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244 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
und ihnen eilte er entgegen. Was ſollte es aber bedeu⸗ ten, daß er auch ſie in ein abgelegenes Gemach führte und hinter ihnen die Thür verſchloß?
Jetzt ſchien der Zeitpunkt der Mittheilung gekom⸗ men. In einem langen Vortrage berichtete er ſein Vor⸗ haben. Indem er ihnen ſeine Bemühungen für das Wohl der Stadt in das Gedächtniß rief, wie er nie angeſtanden habe, ihm ſein Hab und Gut zu opfern, verſicherte er hoch und theuer, daß nur die Sorge um das Heil und Wohl der Bürgerſchaft ihn jetzt ange⸗ trieben habe, den gegenwärtigen Handel vorzunehmen. Verſchwiegenheit fordere er nicht, er ſei überzeugt, daß Jeder über das, was er geſagt, ein unverbrüchliches Schweigen bewahren werde. Die, denen er mißtraue, ſeien geſondert geblieben. Dann fuhr er fort, er kenne Albrechts Pläne, der mit den Seinen beſchloſſen habe, Kriegsleute in die Stadt einzuführen, damit ſie ihn durch die Gewalt der Waffen bei den Willkürmaß⸗ regeln ſeiner Regierung unterſtützen ſollten, er wiſſe, daß der Erzherzog beabſichtige, die Freiheiten der Bür⸗ ger aufzuheben und mit ihnen nach Belieben zu ſchalten und zu walten. Bedürfe es da der Gabe der Voraus⸗ ſehung, wo die Vergangenheit und die Gegenwart ſo laut für ſeine Behauptungen ſprächen? Sei es nöthig, an überſtandene Leiden zu erinnern? Müſſe ſich nicht Jeder ſagen, was Alles ihm noch bevorſtehe? Habe man nicht Geld verwilligt, damit Albrecht die Räuber fort⸗ treibe? Und was ſei geſchehen? Nichts. Das ſchöne Geld ſei in allerlei Schwelgerei aufgegangen; die Räuber beunruhigten noch immer die Gegend, ja ſie ſeien in der letzten Zeit zahlreicher und frecher geworden. Man müſſe nun mit gleicher Münze zahlen und ihm die Wehr verbieten, ohne die ſeine aus der Scheide zu ziehen. Schon hätten vierhundert deutſche berittene Knechte zu ihrem Beiſtand in der Nähe ihr Lager auf⸗ geſchlagen; ihnen dürfe man trauen; ſie wären bereit, ihnen ein paar Monate ohne Sold zu dienen, und wie er zuverſichtlich hoffe, wohl im Stande, den Fürſten im Zaume zu halten, wenn es nicht gar gelinge, Frieden zwiſchen den beiden Brüdern zu ſtiften. Sollte indeß keine von allen dieſen Hoffnungen in Erfüllung gehen, ſollte Erzherzog Albrecht in ſeinem Vorſatze verharren und geſunden Rath nicht annehmen, nun ſo wollten ſie mit Hilfe der Reiſigen das Joch von ſich werfen und ſich wieder unter des Kaiſers Schutz begeben, der wenigſtens ſtandhafter(!) und beſcheidener ſei.„Wenden wir uns ihm zu,“ ſchloß Ulrich Ho lzer ſeine lange Rede,„und wir dürfen uns überzeugt halten, daß der Kaiſer uns verzeihen und uns ein gnädiger Herr ſein wird. Iſt aber Friedrich mit uns, werden der Papſt und die Fürſten nicht länger wider uns ſein.“
Ein allgemeines, kaum endenwollendes Beifalls⸗ geſchrei bewies dem Bürgermeiſter, wie richtig er ge⸗ rechnet. Und doch, kaum hatte ſich der Tumult gemil⸗ dert, als auch Stimmen laut wurden, die zu Gunſten Albrechts das Wort nahmen und wenigſtens forderten, daß die Sache zuvor der Gemeine mitgetheilt und auch Albrechts Bewilligung— wenn auch unter einem
geholt werden ſolle. Widerſpruch würde jetzt geradezu verderblich geweſen ſein, Holzer ſah dies wohl ein; deßhalb fügte er ſich auch den Umſtänden, verſprach den Vorſchlag in Betracht zu ziehen, und nachdem ſich Jeder feierlichſt zur Verſchwiegenheii verpflichtet, trennte ſich die Verſammlung, welcher der junge Morgen auf ihrem Heimwege leuchtete.
Mittlerweile hatten ſich die Reiſigen, vom Propſt dazu aufgefordert, der Stadt genähert und am Char⸗ ſamſtag, dem Tage nach der Verſammlung in Holzers Hauſe, ritt ihnen der Prälat mit einem Haufen der Seinigen entgegen und führte ſie mit entblößtem Schwerte nach dem Platze, der Hof genannt. Wie ſich wohl denken ließ, erregte der Aufzug nicht blos die Neugier, ſondern auch die Beſorgniſſe der Einwohner⸗ ſchaft, die von dem Vorausgegangenen nichts wußte. Drohend griff das Volk zu den Waffen und fragte, woher und weßhalb ſie kämen. Holzer und Ode⸗ nacker waren ſchnell zur Hand; ſie beſchwichtigten das Volk durch die Verſicherung, daß keine Gefahr vorhanden ſei, und dieſes, das noch ein unbegrenztes Vertrauen in ſeinen Bürgermeiſter ſetzte, begann ſich zu zerſtreuen.
Nicht minder überraſcht als das Volk war der Erzherzog. Wohl waren ihm vor Kurzem von Holzer und Odenacker die Grafenegger Kriegsleute angeboten worden, allein noch hatte er entſcheidende Antwort darüber nicht gegeben. Und daß ſie die Stadt betraten, ehe er davon Nachricht erhalten, war zu auffallend, um nicht Mißtrauen in ihm zu erregen. Er ließ Holzer darum befragen.„Erzherzog Albrecht ſolle darum keine Sorge haben,“ antwortete der Bürgermeiſter,„die Kriegsknechte ſeien auf ſeine Veranlaſſung und zu des Erzherzogs Schutze gekommen.“ Da auch ſeine Hofdiener die beruhigende Botſchaft beſtätigten, ſchwand ſein Arg⸗ wohn und von Neuem überließ er ſich ſeiner alten Sorg⸗ loſigkeit. Holzer aber trieb das Stadtvolk in ſeine Wohnungen und wies den Reitern ihre Herbergen an.
Liebhard, der Münzmeiſter, und Jakob Stark trauten gleichwohl Ulrich Holzers Verſicherung nicht, um ſo weniger, als ſie davon ſprechen hörten, daß der Schultheiß und noch drei Rathsherren von ihm gefangen gehalten würden und bei ſorgfältigerer Nachforſchung das Gerücht beſtätigt fanden. Ohne Verzug eilten ſie nach der Hofburg, theilten Albrecht die ſeltſame Neuigkeit mit und machten ihn auf die drohende Gefahr aufmerkſam.
So muthig Albrecht ſonſt einer Gefahr in's Auge blickte, jetzt erſchrak er doch; er wußte für ſich keinen Rath und keiner ſeiner Vertrauten wußte Hilfe. Seine Verlegenheit wuchs bei dem Gedanken, daß er kaum für einen Tag Lebensmittel in der Burg habe und dieſe ſelbſt eines Widerſtandes unfähig war; denn noch zeigten ſich die Mauern in ihrem zerſchoſſenen Zuſtande und nur hin und wieder waren die Schäden leicht mit Bohlen und Holzwerk überkleidet. Nichts⸗ deſtoweniger entſchloß er ſich, ſich bis auffs Aeußerſte zu vertheidigen und lieber umzukommen alsdſich zu ergeben. Schleuniges Handeln that noth. Auf den Rath
andern Vorwande— zum Einziehen der Truppen ein⸗
Remprechts von Ebersdorf wulden Ausrufer in
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