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246 Erinnerungen. Flluſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.—
er bat das Volk, für das Heil ſeiner Seele zu beten, er ſei ſich keines Unrechts bewußt, das eines ſo ſchmäh⸗ lichen Todes werth ſei. Zieglhauſer redete ebenfalls zur Verſammlung; er flehte das Volk an, dahin zu trachten, daß die fürſtlichen Brüder eins mit einander würden, denn es möchte ein Blutbad kommen, größer als das heutige, von dem einſt Kind und Kindeskinder ſingen und ſprechen würden. Er ſterbe, weil er, der dem Kaiſer geſchworen, ihm treu geblieben und Albrecht zu dienen verweigerte.
Sie Alle ſtarben unter Henkers Hand, Holzerwar allein noch übrig. Der Anblick der Hinmordung ſeiner Gefährten, der ſeine Strafe ſchärfen ſollte, hatte ihn nicht ſo ſehr mit Todesfurcht erfüllt, als man wohl beabſichtigt. Getroſt betrat er das Blutgerüſt, ohne Schaudern blickte er auf die fünf kopfloſen Leichen, ohne Schaudern ſah er die Blutwerkzeuge, die ihn vom Leben zum Tode bringen ſollten, und als der Scharf⸗ richter zu ihm trat und ihm ſagte, daß er einen Tod ſterben werde, der ſeinen Leib den Vögeln preis gäbe, da antwortete er mit bitterem Lächeln:„Ich weiß, daß Chriſtus, deſſen Gedächtniß wir vor acht Tagen gefeiert, unſchuldig für mich geopfert wurde; alſo will auch ich den Tod erleiden, obwohl er grauſamer iſt, als ich ihn verdient.“ Und widerſtandslos ließ er geſchehen, was die Knechte an ihm thaten. Er verſchied ohne einen Schmerzenslaut, nur einmal hob er den Kopf, um der blutigen Arbeit zuzuſchauen; dann ſchloſſen ſich ſeine Augen für immer.
Der zerſtückelte Leichnam wurde an den vier Stadt⸗ pforten, und das Haupt bei der Vorſtadt, durch welche er die Reiſigen eingeführt, aufgeſteckt. Die übrigen Gefangenen erhielten auf Fürbitten ihrer Verwandten und Freunde gegen ein Löſegeld von vier und zwanzig tauſend Gulden ihre Freiheit.
Damit aber war die Ruhe noch bei weitem nicht hergeſtellt; auch das Raubunweſen nahm kein Ende, im Gegentheil wurde es nur ſchlimmer. Albrecht zog von einem Orte zum andern, Wien mochte vom Kaiſer nichts wiſſen, und umſonſt bemühten ſich der Papſt und verſchiedene Fürſten, einen Frieden zwiſchen den feindlichen Brüdern zu Stande zu bringen, ja, es währte gar nicht lange, ſo ſchlugen die Mißhelligkeiten zwiſchen dem Kaiſer und Albrecht auf's Neue in helle Flammen auf. Mehrere hochangeſehene Männer des kaiſerlichen Hofes waren von Friedrich abge⸗ fallen und hatten ſich Albrecht zugewendet, der ſie hocherfreut aufnahm. Nach einiger Zeit indeß glaubte er Urſache zum Mißtrauen gegen ſie zu haben; die Edelleute zogen es unter ſolchen Umſtänden vor, ſich reumüthig dem Kaiſer zu Füßen zu werfen und ihm ihre Dienſte von Neuem anzubieten. Dieſer Zuwachs kam Friedrich ſehr gelegen, er ſah ſich im Geiſte bereits im Beſitz von ganz Oeſterreich und griff zu den Waffen. Seine Truppen umſchwärmten Wien, ſie ſchnit⸗ ten die Zufuhr ab und lähmten den Handel. Durch zermittlung mehrerer Fürſten kam endlich ein Waffen⸗ ſtand zu Stande, der am 22. September 1463 zu
einem Friedensſchluſſe führte, deſſen einzelne Artikel zu Tuln unter dem Vorſitze des päpſtlichen Legaten geneh⸗ migt werden ſollten. Wie ſchon früher einmal erhoben auch jetzt die Abgeordneten des Kaiſers Schwierigkeiten. Es handelte ſich um den rückſtändigen Sold der Kriegs⸗ knechte, der allerdings zu einer ungeheuren Höhe ange⸗ wachſen war und das Land ſchwer belaſtete. Auch der Kaiſer ſelbſt erhob immer neue Einwendungen und trug endlich auf einen allgemeinen ⸗Landtag zu Hadersdorf an; Albrecht ging darauf ein; als aber der Tag kam, an welchem der Landtag zuſammentreten ſollte, erließ Friedrichein Patent, in welchem er ſeinen Unterthanen verbot, auf dem Landtage zu erſcheinen.
Das Ende der Verwirrungen war nicht abzuſehen, um ſo weniger als die Zwietracht jetzt eben ihren höchſten Grad erreicht hatte. Da trat der Dov dazwiſchen und löſte den vielverſchlungenen Knoten. Herzog Albrecht erkrankte plötzlich; ein heftiges Fieber durchſchüttelte ſeinen Körper und ſchwarze Beulen zeigten ſich unter ſeinem Arme. Der ſchnell herbei gerufene Arzt ver⸗ ſchlimmerte das Uebel durch unzweckmäßige Mittel, von Stunde zu Stunde vermehrten ſich die Leiden des Kran⸗ ken, von denen ihn endlich ein Schlagfluß erlöſte.
Die Wiener beklagten Albrechts Tod, der ihn in ſeinem fünfundzwanzigſten Lebensjahre ereilte, unge⸗ mein. Liebte er auch Ritterſpiele und Gaſtgelage in einer Weiſe, die von der Stadt manches Opfer erheiſchte, ja, die ſie mit Schulden überlud, ſo war er doch ein eben ſo tapferer als freigebiger Mann und ſo freundlich gegen Jedermann, daß man ihn durch den Beinamen des Leutſeligen ehrte.
Zwar erhob des Kaiſers anderer Bruder, Sigis⸗ mund, der, ſo lange Albrecht gelebt, kaum ein Zeichen ſeines Daſeins gegeben, nach deſſen Ableben Anſprüche auf Oeſterreich und zwar forderte er das Land ob der Enns; aber die zu Linz verſammelten Landſtände er⸗ kannten nur den Kaiſer als ihren rechtmäßigen Herrn an und Sigismund mußte ſich mit dem begnügen, was ihm bisher zu Theil geworden, dem dritten Theile der Einkünfte von Oeſterreich.
Das Glück, das Kaiſer Friedrichſo lange und ſo hartnäckig den Rücken gekehrt, wendete ſich ihm wieder zu. Die Wiener dachten allen Ernſtes an eine Aus⸗ ſöhnung, ja es blieb ihnen nichts anderes übrig, als ſich der Gnade deſſen, den ſie ſo ſchwer beleidigt und gekränkt, anheimzugeben. Wenn ſchon viele ſeiner Räthe eine ernſte Züchtigung verlangten, ſo ſchenkte Friedrich den Wienern doch ein geneigtesg; er wußte ſut fpyen mittheilen, daß er nur an doertrauten wußte Hilfe.
,... ₰△ 2 A. Kaüſeri thun löblich ſei, njdemnye und d dr us
Die Wiener unterwarfen ſich dnke a dos, 58 1 und erhielten, nachdem ſie einen Fußfall gethanc⸗ zeihung, worouf ſie auf's Neue den Eid der Treue lein.
Und damit endlich mar die lang entbehrte he⸗ wieder hergeſtellt.
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