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Der Redakteur.
luſt und Bedürfniß, plagte und chikanirte. Konkurrenz war nicht da, die Leute mußten ja wieder kommen.
Ein Feuerwerker oder Pyrotechniker, wie er ſich nannte, hatte mit bedeutenden Unkoſten ein großes Kunſt⸗, Land⸗ und Waſſerfeuerwerk arrangirt. Der ſpäteſte Ter⸗ min zur Annahme der Inſerate war die elfte Stunde des Morgens, da die Zeitung bereits um zwei und ein halb Uhr zum Verſandt fertig ſein mußte. Ausnahms⸗ weiſe waren an dieſem Tage auch eine Unſumme In⸗ ſerate vorhanden.
Da kommt kurz vor zwölf der arme Pyrotechniker in Begleitung ſeiner ehrenwerthen Ehegenoſſin mit einer großmächtigen Ankündigung ſeines Feuerwerks.
Der Mann der Inſerate erklärt ihm in kühlem Geſchäftston, daß es zu ſpät zur Aufnahme ſei und lieſt mit dem anweſenden Setzerlehrling die Korrektur einer Spalte ſchon geſetzter und gedruckter Inſerate, während der Feuerwerker vernichtet auf einen anweſenden Stuhl zu ſinken ſich bemüht.
Die Frau des Feuerwerkers iſt gefaßter und be⸗ ginnt nun alle Schleuſen und Maſchinerien des weib⸗ lichen Bittapparats in Bewegung zu ſetzen, aber auch ihre Bemühungen prallen an dem Eiſenherzen des Man⸗ nes ab. Schließlich ſchleudert ihm die Frau einen Blick der Verachtung zu und geht in Begleitung des nieder⸗ geſchlagenen Mannes hinaus.
„Ein Mittel gibt es noch, Mann, komm herauf zum Herrn Doktor.“
Und hinauf begeben ſich die Petenten.
Oben im Vorbureau ſind ſie bekannte Größen, denn der Mann arrangirt alle vier Wochen ſolch' ein Feuer⸗ werk und hat jedesmal das Unglück gehabt mit ſeinen Inſeraten zu ſpät zu kommen und jedesmal hat ihn noch der Doktor oben gerettet, allerdings dabei auch immer geſagt, daß es das letzte Mal geweſen ſei und der Mann mit ſeinen Inſeraten künftighin zeitiger kommen möchte.
Der Redaktionsſekretär überlegt ſo eben, ob er die Leutchen nicht ſofort wieder abweiſen ſolle, damit ſie endlich Ordnung lernten, als zufällig der Redakteur en chef in's Bureau tritt.
Beide Petenten beginnen ſofort eine gemeinſchaft⸗ liche Attaque und überſchütten den Redakteur förmlich mit ihren„allerliebſter Herr Redakteur“,„allerguteſter und allerbeſter Herr Doktor“.
Der Doktor bewahrt heute eine ernſte und kalte Miene und das bringt nun die Frau mehr aus dem Koncept als den Mann der gemach ſeine Ruhe wieder⸗ findet.
Als nun der Redakteur eine lange moraliſirende Rede beginnt und im Eingange auf die Unmöglichkeit hinweiſt, dem Verlangen genügen zu können, klappen die beiden Armepaare der feuerwerklichen ehelichen Ver⸗ bindung wie weiland die Holztelegraphen: ſie erheben ſich und ſenken ſich verzweifelnd.
Vergeblich behaupten Mann und Frau, daß es ja kein anderes Mittel gebe, das Feuerwerk anzukündigen als die Zeitung, da das Zettelaustragen etwas gar zu
Prekäres ſei, vergeblich werden Sonne, Mond und alle Sterne des Firmaments zu Zeugen angerufen, daß es
nicht am guten Willen gelegen habe, wenn das Inſerat zu ſpät gekommen ſei. Der Doktor ſcheint hart zu blei⸗ ben, der Sekretär hält die Angelegenheit gar nicht der Mühe werth, ſich dadurch unterbrechen zu laſſen und nur der Korrektor ſtudirt die konvulſiviſchen Windungen und Verrenkungen des Paars ungefähr mit demſelben Intereſſe, das ein Phyſiker den Zuckungen eines Froſch⸗ ſchenkels widmet, den er der Einwirkung des galvani⸗ ſchen Stromes ausgeſetzt hat.
Der kalte Schweiß ſteht dem Pyrotechniker auf der Stirn und endlich bricht er in die Worte aus:„Laſſen Sie uns doch nicht ſo lange zappeln, Herr Doktor, Ihr gutes Herz wird uns ja gewiß und wahrhaftig helfen.“
Dieſe treuherzigen Worte bringen eine ſo urko⸗ miſche Wirkung hervor, daß das ſämmtliche Redaktions⸗ Perſonal in ein heiteres Gelächter ausbricht. Sogar der Redaktionsſekretär kann ſich dieſer Wirkung nicht erweh⸗ ren. Wer aber erſt die Lacher auf ſeiner Seite hat, der hat ſeinen Zweck ſchon halb erreicht. So auch hier.
In aller Gemüthlichkeit ſagt der Redakteur, daß er zuſehen wolle, was zu machen ſei.
Nun aber kommt der bärbeißige Mann der In⸗ ſerate, und ſelbſt der Redakteur vermag nicht auf das Kieſelherz zu wirken und muß ſich wirklich zuletzt ent⸗ ſchließen, einen politiſchen Artikel, der keiner übermäßi⸗ gen Wichtigkeit ſich erfreut, wegzulaſſen, damit Platz für das Inſerat gewonnen werde.
Darauf werden dem Pyrotechniker noch gute Re⸗ geln und Verhaltungsbefehle für künftige Zeiten gegeben, und der erfreute Mann, der in der Haſt der Freude Alles verſpricht, iſt entlaſſen.
Der Sekretär ſchüttelt in Mißbilligung ſein Haupt und der Doktor ſagt zu dem treuen Gefährten in ent⸗ ſchuldigendem Tone:„Der arme Teufel dauerte mich.“
„Er wird aber wieder kommen, im Vertrauen auf Ihre Gutmüthigkeit,“ ſagt der Sekretär.
„Dann ſoll er gewiß und wahrhaftig vergebens bitten,“ entgegnet der Doktor und verſchwindet in ſei⸗ nem Bureau.
„Wer' glaubt,“ brummt der böſe Sekretär in den Bart.
Das wäre Einiges aus dem Leben der Redakteure. Und es muß ja wohl aus dem Leben ſein, da es nach der Natur gezeichnet wurde. Es iſt, wie der Leſer geſehen, reich an ſeinen Berufsleiden und kleinen Freuden. Wenn aber die geſellſchaftliche Stellung, wenn auch gut, ſo doch immer noch nicht den gerechten Anſprüchen entſpricht, die der Mann machen darf, der eine ſo wichtige Macht, wie die Preſſe, leitet, ſo liegt das einfach im deutſchen Zopf und in der behaglichen Schwerfälligkeit, mit wel⸗ cher das Germanenthum dem Neuen geneigt wird.
Die Zeit aber wird, und hoffentlich in nicht gar zu langer Zeit, auch kommen, wo das Alles ſich ändert. Die Welt ſchreitet unaufhaltſam in ihren Bahnen weiter, und eine ſchöne Zukunft blüht denen, die an dieſem Weiter⸗ ſchreiten arbeiten, ihm förderlich und dienſtlich ſind.
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