Heft 
(1861) 8 08
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Aus der Neuen Welt.

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ſie 50 Pfd. in Liverpool gekoſtet habe, daß für 12 Pfd. Gold daran ſei ꝛc., bis Jemand 13 Dollars bietet, dem ſie auch ſogleich zugeſchlagen wird, um mit einer ſchwe⸗ ren Kette(natürlich auch von echtem Gold) das gleiche Spiel von vorne anzufangen. Im anſtoßenden Lokale werden ebenfalls von deutſchen Juden Hüte, Jacken, Ho⸗ ſen, Hemden ꝛc. verſteigert. Die gerade von den Minen angekommenen, meiſt ſehr abgeriſſenen Goldgräber equi⸗ piren ſich hier für den Abend(denn viel länger hält das Gekaufte gewöhnlich nicht), ziehen ſich im Hintergrunde des Lokales an, wobei ein geſchäftiger Judenjunge ihnen hilfreiche Hand leiſtet, und werfen ihr altes Zeug, Stie⸗ fel, Hüte ꝛc., auf die Straße, die permanent damit ge⸗ pflaſtert zu ſein ſcheint. Das kleine Spielhaus an der Ecke der Montgomery⸗Street reizt unſere Neugier. Die Melodie:Oh Susannah! don't you cry for me(O Suſanna, jammere nicht um mich) ſchallt uns mit der unvermeidlichen Begleitung der Auktionatorſchelle und dem Rufe des Kandiskrämers entgegen. Das Lokal iſt klein und gedrängt, die Wände ſind mit Darſtellungen aus der griechiſchen Mythologie überladen, die Schenke mit den gehörigen flüſſigen Stoffen verſehen, während die äthiopiſchen Minneſänger aus ihrem erhabenen Käfig den gräulichſten Lärm erſchallen laſſen. Ein Faro⸗, ein Monte⸗ und ein Roulette⸗Tiſch, an die man ſich mühſam hinandrängt, ſind mit Haufen Dollars, Unzen und Gold⸗ ſachen bedeckt; lederne Beutel mit Goldſtaub zeigen, daß eben erſt ein Goldgräber geplündert worden. Aber der Lärm iſt zu groß, das Gedränge für Jedermann, die Taſchendiebe ausgenommen, unbehaglich; wir gehen daher weiter.

Ann den Ecken gegenüber ſtehen düſter und verlaſſen denn die Geſchäftszeit iſt längſt vorüber die Komptoire der Banquiers James King of William und B. Davidſon, Agent für Rothſchild. Letzteres iſt von be⸗ ſonders unfreundlichem Anſehen, weil es nach dem Modell babyloniſcher oder egyptiſcher Katakomben gebaut zu ſein ſcheint. Zwiſchen dieſen liegt die Kommercial⸗Street, am Abend die belebteſte Straße der Stadt. Vergebens winkt

uns die ſchön geweſene Mrs. Whitney, der European

S. Kmit der Lanften Wirthin, der Italian Saloon, den

eine Italienerin mit ſieben Töchtern hält, und das Café des Artiſtes, in dem zwei deutſche Frauen die Honneurs

machen. Wir gehen zurPolka, dem einzigen renom⸗

mirten Spielhauſe in der Straße; es wird von einem Franzoſen gehalten. Drei Franzöſinnen ſtehen Woſel⸗ weiſe der Schenke vor, daher auch die Gäſte und Spieler meiſt dieſer Nation angehören; Faro, Reno, Monte, Roulette, Lotto, Trente et un ꝛc., jedes Spiel hat ſeine Bankhalter und Spieler. Man hört vom nächſten Tiſche: Jeu est fait! Game is made Gentlemen! All dwon,

no more! Dix, vingt, vingt huit, trente deux! Red

loses! Gentlemen make your game! Faites votre jeu Messieurs! Am Farotiſche werden Marken von 1 Dollar, 5 Dollar und 10 Dollar geſetzt, und ſtillſchweigend ge⸗ wonnen und verloren. Lauter geht's beim Lansquenet

(andsknecht) zu, da immer der Stand des Spiels aus⸗ gerufen wird: Quatre piastres à faire, four Dollars to

make! Die Nichtſpielenden ſtehen in Gruppen und unter⸗

halten ſich franzöſiſch, wobei Geſtikulationen und lebhaf⸗ tes Mienenſpiel nie fehlen; wenige engliſch, andere deutſch oder ſpaniſch. Dazu ſpielt ein ältlicher Mann die Violine und akkompagnirt ſie mit den fürchterlichſten Grimaſſen; während er auf die Noten ſieht, zieht er die Augenbrauen bis an ſeine kurz abgeſchnittenen Haare in die Höhe, ſo daß er die größte Aehnlichkeit mit einem gereizten Affen hat. Ein ſehr ernſt ausſehender Mann begleitet ihn auto⸗ matenmäßig auf dem Klavier. Beim Hinausgehen ſehen wir an der Schenke einen franzöſiſchen Matroſen, der den Arm in einer Binde trägt, und erfahren von ihm, daß er am Abend zuvor der unglückliche Zuſchauer eines Streites in dieſem Lokale war, wobei eine Piſtolenkugel in ſeinen Arm ſich verirrte. In dieſem Augenblicke entſteht Lärm beim Rouge et Noir, Flüche werden auf Engliſch und Franzöſiſch gewechſelt, die Revolvers knallen..... wäh⸗ rend der Tiſch mit Geld und Karten umgeworfen wird, und eine Menge Leute nach der Thür flüchten, erhält unſer Matroſe einen Schuß in den Oberſchenkel.Trop de malheur! ruft er aus. Wir überzeugen uns indeß, daß die Verletzung keine Gefahr hat, gratuliren ihm zu dem bonheur allemand, und verlaſſen die enge Hölle, um uns auf Portsmouth Square(auch ſchlechthin the Plaza- genannt, weil er der belebteſte Platz der Stadt iſt) ein weiteres Feld für Beobachtungen zu ſuchen.

In dem großen Saale derKalifornia⸗Börſe iſt es leer; Union⸗Hötel hat nur politiſirende Trinker; dasJenny Lind⸗CTheater iſt voll von applaudirenden Zuſchauern(denn der Amerikaner applaudirt Alles); wir gehen daher zumEldorado, dem größten, beſuch⸗ teſten und älteſten Spiellokale in der Stadt. Vor zwei Jahren war es noch ein leinenes Zelt; als hölzernes Haus brannte es dreimal ab, jetzt iſt es ein ſtattliches, vierſtöckiges, maſſives Gebäude. In dem untern Saale finden wir amerikaniſche und mexikaniſche Bankhalter, ſowie Spieler aller Nationen. Mexikaner, Chilener, Peruaner(hier im AllgemeinenSpanier genannt) bilden die Mehrzahl; auch ſind die anweſenden Frauen⸗ zimmer, bis auf eine Franzöſin, welche ein Würfelſpiel hält, ſämmtlich aus dieſen Republiken. Unſere ſpaniſchen Republikaner ſpielen nur Monte. Sie ſetzen ihr Geld, ohne hinzuſehen, und verlieren oder gewinnen, ohne eine Miene zu verziehen, ohne ihre Papier⸗Cigarren ausgehen zu laſſen, während ſie, unbekümmert um die Hitze, behaglich in ihre Serappe gehüllt bleiben. Unter den Frauen ſieht man ſelten ein hübſches Geſicht. Ihre Hautfarbe iſt ſo dunkel wie die der Männer, ihre india⸗ niſche Abkunft iſt nicht zu verkennen. Dieſe rauchen mit einem Anſtande, um den ſie die emancipirten Bloomers beneiden würden, wenn ſie nicht die üble Gewohnheit hätten, unaufhörlich höchſt vulgär dabei auszuſpeien. Ihre Tracht iſt gewöhnlich ſehr einfach: ein dunkel. farbenes Kleid, ein blau und weiß gemuſterter Shawl (Rebozo), der über den Kopf geſchlagen iſt, und ſeidene weit ausgeſchnittene Schuhe über unbeſtrumpften nied⸗ lichen Füßen. Die Chilenas haben unter Allen die beſte Hautfarbe, auch zeichnen ſie ſich durch ihr langes ſchwarzes Haar aus, welches ſie ſtets einfach ſcheiteln und in zwei langen Flechten über den R ab-