Heft 
(1861) 8 08
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die nächſten Straßen geſendet und die Glocke des Micha⸗ elisthurmes angeſchlagen, damit das Volkzur Hilfe herbei⸗ eile. Alles ſtürzte aus den Häuſern nach dem Markte, wo Holzer noch damit beſchäftigt war, den Reiſigen ihre Quartiere anzuweiſen. Als die Leute erfuhren, um was es ſich handle, kehrte die Mehrzahl nach ihren Wohnungen zurück und nur Einzelne ſchlugen den Weg nach der Hofburg ein. Seinen Mißgriff erkennend, ließ Ebensdorfnunmehr am Stubenthore eine Fahne aufpflanzen und Alle dahin berufen, denen der Fürſt und der Wohlſtand der Gemeine lieb ſei. Das bewirkte einen Umſchlag. Die Bürger ſahen, daß ſie Holzer getäuſcht hatte, ſie eilten nach dem Stubenthor und von dort wieder mit Drohungen und Verwünſchungen zu

Holzer.

Unter ſolchen Umſtänden ſah Holzer ſeinen Plan ſcheitern, er entſchuldigte ſein Verfahren nach beſten Kräften und betheuerte, die Reiſigen ſeien nur zum Schutze der Stadt und zur Erhaltung der Ordnung ge⸗ kommen und würden, ſobald man es verlange, die Stadt wieder verlaſſen. Das Gleiche erklärte Auguſtin Triſtam; auch er erbot ſich, wenn man ihm mißtraue, wieder davon zu ziehen.

Nur Wenige hörten, was die Beiden ſagten, und wer die Worte verſtanden, glaubte ihnen nicht. Das Getümmel wurde immer wilder, die Drohungen gegen die Reiter lauter und heftiger; man griff ſie ſogar an. Das war zu viel; nun griffen auch die Söldner zu den Waffen, um ſich ihrer Haut zu wehren. Aber die Ueber⸗ macht war zu groß, und da man ſogar von den Dächern mit Steinen nach ihnen zu werfen begann, zogen ſie ſich langſam nach dem Thore zurück. Es war verſchloſſen. Jetzt entſpann ſich ein neuer, erbitterterer Kampf, der drei Stunden andauerte und mit der Niederlage und Gefan⸗ gennehmung der Reiter endete.

Dem verrätheriſchen Bürgermeiſter galt der nächſte Sturm; allüberall begann man nach ihm zu ſuchen, nirgends war er zu finden; entweder hielt er ſich verſteckt oder er war der Wuth des Volkes bereits entronnen.

Wie hätte Albrecht, der ſich bereits für verloren hielt, nicht hocherfreut ſein ſollen über den unerwar⸗ teten Beiſtand der Bürger; er geſtattete ihnen gern, das Haus des Bürgermeiſters zu plündern, und eine Stunde ſpäter glich das Gebäude nur noch einer Ruine. Den Reiſigen bewilligte der Erzherzog auf Georg von Plottendorfs Fürbitte mit Ausnahme Triſtams freien Abzug.

Sülgetene,-

u gezwungen haben, zur Flucht gewendet als es noch Aufzeichnunggreichte er das Thor und bald hze: Bei ſeinem Freunde und

Seit wo, ung hatte ſich ibek auf Schloß Kahlenberg

lag dir Sen t gefochten zu finden. Welche Kränkung

iher n hinter ihm wieſen zu ſehen. Er mußte en Stao ndeten e Auf abgelegenen, einſamen

Idfußpfaden eilte erach Mödling, ließ ſich über die

nj ſetzen und begab ſich nach Schloß Weidenegg, das ihm der Erzherzog als Eigenthum verliehen. Doch auch hier konnte ſein Bleiben nicht ve Dauer ſein.

Emil Dietze: Die Hofburgbelagerung. 245

Es verlangte ihn zu erfahren, welche Wendung die Dinge in Wien genommen. In dem dürftigen Gewande eines Weinhackers und in Begleitung dreier Knechte ging er nach Nußdorf, um Nachrichten aus der Stadt zu ſammeln.

So unkenntlich er ſich gemacht zu haben glaubte: Nußdorf ſollte Ulrich Holzers Capua werden. Ein Metzger erkannte den flüchtigen Bürgermeiſter. Froh⸗ lockend theilte er ſeine Entdeckung den Bauern mit, und ehe Holzer noch eine Gefahr ahnte, ſah er ſich von den handfeſten Bewohnern des Dorfes umringt. Umſonſt war da jeder Widerſtand. Am dritten Tage nach ſeiner Flucht zog er gefeſſelt wieder in Wien ein.

Erzherzog Albrecht begrüßte ihn nicht eben mit ſanften Worten; Holzer verlor indeß dabei ſeine Faſſung nicht, er antwortete dem Fürſten trotzig, daß er ſich keiner andern Uebelthat ſchuldig gemacht, als der, an welcher Albrecht Mitwiſſer ſei. Die Härte, mit welcher bis dahin der Fürſt gegen alle ſeine Gegner verfahren, ſollte Ulrich Holzer nun auch an ſich kennen lernen; der trotzige Ton ſeiner Antworten mußte ſein Los nur verſchlimmern. Wirklich ſchritt man auch ſogleich zur Folter, ohne indeß ein Bekenntniß zu erlangen. Was der Gepeinigte ſagte, wußte man bereits oder er konnte und wollte es nicht läugnen. Namen von Theilnehmern brachte auch der größte Schmerz nicht über ſeine Lippen. Aichtsdeſtoweniger verſtrickte man dreizehn Bürger: Oswald Reichwolf, Sebaſtian Zieglhauſer, Johannes Burghauſen, Chriſtian Prenner, Nikolaus Ernſt, Thomas Tenk, Chriſtian Wieſinger,AndreasSchönbruckner, Johannes Odenacker, Egydius Knab, Lorenz Schwarz, Wolfgang Holobrunner, Georg Hallech, den Angersfelder und den Mannersdorfer, und Andere. Es würden noch mehr verhaftet worden ſein,

hätten ſie nicht, das Kommende ahnend, ſich durch die

Flucht gerettet.

Das Oſterfeſt kam heran. Unter der Bürgerſchaft herrſchte eine dumpfe Schwüle; hatte man ſich auch bereits daran gewöhnt, ihre angeſehenſten Mitglieder gefänglich eingezogen und dann des Landes verwieſen zu ſehen, Blut war noch nicht gefloſſen; jetzt war es kaum zweifelhaft, daß das Vergehen des Hochverraths durch Menſchenleben geſühnt werden ſolle. Und das Volk hatte ſich nicht getäuſcht. Am Freitage nach Oſtern wurden AuguſtinTriſtam, Ulrich Holzer, Reich⸗ wolf, Zieglhauſer, Burghauſen, Odenacker und Holobrunner aus ihren Kerkern geführt. Es galt ihren letzten Gang. Es war eine traurige Prozeſſion, welche die ſieben Wagen, auf denen die Verurtheilten ſaßen, nach dem Hohen Markte begleitete. Hier floß das erſte Blut Au guſtin Triſtams Kopf fiel.

eines andern Schauplatzes und dazu war der Hofmarkt erwählt worden. Sie ſollten einen härteren Tod er⸗ leiden, das zeigten die mannigfachen Mordinſtrumente, welche den Gefeſſelten nachgeführt wurden./ Wer möchte es verſuchen die Mordſcene, die n

Noch blieben die Andern verſchont; für ſie bedurfte es

ihren Anfang nahm, in ihrer ganzen Gräßlichkeit⸗ ſchildern? Reichwolf betrat 5 das Blutg⸗

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