſt.

Dieſe Reinheit entſteht durch die Luft; ſie entſteht auch durch den rapiden Austauſch der Waſſer der beiden Oceane. Nirgends Ruhe, nirgends geräth das Leben in's Stocken. Das Meer treibt und ſchafft und treibt ohne Unterlaß. Von Zeit zu Zeit regt es ſich in wilder Kraft und ſtößt krankhafte Stoffe mit übermüthiger Gewalt von ſich. Ebenſo iſt die Luft durch die Winde, durch die elektriſchen Stürme in ewiger heilſamer Revolution.

Auf dem Lande leben heißt ruhig leben; auf dem Meere leben heißt im Kampfe leben; in einem kräfti⸗ genden Kampfe für die, welche ſtark ſind.

Das Mittelalter haßte das Meer,das Reich des Fürſten der Winde, wie man den Teufel nannte. Das edle 17. Jahrhundert mochte nicht unter rauhen Ma⸗