Heft 
(1861) 7 07
Seite
205
Einzelbild herunterladen

t ich

er der

t ſein

Ste 2 Otel⸗

warzen weiße

ein ver⸗ en, das weißen en, ent⸗ ern No⸗ er kann eidenen führung n ſei.

ſchlauen Doktor iite aber b woll würde, 1 ſorgen. ſchwer

rrre

Der Redakteur.

können. Mit Freuden wird dem Verlangen gewillfahrt und der ſchwarze Frack entfernt ſich hoffnunggeſchwellt und kühn um ſich blickend.

Nach einigen Tagen aber ſchon empfängt er die Blätter zurück und in dem Begleitbriefe dankt der Doktor für die Ehre der Widmung, die er leider ausſchlagen müſſe, da die Novellen auch den niedrigſten Anforde⸗ rungen nicht gerecht würden.

Geht der Redakteur Abends in den Klubb, ſo iſt er hier der officielle Beurtheiler aller Fragen, die in's Gebiet der Literatur oder Kunſt hinüberſchweifen. Er muß ſich fade Elogen über ſein Blatt und ſich gefallen laſſen und iſt glücklich, wenn er möglicher Weiſe einen Kollegen trifft, der einer andern ſchriftſtelleriſchen Koterie angehört und alſo Stoff zu einer Disputatiunkula gibt.

So verfließen die Tage eines Redakteurs literari⸗ ſcher und belletriſtiſcher Journale.

Anders iſt es bei ſeinen Kollegen von der Tages⸗ preſſe.

Ich ſagte ſchon oben, daß ich hierfür ein Beiſpiel aus der Provinzial⸗Zeitungspreſſe nehmen würde.

Eine täglich erſcheinende politiſche Zeitung iſt ein umfaſſenderes Unternehmen, als ein in größeren Zeitab⸗ ſchnitten erſcheinendes Unterhaltungsblatt. Eine ſolche Zeitung hat natürlich ihr eigenes Redaktionsbureau, an deſſen Thür mit Goldſchrift zu leſen iſt, daß ein ſo viel beſchäftigter Mann, wie der Redakteur, nicht fortgeſetzt dem verehrlichen Publiko zu Dienſten ſein kann, ſondern

daß von 12 bis 1 Uhr Sprechſtunde ſei.

Ich erinnere mich noch ſehr gut des frommen Schauders, der mich durchrieſelte, als ich ein ſolches Bureau zuerſt betrat. Von hier aus wurde alſo ein großer Theil der politiſchen Meinung einer Provinz dirigirt und gemacht, hier waltete der mächtige Mann, der kühn und vor aller Welt in jeder Nummer bekundete, daß er bereit ſei, jede Zeile, die dem Leſer geboten, zu verantworten.

Das Redaktionsbureau beſteht gemeinhin aus zwei Zimmern; im erſten haben der Redaktions⸗Sekretär und der Korrektor, beide außer ihrer officiellen Stellung noch ſtark beſchäftigte Mitarbeiter der Zeitung, Platz gefun⸗ den. Eine kleine Bibliothek, einige Schränke voll alter Skripturen und eingebundener Jahrgänge der Zeitung, die Wände mit Karten behängt, ein Tiſch und einige Stühle für etwaigen Beſuch, ſo ſtellt ſich das Vorbureau, wie ich den Aufenthaltsort des Sekretärs und Korrektors nennen möchte, den Augen dar.

Durch eine Seitenthür gelangt man in's Aller⸗ heiligſte, in's Arbeitszimmer des Redakteurs en chef.

Eleganter ſieht dieſes Bureau allerdings aus. Die Wände ſind mit Tapeten beklebt und mit Bücherſchränken geſchmückt, der Arbeitstiſch des Redakteurs iſt ein Mei⸗ ſterſtücklein von Eleganz, ein neumodiſches ſchönes Sopha mit einem faſhionablen Tiſch davor und die hochlehnigen, ſein geflochtenen Rohrſtühle vollenden den behaglichen Eindruck des Ganzen. Die Wände ſind mit ſchönen Bil⸗ dern geſchmückt, Seine Majeſtät und ein großer Theil des königlichen Hauſes natürlich immer vorhanden, und außerdem, je nach der politiſchen Richtung des Blattes, entweder die Führer der feudalen oder diejenigen der

liberalen Partei, theils in Miniſter⸗, theils in Land⸗ botenbildern. Nur das Herrenhaus vermag ſich immer noch keinen Eingang zu verſchaffen.

Der Redakteur ſteht vor ſeinem Pulte und hat einen mächtigen Stoß Zeitungen vor ſich, an einer Seite aber ein ganzes Bündel aufgeſchnittener Briefe liegen, die in Stelle des Briefbeſchwerers, der ruhig lächelnden Ant⸗ litzes daneben ſteht, von der Papierſchere bedrückt werden.

Im Augenblick unſeres Hereintretens nimmt der Redakteur ſo eben ein großmächtiges Zeitungsblatt vor. Während er das Blatt auseinander ſchlägt, fällt uns das Zeichen des Kreuzes in die Augen. Der Mund des Re⸗ dakteurs(der Zufall hat uns an den Herd eines wüthen⸗ den Oppoſitionsblattes geführt) ſpitzt ſich höhniſch und ſeine Augen leuchten zorneskühn.

Plötzlich aber ſchwillt ihm die Stirnader bedeutend an, er legt die Cigarre weg, die ihn hindert, mit den Zähnen zu knirſchen, und lieſt aufgeregt aber mit Auf⸗ merkſamkeit. Dann jedoch erheitert ſich ſeine Miene wie⸗ der, er erhebt ſich und öffnet die Thür zum Vorbureau.

Die biedere Zeitung(er hält dabei die Titelſeite in die Höhe) hat uns ſchmählich angegriffen, meine Herren.

So? fragt der Sekretär, eine Muſterſtatue von beharrlicher Arbeitſamkeit und gemäßigtem Phlegma.

Schon wieder? fragt der Korrektor, ein junger blondgelockter Schriftſteller, ſchnell und ſprühenden Au⸗ ges.Doch nicht wegen meines Artikels?

Gerathen, Herr Pfeifer, ſagt der Redakteur; nun können Sie die Sporen verdienen und ſich ſelber wehren.

Da geht ein erhebender Freudeſtrahl über das Ge⸗ ſicht des Korrektors und erfreut dankt er für das Ver⸗ trauen, das er ſchon rechtfertigen werde.

Der Redakteur begibt ſich ſchmunzelnd zurück und murmelt dann vor ſich hin:Pfeifer iſt in Extaſe und wird den guten Rundſchauer ſchon abführen.

Der Redakteur ſelber iſt ein behäbiger Mann, der das patriotiſche W des Militärs, beſtehend in Schnurr⸗ und Backenbart, trotz ſeiner politiſchen Meinung trägt. Daß er eine Brille trägt, liegt in der Natur der Sache und in ſeiner Stellung. Vorn in dem tadelloſen Hemd glänzt eine prächtige Buſennadel, die ihm einſt irgend eine hochgeſtellte, wohl gar fürſtliche Perſönlichkeit als Andenken gab. Nur öffentlich ſpricht er ſich in's Feuer, wie z. B. bei Vorwahlen u. dgl., ſonſt wahrt er ſtets die Würde ſeiner Stellung.

Man kann nicht behaupten, daß ſeine Arbeit eine leichte und dankbare ſei, ja der Uneingeweihte dürfte ſie leicht als im höchſten Grade langweilig finden. Aber es geht den Herren von der Feder, zumal der politiſchen, eben ſo wie den kühnen Weidmännern im fernen Weſten, davon uns Ferry, Cooper und Andere ein Mehreres und Lehrreiches erzählen. Die Leutchen der Büchſe, gebräunten Hant, Mokkaſſins und ſichern Hand können ſich von ihren Gefahren nicht trennen, und würden vor Heimweh nach der Wildniß ſterben, wenn ſie in kultivirtere Gegenden und ruhigere Lebensſtellungen verſetzt würden, und der

politiſcher Blätter würde geiſtig zu Grunde