Heft 
(1861) 7 07
Seite
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214 Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

und ihre Familien der höchſten Noth und Todesgefahr preisgäben. Albrecht ſuchte ſich mit ſchönen Worten zu rechtfertigen, bedauerte das Unweſen, unterließ aber nicht, den Kaiſer anzuklagen, der nur nach ſeinem eige⸗ nen Kopfe gehandelt, ohne auf ſeinen Rath, wie auf den ſeiner Landſtände zu hören. Dann bat er den König, ſelbſt als Schiedsmann zwiſchen ihnen aufzutreten und Frieden und Einigkeit fördern zu helfen. Er überreichte dabei die von ihm aufgeſetzten Friedensbedingungen. Georg mochte ſie nicht annehmen, bevor er nicht den Kaiſer ebenfalls gehört habe. Da übermannte den Erz⸗ herzog der Zorn, er brach die Verhandlungen kurz ab und kehrte nach Wien zurück. König Georg aber ging mit ſeinem Heere über die Donau und lagerte ſich mit den übrigen kaiſerlichen Kriegsvölkern und den Truppen ſeines Sohnes bei Enzersdorf.

Albrechts Zorn verrauchte. Nun wieder zum Unterhandeln geneigt, erbot er ſich, Geſandte nach Kor⸗ neuburg abzuordnen. Georg willigte ein, und verlangte vom Kaiſer Gewalt und Vollmacht, in ſeinem Namen zu handeln. Dieſe zu geben war Friedrich doch etwas bedenklich, er ſchickte Sigmund von Sabriach und Georg von Kainoch nach Korneuburg, und von Seite der Bürger begab ſich Ulrich Holzer dahin. Allerdings lag es nicht in Podiebrads Abſicht, für den Kaiſer in allen Punkten Partei zu nehmen; er wünſchte wohl, ihn gegen ſeine Unterthanen zu be⸗ ſchützen, doch gedachte er ihm auch bei dieſer Gelegen⸗ heit die Flügel ſo zu beſchneiden, daß er ſelbſt nicht Ur⸗ ſache erhalte, den mächtigen Nachbar zu fürchten.

Die Freilaſſung der Belagerten bildete den Haupt⸗ punkt der Friedensunterhandlung, ſodann ſollte Erzher⸗ zog Albrecht dem kaiſerlichen Bruder alle die Städte, Burgen und Gebiete, welche er vordem mit Gewalt der Waffen an ſich geriſſen, dieſem wieder abtreten, dagegen ihm jedoch die Regierung der Länder unter der Enns gegen einen jährlichen Tribut von viertauſend ungari⸗ ſchen Gulden(Dukaten) auf acht Jahre überlaſſen wer⸗ den. Die kaiſerlichen Geſandten ſperrten ſich gewaltig gegen eine ſolche Bedingung, als aber der Böhmen⸗ könig ſeine kräftige Stimme gegen ſie ertönen ließ und

ihnen ſagte, daß ſie ſich fügen müßten, wollten ſie von

der Belagerung befreit werden, da unterzeichneten ſie

Korneuburg zu begleiten.

I

Albrecht ließ nunmehr ſeine Truppen von der Burg abziehen, und Georg meldete dem Kaiſer, daß er ihn vor der Stadt erwarte, um ihn wohlgerüſtet nach Seinem Boten folgte der Böhmenkönig ſelbſt mit einer ſtarken Schar und lagerte ſich unter Trompetengeſchmetter vor dem der Burg zu⸗ nächſt gelegenen Thore. Friedrich, dem die Burg während voller zwei Monate ein Kerker geweſen, beeilte ſich, mit ſeiner Familie und ſeinem Hofſtaate zu ihm zu gelangen. Der Empfang war mehr feierlich als herzlich, und nach einer Menge von förmlichen Begrüßungen machten ſich Alle marſchfertig. Der Kaiſer begleitete Weib und Kind nach der Diepoldsvorſtadt und nahm dort von ihnen Abſchied, weil ſie von den Kärnthnern und Steiermärkern nach Neuſtadt gebracht werden ſollten.

Vier verhängnißvolle Monate lagen nunmehr hin⸗ ter dem Kaiſer; drei ſchwere Unfälle waren ihm zuge⸗ ſtoßen: zwei Niederlagen im Reich mit dem Verluſt des Banners und eine wenig ehrenvolle, gewiß aber ſehr demüthigende Niederlage in der Burg. Friedrich, dem ohne Georgs Beiſtand wohl leicht ein anderer Ausgang bereitet worden wäre, fühlte, wie ſehr er ihm verpflichtet war, und er bewies ſeine Erkenntlichkeit da⸗ durch, daß er Viktorin zum Herzog von Münſterberg erhob.

Am Tage nach ihrer Ankunft zu Korneuburg wur⸗ den die Vertragshandlungen erneuert. Erzherzog Al⸗ brecht wohnte ihnen bei, und mit hochfahrenden Wor⸗ ten trat er ſeinem Bruder entgegen und ſuchte ſein Thun

zu rechtfertigen. Friedrich that nicht, als ob er zuge⸗ gen ſei, Georg von Volkersdorf machte für ihn den Sprecher. Kurz darauf, am Pfingſttag vor Barbara, wurde der Vertrag unterzeichnet und beſiegelt. Die bei⸗ den gekrönten Häupter ritten in der Frühe des andern V Morgens nach Enzersdorf, hielten ſich dort drei Tage I lang auf und ſchieden dann; Georg, um nach Böh⸗ men zurückzukehren, Kaiſer Friedrich. um ſich in Be⸗ gleitung von ſechshundert böhmiſchen Reitern nach Bruck an der Leitha und von da nach Neuſtadt zu Weib und Kind zu begeben.. V(Sohluß folgt.)

den Pakt. Blieb doch der Vertrag immer noch ungiltig,

ſo lange nicht der Kaiſer ſelbſt ſeine Zuſtimmung gab. Freilich ſtemmte ſich hiergegen Albrecht ſo viel er nur

konnte, doch mußte er der Drohung des Böhmenkönigs, die ganze Handlung aufzuheben, weil ſie von Rechts⸗

wegen nicht verbrieft werden könne, nachgeben. Nachdem Albrecht von Georg die Zuſicherung

erhalten, daß der Kaiſer zwar in Freiheit geſetzt, aber

nicht aus dem Lande gelaſſen werden ſolle, bevor nicht alle Punkte unterſchrieben ſeien, nachdem ihm angedeutet worden war, daß ſich die Fürſten und die Städte des

Reiches rüſteten den Kaiſer zu befreien worauf der Erzherzog ſpökkiſch erwiederte, daß ſein Schwager Herzog

Albrecht von Baiern ganz allein dieſe geſchlagen und ihnen das Reichsbanner abgenommen willigte dieſer ein und ein Handſchlag bekräftigte den Bund.

Die Lungenſchwindſucht.

M 10,.

2 e denjenigen Krankheiten, ſchreibt Dr. Kr. im Fam.⸗Journ., welche als furchtbare Geißeln

der Menſchheit die größten Verheerungen an⸗

SAh nchten, ſteht die allgemein gefürchtete und be⸗

kannte Lungenſchwindſucht oder Auszehrung unbedingt oben an.

Ich werde dem Leſer in dem Folgenden eine kurze und einfache Darſtellung dieſer ſchrecklichen Krankheit in ihren Anfängen, ihrem Fortſchreiten und Ende, ſowie eine Anleitung zur Verhütung ihres Ausbruchs und zur Behandlung der vollſtändig ausgebildeten Krankheit geben, ſoweit eine ſolche Behandlung in dieſem Falle bei der Lungenſchwindſucht überhaupt möglich iſt.