Durch das Getümmel drängt und ſchiebt ſich der Neuling, dem es vorerſt hauptſächlich darum zu thun iſt, ein Obdach zu finden, um ſeine ſieben Sachen, deren er, wie faſt alle hier Einwandernden, dreimal ſo viel bei ſich hat, als nöthig ſind, in Sicherheit zu bringen und dann den innern Menſchen zu pflegen. Er hält vor einem un⸗ anſehnlichen Bretterhauſe, woran mit großen Buchſtaben „Board and Lodging“ ſteht. Im Nu liegen ſeine Sachen auf der Straße, der Karrenführer ſagt kurz: „Dollar and a half'(anderthalb Dollar), nimmt ſein Geld und fährt, unbekümmert um das Leben oder die Gliedmaßen ſeiner Nebenmenſchen, in das dichte Getüm⸗ mel. Der Wirth iſt mit einigen Gäſten beim Euere(Kar⸗ tenſpiel) beſchäftigt, kann ſich daher um den Gaſt nicht be⸗ kümmern, was er ohnehin auch nicht eher thut, als bis der Gaſt ſich ihm gehörig vorgeſtellt hat. Der erſte Kellner (Barkeeper) ſteht hinter der Schenke und betrachtet lächelnd den neuen Ankömmling, dem er gleich anſieht, daß er ein Greenhorn(unerfahrener Neuling) iſt, und auf den er, ohne ihm übrigens im Mindeſten zu helfen, mitleidig herabſieht, denn er iſt ſchon drei Monate im Lande, folglich ein alter Kalifornier. Auf eine Frage beim Kellner, weiſt dieſer nach einem Winkel, wohin der Fremd⸗ ling ſeine Koffer, Betten, Waffen und Werkzeuge ſchleppt und dann bei einem Glaſe Gin-Cocktail(ein Getränk von Genever, bittern Tropfen ꝛc.) ein Geſpräch mit dem Kellner anknüpft. Unſer Reiſender erfährt, daß in dieſem Hauſe ſchon gegeſſen ſei, aber in der Nähe bei einem Re⸗
inſtrumenten einige weittönende deutſche Stücke vorträgt; mehr als 300 Schritte entfernt, an der Ecke der Long Wharf, läuft ein Mann beſtändig auf jede neue Gruppe der Vorübergehenden zu und ruft dabei mit einer Sten⸗ torſtimme, die Alles übertönt, daß, wer den einzigen an⸗ ſtändigen Ort für wahres Vergnügen in San Francisko beſuchen will, nur nach dem American gehen darf, wo er für 2 Dollar im Parterre, für 4 Dollar in der Loge, aber auch für 1 Dollar auf der Galerie(an letzterm Platze aber zwiſchen Gentlemen of colour, d. h. Neger und Baſtarde mit afrikaniſchem Blut, als: Mulatten, Quarteronen zc.) einen Sitz bekommen könne. Dabei zeigt er auf die von fern her leuchtenden Pechpfannen, die auf dem erwähnten Gerüſte angezündet ſind. Wir gehen Long Wharf weiter hinunter, da läßt ſich plötzlich ein ganz neues Getöſe von barbariſcher Art dicht neben uns hören: es iſt ein Speiſewirth, der anzeigt, daß ſein Abendeſſen fertig iſt, und deßhalb auf einer chineſiſchen Gong derge⸗ ſtalt trommelt, daß es nicht allein alle Leute in der Stadt, ſondern allenfalls noch die, welche eine Meile darüber hinaus wohnen, hören können. Straßenbeleuchtung gibt es freilich nicht, aber die hellerleuchteten, weit aufge⸗ ſperrten Reſtaurationen, Läden, Schenken und Spielhäuſer verbreiten hinreichende Helle, um ſowohl die Gegenſtände auf der Straße, als die Vorſäle in den öffentlichen Lokalen genau zu ſehen. Auf dem mit knarrenden Brettern be⸗ legten Trottoir werden wir auf einmal mitten im Wogen der Spaziergänger von einem Menſchen angehalten,
m ſtaurant zu jeder Zeit nach der Karte geſpeiſt werden Wortknne. und Unas Nachdem er die Verſicherung erhalten, daß ſein Ge⸗ Nach'ngetsſtet bleiben und er zur Nacht ein Bett haben mehr tam⸗ ggibt er ſich nach dem bezeichneten Reſtaurant, Made ſich Suppe, Fleiſch, Kartoffeln, Pudding und eine Un⸗ Taſſe Kaffee geben, ißt wie alle Uebrigen ſtillſchweigend w und ſo ſchnell, als ob es eine Wette gälte, bezahlt jedes
deſſen Dialekt ihn als einen Irländer zu erkennen gibt. Dabei zeigt ſein geröthetes Antlitz und ſeine ſchwankende Haltung, daß er mehr als half seas over(angetrunken).⸗ iſt. Er ſagt, indem er höflich an die Stirn greift, wo Hut oder Mütze geſeſſen haben würde, wenn dieſe ihm nicht ſchon im Gedränge abgeſtoßen wäre:„Meine Herren, ich ſehe Ihnen an, daß Sie hier etablirte wohlhabende Leute ſind, ich ſuche—(hierauf fällt er auf den ihm von der
mit 25 Cents(jetzt kann man zu 12 ½ Cents die Portion ſpeiſen) und geht wieder fort. Auf der Straße begegnet ihm ein Bekannter. Mit ihm erklimmt er den Telegraphen⸗ berg, überſchaut das herrliche Panorama der Bai mit ihren Schiffen, Inſeln, Bergen und der Stadt in Abend⸗ beleuchtung. Indem unten die erſten Lichter ſchimmern, ſteigt er hinab, um San Francisko„bei Lichte“ zu be⸗ ſehen. Wir wollen ihn begleiten.
Die Fuhrwerke aller Art, vom leichten Buggy und Kabriolet bis zum altkaliforniſchen Ochſenkarren, ſind aus den Straßen verſchwunden, aber das Treiben iſt noch ebenſo lebhaft, wie am Tage, denn jetzt erſt kommen die meiſten Leute, die nicht der arbeitenden Klaſſe angehören und den Tag über in ihrem Komptoir oder Bureau be⸗ ſchäftigt waren, von ihrem ſpäten Mittagstiſch, um ſich zu ihren Abenderholungen zu begeben. Andere fangen jetzt erſt ihren Tag an: Spieler, Glücksritter und Loafer, an denen San Francisko, wie alle nordamerikaniſchen See⸗ ſtädte, Ueberfluß hat. Dies iſt die Zeit der ohrenzer⸗ reißendſten Muſik, an die man ſich erſt gewöhnen muß. Vor dem neuen Schauſpielhauſe(American Theatre) in Sanſome⸗Street bemerkt man ein Gerüſt, wie vor unſern Gauklerbuden, auf dem ein Muſikkorps mit Blech⸗
Natur angewieſenen Schwerpunkt und redet in dieſer niedrigen Stellung fort)— eine Anſtellung als⸗Be⸗ dienter, Reitknecht oder ſonſt etwas. Ich bin ein Irländer, geboren und erzogen, ausgebildet in Sydney, New⸗ South⸗Wales“ ꝛc. Wir überlaſſen der inzwiſchen ſtehen gebliebenen Menge, das Selbſtlob des benebelten Hiber⸗ niers zu Ende zu hören, und treten in ein Auktionslokal, wo Abends, und zwar nur bei Lichte, goldene Uhren und Schmuckſachen, alles garantirt echt, dem Meiſtbietenden verkauft werden. Der Auktionär iſt ein deutſcher Jude, deren es in allen Städten des Landes eine Menge gibt und die faſt alle kein Deutſch mehr ſprechen. Er hält eine gewöhnliche vergoldete ſchweizer Chlinderuhr in die Höhe und ſchreit, daß er feuerroth im Geſichte wird, mit ſchlechtem Accent, aber ungeheurer Geläufigkeit:„twelve, twelve, twelve Dollars for this new english patent lever watch, diamand holes twelve, twelve,“ ſo daß es wirklich bewunderungswürdig iſt, wie noch ein Käufer ein Gebot bemerkbar, geſchweige denn hörbar machen kann. Jedem Neugierigen, an deſſen Kleidung oder u⸗
er zu bemerken glaubt, daß er ein Ankömmli, als von
Minen iſt, hält er von dem hohen Tiſchancipien, Vor⸗
unter die Naſe, rühmt das ſchön—


