Heft 
(1861) 7 07
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Wie eine Frau liebt.

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als hielte er ſich nur mühſam aufrecht, dem ſich ihm zuerſt anbietenden Stützpunkte entgegen?

Sende das Kind aus dem Zimmer, ſagte er mit vor Aufregung zitternder Stimme,ich habe mit Dir zu ſprechen, Mariel Ihre Gedanken flogen ſofort zu ihrem Gatten und ihren bleichen Lippen entrang ſich der Ausruf:Was iſt's mit meinem Walther? O, ſage mir nicht, daß er todt ſei!Beſſer für ihn und uns, wenn er es wäre, beſſer todt ſein, als leben zur Schande der Seinigen, ſagte der alte Mann, kummer⸗ voll ſein graues Haupt ſchüttelnd.

Was hat Schande mit Walthers Namen ge⸗ mein, rief Marie mit leuchtenden Augen.O lieber Vater, ſprich nicht ſo grauſame Worte, und flehend blickte ſie auf in ſein Antlitz.Schande hat er gebracht über uns alle, ſagte der ſtolze alte Mann,über Dich, mich und ſeinen unſchuldigen Knaben. Er hat eine Summe ihm anvertrauten Geldes veruntreut, iſt feſtgenommen, und ich bin gekommen Dich und Dein Kind nach meinem Hauſe zu führen denn Du mußt ihn verlaſſen und ver⸗ geſſen, Marie.Walther verlaſſen, meinen Gat⸗ ten, den Vater meines Kindes vergeſſen! Nie, niemals, ſagte ſie feierlich.Es iſt nicht möglich, daß mein edler, hochſinniger Gatte nein, nein, mein Vater, es muß ein Irrthum ſein, der bald ſich aufklären wird. Nimm, o nimm dieſe ſchrecklichen Worte zurück. Ob auch alle Welt ihn verlaſſe, ich will an ihn glauben und ihm treu⸗ ſein. Laß mich zu ihm gehen!Marie, ſagte der

Mann,Du mußt von ihm laſſen, er wird die Strafe ſes Verbrechens empfangen. Sobald ſein Urtheil ge⸗ ſpchen, biſt Du geſetzlich frei von ihm. Komm zurück in

a Vaterhaus, wo Du die Tage Deiner glücklichen Ju⸗

gen verlebt, nimm wieder für Dich und Deinen Knaben den alten makelloſen Namen Deines Vaters und vergiß ihn, der Schande in unſer Haus gebracht Deine Pflicht gebietet es. Sollteſt Du mir nicht folgen wollen, fügte er gereizt hinzu, als er in ihrer Miene kein Eingehen auf ſein Verlangen las,ſollteſt Du gegen meinen Willen auf Deinem voreilig gefaßten Entſchluſſe beharren, dann

Was dann? fragte ſie ruhig.Dann biſt Du nicht

länger mein Kind! rief der zornige alte Mann. So helfe mir Gott! rief die junge Frau,denn ich will Walther weder verlaſſen noch vergeſſen.

Bald eilte die zunge Frau nach dem Gefängniß⸗

hauſe; auf ihre Bitte itete ſie der Gefangenwärter nach

der dunkeln Zeuezges Gatten. Bei ihrem Eintritte erhob

Walther ſich ſchnell von ſeinem Strohlager, machte

aber keine weitere Bewegung ihr entgegen zu gehen. Sie ließ ihm auch kaum Zeit dazu, in einen. Augenblicke um⸗ fingen ihn ihre Arme, ruhte ihr Haupt an ſeiner Bruſt.

Vergeblich verſuchte er zu ſprechen, ſie preßte ihre Hand

auf ſeine Lippen, ſie wollte, konnte es nicht vernehmen, ſelbſt nicht von ihm, daß er ſo tief gefallen ſei. Es war ein rührender Anblich dieſe beiden Geſtalten in dem 4Kerker, feſt ſich umſchlingend, ſo jung, ſo ſchön

1 alücklich. So dachte wohl auch der Hüter, als ha⸗ Zelle wieder verließ und verſchloß, noch

I nach ihnen hinblickte.

1860 Feind hat mich verſucht, ſagte end⸗

lich der jammervolle Mann;er ſpiegelte mir eine freie, Dir und meiner Kunſt geweihte Zukunft jenſeits des Meeres vor. Das Geld, fügte er zögernd hinzu,wollte ich dem Beſitzer, der jetzt noch im Kindesalter ſteht und es nie früher hätte aus der Bank ziehen können, bei ſei⸗ nem Mündigwerden mit Kapital und Zinſen zurückſtel⸗ len. Leiſe weinte Marie; er hob ihr das Haupt empor und ſah ihr in das Auge.Weißt Du nicht, daß das Geſetz Dich von mir ſcheidet?

Ich bin Dein bis in den Tod! flüſterte Marie. Gott ſegne Dein edles, ſtarkes Herz! Nun habe ich Kraft, meine Strafe zu ertragen.

Das Härteſte iſt nun überſtanden, ſagte Wal⸗ ther, als nach der langen Schlußſitzung, in welcher das Urtheil gefällt worden, ſein treues Weib ihm die heiße Stirn badete,aber unſer armer kleiner G eorg! und der ſchuldige, bereuende Mann beugte ſein Haupt, als er der Schande gedachte, die er in einem unheilvollen Au⸗ genblick an den Namen ſeines Kindes geheftet, und ver⸗ goß Thränen heiliger Reue. Marie arbeitete muthig für ihren und ihres Knaben Lebensunterhalt; in der er⸗ ſten Zeit ihrer Che hatte Walther ſie gelehrt, kleine Bilder in Waſſerfarben zu malen, zu dieſer Geſchicklichkeit nahm ſie nun ihre Zuflucht und fand für ihre Arbeit einen unerwarteten Käufer in dem Bewohner der größeren Hälfte des Hauſes, in welchem ſie eine kleine Wohnung bezogen. Dieſer Mann war ein von Glücksgütern über⸗ häufter Sonderling, der nur für ſeine Bücher lebte, aller Menſchen Umgang mied und deſſen einzige Bedienung ein alter Neger mit ſchneeweißem Haupte war. Täglich beſuchte Marie ihren Gatten und brachte ihm Troſt und neue Lebenshoffnung. Wie Muſik erklangen ihm ihre Fußtritte, wenn ſie durch den langen Korridor wie⸗ derhallten. Liebevoll richtete ſie den gebeugten Mann auf, ſprach erhebende und heilige Worte des Troſtes und führte den reuevollen Sünder zurück zu den Füßen des vergebenden gnädigen Gottes. Und tief und unauslöſch⸗ lich gruben ſich mit heilender Kraft die Worte, welche einſt von heiligen Lippen tönten:Gehe hin und ſün⸗ dige nicht mehr! in ſein innerſtes Herz ein.

So vergingen Wochen, Morn de, Jahre, und in ſihrem Lauf erſchien endlich der Tag der Walthern die Freiheit zurückgab, an dem er aus dem dunkeln Kerker heraus in das helle Licht des Tages, unter den ewigen blauen Himmel treten konnte ein freier, ein gebeſſerter Mann. Geflügelten Schrittes eilte er zu ſeiner Marie. In dem kleinen Zimmer, wo die mu⸗ thige Frau gearbeitet, gebetet und oft auch geweint hatte, empfing ſie den ihr zurückgegebenen Gatten. Wo iſt Georg? Laß mich meinen Knaben küſſen, rief der glückliche Vater.Wo iſt unſer Kind?

Bei ſeinem himmliſchen Vater, ſagte Marie mit erſtickter Stimme.Todt? Und dieſen großen Schmerz haſt Du ſchweigſam in Deiner Bruſt verwahrt und un⸗

getheilt getragen, um nicht neuen Kummer auf mein ge⸗

beugtes Haupt zu häufen! Er kniete nieder vor ſolcher 4

Seelengröße und ſolchem Heldenmuthe.Hatteſt Du

nicht ſchon genug des eigenen Schmerzes? ſagte Ma⸗

rie, als ihre Thränen vereint auf eine blonde Haar⸗. 8

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