Heft 
(1861) 8 08
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Die Hofburgbelagerung. Ein dunkles Blatt aus Wiens Vorzeit. Von Emil Dietze.

(Schluß.)

D.... ( ſ ür Wien begann nunmehr eine gar ſchlimme Zeit. 3 5 Während noch der Kaiſer ſich in Enzers⸗

e dorf dem Vergnügen der Jagd überließ, eilte

( Erzherzog Albrecht ungeſäumt nach Wien

zurück zog in die Burg ein und ließ die Bürger ſich den Eid der Treue ſchwören.

Von dem Vertrage wurde wenig, um nicht zu ſagen, nichts gehalten. Friedrich trat Albrecht die namhaft gemachten Plätze nicht ab und Albrecht dachte eben ſo wenig, irgend einen Theil ſeiner Zuſagen zu erfüllen. Um ſich indeß beliebt zu machen, berief er einen Landtag zuſammen, auf welchem über das Un⸗ weſen der Räuber und die Erhaltung der Eintracht verhandelt werden ſollte. Der Kaiſer hörte kaum davon, als er auch den Landſtänden bei hoher Strafe unter⸗ ſagen ließ, der Aufforderung Folge zu leiſten. Kein Wunder alſo, daß auch nur die erſchienen, die Albrechts Freunde und Anhänger waren. Und ſie erwieſen ſich auch als ſolche, denn ſie verwilligten ihm, um ſowohl der Regierung mit Würde vorſtehen, als auch die Räu⸗ ber und ſonſtige Feinde bekriegen zu können, aus den Einkünften der Weingärten eine Summe, die wohl dazu ausreichte.

Kaiſer Friedrich konnte dabei nicht gleichgiltig bleiben; er beſchwerte ſich bitter gegen die Fürſten des Reichs über des Bruders Anmaßung und Herrſchgier, und forderte ſie auf, ihm zur Erhaltung ſeiner kaiſer⸗ lichen Würde beizuſtehen. Während er ſo nach außen thätig war, blieb er auch daheim nicht müßig. Andreas Baumkircher bemächtigte ſich Korneuburgs, beſetzte das Schloß und beunruhigte von hier aus die umliegen⸗ den Orte, welche Albrecht verpflichtet waren, und andere kaiſerliche Hauptleute thaten das Gleiche.

Albrecht erzürnte ſich darüber auf's heftigſte, er verſtärkte ſein Heer durch ſeine Bundesgenoſſen und durch ſeine Völker in Oberöſterreich und am Rhein. So rüſtete man ſich beiderſeits zum Kampfe.

Indeß hegte der Erzherzog doch gegen die Treue der Wiener einiges Mißtrauen; er war überzeugt, daß es unter ihnen noch viele Anhänger des Kaiſers gab, und er bediente ſich einer Liſt, die, welche er als ſolche kannte, unſchädlich zu machen. Mit einem in hebräiſcher Sprache und Schrift geſchriebenen Briefe, den angeblich der Schultheiß von Berchtelsdorf, Johan nes, einem Juden abgenommen haben ſollte, begab er ſich zu Ende des Januar in den Sitzungsſaal des Rathes auf dem Stadthauſe, zeigte den Brief vor und klagte Simon Poel, Niklas deßler, Oswald Reichwolf, Georg Angerfelder, Stephan Kießlina, Thomas Tenk, Chriſtian Prenner und Jo⸗ hann Odenacker nebſt noch mehreren Anderen an, einen Anſchlag gemacht zu haben, demzufolge ſie die

Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Stadt an mehreren Orten zugleich anzuzünden gedachten, um während der hierbei entſtehenden Verwirrung den Erzherzog zu ermorden, oder wenn dies mißlingen ſollte, ihn mit Gift umzubringen.

Die Anſchuldigung wurde zwar durch keinen Be⸗ weis unterſtützt, aber die vermeintlichen Uebelthäter wurden in Verwahrſam genommen, peinlich d. h. unter Martern verhört und verurtheilt, mit Zurück⸗ laſſung ihrer Habe und ihres Vermögens, welches Al⸗ brecht an ſich zog, ſich aus dem Lande aufs ſchnellſte zu entfernen, und die Armen mußten froh ſein, mit dem Leben davon zu kommen.

Die alſo Vertriebenen wendeten ſich nach Regens⸗ burg und brachten es im Verein mit dem Kaiſer dahin, daß die dort verſammelten Fürſten und Stände des Reichs über Albrecht die Acht ausſprachen und ihn aller ſeiner Ehren und Würden und Beſitzungen inner⸗ halb und außerhalb Oeſterreich entſetzten. Das war für Albrecht ein harter Schlag; er wendete ſich an den Papſt, um ihn unwirkſam zu machen, dieſer jedoch, der dem Mißverhältniß der beiden Brüder ſchon lange mit Unwillen zugeſehen hatte, und auf den Friedrich einen nicht unweſentlichen Einfluß üben mochte, wies ihn mit ſeinem Anſuchen nicht allein ab, er verhängte auch den Kirchenbann über ihn.

Statt ſeine Situation zu verbeſſern, hatte er ſie verſchlimmert. Was nun geſchehen ſolle, darüber ging er mit den Landherren, den Wiener Rathsherren und den Lehrern der Hofſchule zu Rathe und ſie vereinigten ſich dahin, daß der Erzherzog noch einmal an den Papſt appelliren müſſe. Er that es, indem er ſeine Gerechtig⸗ keit und Billigkeit anrief, ſich gegen die erhobenen An⸗ klagen rechtfertigte und über Unterdrückung von Seiten ſeines mißgünſtigen Bruders klagte. Aber weder vom Papſte, noch von den Ständen des Reichs wurde etwas geändert.

Während dieſe Zwiſtigkeiten in vollem Gange waren, erhielten die Räubereien einen neuen Aufſchwung. Die entlaſſenen Krieger der beiden Brüder vereinigten ſich bei Mödling unter Wenzel von Wettow als

Oberſten, kündigten Albrecht den Krieg an, nahmen

vierhundert Winzer gefangen, ſperrten ſie in einen Weinkeller und preßten ihnen durch allerhand Martern ſo viel Geld ab, als ſie erlangen konnten. Nachdem ſie obendrein das Städtchen ausgeplündert hatten, bemäch⸗ tigten ſie ſich des Kloſters Herzogburg und der umliegen⸗ den Dörfer, befeſtigten Mödling durch Zäune und Boll⸗ werke und verheerten von da aus den ganzen Gau. Kein Bauer war mehr ſeiner Habe und ſeines Le⸗ bens ſicher.

Wiewohl von allem dieſen Unweſen, das ſich bis unter die Mauern der Stadt ausbreitete, täglich neue, traurigere Botſchaften in Wien einliefen, ſo erhob ſich doch kein Arm, die Frevler zu züchtigen. Um ſich zu betäuben, führte Albrecht ein Leben voller Aus⸗ ſchweifungen und Genüſſe. Ritterſpiele und Gelage wechſelten mit einander ab, und doch bei allem Anſchein von Sorgloſigkeit beargwöhnte er die Treue der Bürger; beſonderes Mißtrauen hegte er gegen den unruhigen