— —
—
——— ——
——
——
Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Baumkircher und Hinko von Böhmen hatten ein
Heer zuſammen gebracht, um den Kaiſer und ſeine Fa⸗ milie den Händen ſeiner rebelliſchen Unterthanen zu entreißen; ſie ſagten den Wienern den Krieg an und verheerten die ganze Umgegend mit Feuer und Schwert. Am meiſten waren die Weinberge, Wiens Stolz und Hauptnahrung, bedroht. Die Winzer hatten ſich bereits vor den wilden Horden geflüchtet, und durch ſie kam die erſte Mähr in die Hauptſtadt. Die Wiener ent⸗ ſchloſſen ſich raſch; ſie übertrugen dem Landvolk die Ueberwachung der Burg, und jagten den in zerſtreuten Truppen umherſchweifenden Feind aus der Gegend.
Indeß war kaum dieſer Feind aus dem Felde ge⸗ ſchlagen, als ein neuer erſchien. Der böhmiſche König Georg beſchloß den Kaiſer in Perſon zu entſetzen, ſen⸗ dete aber ſeinen Sohn Viktorin mit einem bedeu⸗ tenden Heere voraus, und dieſer machte, nachdem er beim Schloſſe Ort die Donau überſchritten, Halt, um das Kriegsheer der Steirer, Kärnthner und Krainer zu erwarten, die zu ihm zu ſtoßen verſprochen hatten. Sie ließen nicht lange auf ſich warten, und die vereinigte Heeresmacht rückte bis Enzersdorf vor und ſchlug hier ihr Lager auf.
Friedrich und die Seinen fühlten ihr Herz von Hoffnung überſtrömen; ſie benützten die abermalige Be⸗ ſtürzung der Wiener, indem ſie ſie durch ihre Geſchütze noch mehr einzuſchüchtern ſuchten. Dieſe wußten ſich nicht anders zu helfen, als den Erzherzog Albrecht um Hilfe anzugehen, die ihnen dieſer auch aufs Bereit⸗ willigſte zuſagte und zu Beginn des November zur großen Freude der Stadt mit ſeinen Mannen einzog. Die Wiener und er errichteten einen Landbund auf zwei Jahre, und ſie kamen dabei überein, den Kaiſer nicht eher aus ſeinem Nothſtall zu laſſen, als bis er ihre For⸗ derungen bewilligt haben würde.
Kaum fühlte man ſich in der Stadt wieder auf feſterem Fuße, als auch Ulrich Holzer Alle verhaften ließ, die man als Anhänger des Kaiſers kannte. Damit begnügte man ſich indeß nicht, man zog, da man des Geldes bedurfte, auch ihr Vermögen ein. Nur Wenige entgingen ihrem Schickſal durch ſchleunige Flucht.
Auch Albrecht ſagte nunmehr ſeinem Bruder in aller Form den Krieg an. Die anfänglich gehegten Hoff⸗ nungen der Eingeſchloſſenen auf Entſatz wollten ſich nicht erfüllen; vom Reiche ließ ſich noch immer keine Hilfe ſehen, wiewohl Friedrich ſchon bei Beginn der Belagerung ſeine Räthe Albrecht Hartung und Heinrich Marſchalk ausgeſendet hatte, den Stän⸗ den die Kunde ſeiner Bedrängniß und des Frevels ſei⸗ ner Unterthanen zu hinterbringen. Die Stände aber beeilten ſich nicht eben allzuſehr. Erſt zu Ende Oktober hatten ſich einige Stände, und unter ihnen Markgraf Albrecht von Brandenburg, entſchloſſen, nach Re⸗ gensburg aufzubrechen. Ulrich von Gurk, des Kai⸗ ſers Kanzler, ſchilderte mit beredten Worten und mit Farben, welche nur eine glühende Phantaſie verleihen kann, den Verſammelten die Noth des Kaiſers und ſein Begehren. Er erlangte mehr nicht als die Zuſage, daß die Angelegenheit in Ueberlegung genommen werden
ſolle. Zum Glück für Friedrich traf um dieſe Zeit ein Geſandter aus Böhmen ein, der neue Botſchaften überbrachte; ihm folgte ein Sendbote des Kaiſers, der den anweſenden Ständen mittheilte, daß in der Burg nur für drei Wochen Lebensmittel vorhanden ſeien. Nun durfte man die Hilfe doch nicht allzuſehr auf die lange Bank hinausſchieben, ja man ging ſogar ernſtlich an eine Berathung und gelangte zu dem Entſchluſſe, dem Kaiſer zu Hilfe zu eilen und an die abweſenden Reichsſtände ein Aufmahnungsſchreiben für den gleichen Zweck ergehen zu laſſen.
Ueber alle dem war eine geraume Zeit verſtrichen, und es mußte nothwendiger Weiſe noch mehr verſtrei⸗ chen, ehe der beabſichtigte Zweck in's Werk geſetzt wer⸗ den konnte. Es blieb alſo den Wienern zum Handeln Zeit genug, und ſie ließen ſie auch nicht müßig verſtrei⸗ chen. Nachdem ſich die Zahl der Geſchoſſe durch Al⸗ brechts Beitritt um einige vermehrt hatte, begannen die Belagerer die Beſchießung auf' Nachdrücklichſte. Und dennoch kamen ſie ihrem Ziele nur langſam näher. Die Mauern widerſtanden ihren Geſchützen. Die Wie⸗ ner wurden ungeduldig, ſie wollten die Mauern fallen ſehen. In einer Berathung kamen die Anführer überein, eine Mine zu legen und ohne Zaudern gingen die Leute an's Werk. Allerdings würde dadurch der Erfolg nicht zweifelhaft geblieben ſein, und die Bürger jubelten be⸗ reits des Sieges gewiß, wenn ihnen nicht ein unerwar⸗ tetes Hinderniß entgegen getreten wäre.
Der Kaiſer beſaß unter den Belagerungstruppen immer noch einige ihm Wohlgeſinnte; einer davon, ein Siebenbürger Namens Thomas, mochte ihn nicht einer ſchmachvollen Demüthigung preisgegeben ſehen und verrieth das Unternehmen, indem er mit beſchrie⸗ benen Pergamentſtreifen befiederte Pfeile in die Burg abſchoß. Die Minirer ſahen ſich plötzlich angegriffen. Nach einem kleinen Scharmützel wurden ſie zurückge⸗ trieben, und ein Vergleich geſchloſſen, nach welchem auf ſolche Weiſe keine weitere Beunruhigung ſtattfinden ſolle.
Und während dieſer ganzen Zeit waren die Zinke⸗ niſten mehr beſchäftigt als die bewaffnete Mannſchaft, denn das Muſiciren nahm vom frühen Morgen bis in die ſinkende Nacht kein Ende.
Die Noth in der Burg ſtieg inzwiſchen immer höher. Hatte man auch nur geringe Urſache, den Feind außerhalb der Mauern zu fürchten, ſo erhob ſich doch im Innern ein viel furchtbarerer, der von Stunde zu Stunde wuchs, und mit ſeinen Rieſenarmen Alles um⸗ faßte und zu verderben drohte— der Hunger. Die Vorräthe an Getreide, Fleiſch und Wein waren bis auf geringe Ueberreſte aufgezehrt. Für die kaiſerliche Tafel gab es allerdings noch Weizen, aber wer nicht durch ſeinen Rang Anſpruch darauf hatte, daran Theil zu nehmen, der mußte ſich mit einer karg zugemeſſenen Quantität von Erbſen, Gerſte und Kleienbrod begnügen. Waſſer erſetzte durchgehends den Wein, und mit ein wenig Honig gemiſcht, war es ſogar ein Luxusgetränk. Der kleine Maximilian konnte lange dem Gerſten⸗ brei keinen Geſchmackgabgewinnen; weinend verlangte er von ſeiner kaiſerlichen Mutter einen Krammetsvogel,


