Heft 
(1861) 7 07
Seite
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ſKen eine große Fontanelle an diejenige Stelle der

218 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

mild ſein müſſen. In letzterer Hinſicht empfehlen ſich be⸗ ſonders die Milchkuren, und zwar der Genuß der friſch gemolkenen warmen Kuhmilch, auch der Ziegen⸗ und Eſelinmilch; ferner der Gebrauch der Obſtkuren(mit Erd⸗ beeren, Weintrauben, Gurkenſaft ꝛc.) und der mehlig⸗ ſchleimigen Nahrungsmittel aus dem Pflanzenreiche. Zu den letzteren gebraucht man Salep, Carrhageen, islän⸗ diſches Moos, Roggenmehlſuppen und andere zuckerige oder eiweißhaltige Gemüſe, jedoch in leichtverdaulichen Formen. In der Regel aber, beſonders wo ſtärkeres Fie⸗ ber fehlt und die Blutarmuth offenbar iſt, paſſen die kräftigeren, reizenden, thieriſchen Speiſen, namentlich rohe Eier(Eidotter und Eiweiß, am Beſten unmittelbar aus der Schale geſchlürft), oder weich gekochte Eier und Spiegeleier; ferner gute Fleiſchbrühen und Gallerten von Kalbsfüßen, Schildkröten, Schnecken und dergleichen mehr; übrigens aber gute Fleiſchkoſt überhaupt, beſon⸗ ders gebratenes, oder auch rohes, geſchabtes oder ge⸗ wiegtes Fleiſch, weicher roher Schinken, Auſtern oder Kaviar. Fette Speiſen werden überhaupt, ſofern ſie nicht den Magen verderben, zu empfehlen ſein.

Als Getränk ſind Milch und Chaudeau, ferner kleine Mengen eines ſüßen Weines und gutes malzreiches Bier ſehr gern zu geſtatten. Exeeſſe aller Art in Eſſen, Trinken, Nachtſchwärmen u. ſ. w. ſind möglichſt zu mei⸗ den. Ruhe des Gemüths iſt zur Friſtung ſolcher Kranken weſentlich erforderlich.

Von den eigentlichen arzneilichen Mitteln leiſten in den erſten Stadien neben der ſchon angeführten Diät das Trinken des mit warmer Milch vermiſchten Selters⸗ waſſers und das Einathmen des Theerdampfes den we⸗ ſentlichſten Nutzen. Auch auf die Erleichterung des Aus⸗ wurfs muß, ſofern dieſer ſich ſchwierig löſt und dem Kran⸗ ken Beſchwerden macht, ernſtlich eingewirkt werden; er⸗ ſtens, weil dadurch die Reinigung und Heilung des Lun⸗ gengeſchwüres befördert, und zweitens, weil das Fieber vermindert und die allzugroße Schwächung des Leidenden verhütet wird. Mamyedient ſich zu dieſem Zwecke gewöhn⸗ lich einer Abkochung von Salep, der man eine geringe Quantität mineraliſchen Kermes oder Goldſchwefel zuſetzt, gewöhnlich auf ſechsazen Flüſſigkeit etwa eine Drachme.

Die übermäßige Zunahme der ſo erſchöpfenden Morgenſchweiße bekägpft man am Beſten durch leichte Bedeckung, frühzeitiges Aufſtehen und den Genuß der engliſchen Schwefelſäure in Limonadenform; die ſchwä⸗

chenden Diarrhöen aber durch Klyſtiere von Ratanhia⸗ Abkochung oder Kalkwaſſer, oder Opium mit Milch. Die Anwendung künſtlicher Geſchwüre iſt bei der Lungenſchwindſucht oftmals von ganz außerordentlicher Wirkung, beſonders im Anfange und bei denjenigen Fäl⸗ len, wo das Uebel dadurch entſtanden iſt, daß ſich ein anderer unterdrückter Krankheitsſtoff auf die Lunge ge⸗ worfen hat. Hier kann ein künſtlich angelegtes Geſchwür in der That eine Verſetzung der Eiterung von innen nach außen bewirken. Man hat Beiſpiele, daß Lungenſüchtige zufällig große Verbrennungsverletzungen erhielten und während der langwierigen Eiterung derſelben von der Schwindſucht gänzlich genaſen. Man ſetzt daher am

Bruſt, wo der Kranke die meiſten Schmerzen hat. Nur vermeide man ſie in dem Falle, wenn der Kranke ſchon ſehr von Kräften gekommen iſt, oder wenn man bemerkt, daß ihn die künſtliche Eiterung auffallend ſchwächt.

Wendet ſich die Krankheit nicht zum Beſſern, ſo tritt bald das letzte Stadium ein. In dieſem Falle kann die Behandlung nichts weiter thun, als den Weg zum Grabeerleichtern.

Wie eine Frau liebt. Erzählung.

§.

lſause r, ſagte eine junge blühende Frau, das Frühſtück ſchmeckt Dir heute nicht; biſt X9, Ou krank? Sie rückte näher zu ihm heran und 2 legte ihren Kopf ſchmeichelnd an ſeinen Arm. 2Nein, ja ich fühle mich ermüdet. Ich war geſtern mehr als je mit Geſchäften über⸗ häuft, ſagte Walther aufſtehend, um ſich den weitern Fragen und klaren angſtvollen Blicken ſeiner Gattin zu entziehen.Sollte ich nicht zum Mittagsbrod zurück ſein, ſo warte damit nicht auf mich, es iſt möglich, daß ich in der Bank zurückgehalten werde. Komm, Marie, und

gib mir einen Abſchiedskuß.

Armer Walther,, ſeußzte die liebende Gattin, als ſie allein und beſchäftigt war, in ſeinem Zimmer Bücher und Papiere, die in buntem Wirrwarr über dem Schreibtiſch zerſtreut lagen, zu ordnen. In der Mitte des Zimmers befand ſich eine Staffelei mit einem noch nicht ganz vollendeten Oelgemälde, welches großes, unverkenn⸗ bares Talent bekundete. Wehmüthig ſtand die junge Frau lange vor dem Bilde, bis Thränen ihrem dunklen Auge entfloſſen.Armer Walther, ſagte ſie,daß Du mit Deinem Künſtlerſinn und Dichterherzen genöthigt biſt, Tag für Tag auf dem Komptoir zu ſein und immer und immer zählen, addiren und multipliciren mußt. Wird das nie anders werden, ſoll Deine heiße Sehnſucht, die Dich von New⸗York fort über das Meer nach dem Wun⸗ der⸗ und Künſtlerlande Italien zieht, denn nie erfüllt werden? O, wie unendlich glücklich würde es mich ma⸗ chen, hätte ich Dir außer meinem Herzen auch reiche ir⸗

diſche Güter zugebracht, mit denen Du hättes frei Dei⸗ nem Genius leben können.

Es war Mittag geworden d Wahther nicht heimgekommen. Obgleich Maßie übe⸗ ſeine Abweſen⸗ heit nicht unruhig war, vermißte ſie doch ſchmerzlich ſein liebes Geſicht und berührte ihre Mahlzeit nur wenig. Ihre Ehe war, wenn auch Wolken ihren Lebenshimmel trübten, dennoch eine glückliche. Marie liebte ihren Gatten noch heute nach funf Jahren eben ſo wie an dem Tage, da der Segen der Kirche ſie vereinigt hatte.

Komm zu mir, Georg, ſagte ſie zu einem lieb⸗ lichen blonden Kinde, welches am Boden des Zimmers ſpielte; in dieſem Augenblick trat ihr Vater ein aber wo iſt das ihm ſtets eigene freundliche Lächeln, warum bietet er nicht wie ſonſt froh die Hand zum

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Gruße dar und wankt langſamen, unſicheren Schrittes