Heft 
(1861) 7 07
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Louiſe Meunier. 197

Achtung ſeitens Renés ſo gut nicht ganz traute, wie ſeinen Liebeserklärungen, und daß ſie von der einen wie von der andern Seite vor einer unliebſamen Täu⸗ ſchung ſich nicht ſicher fühlte.

Die beiden Liebenden trennten ſich nun, nicht ohne eine letzte Umarmung, bei der die Hand für das Herz ſprach.

Veronika war auf das Klingeln herunter ge⸗ kommen.

Eil woher kommen denn Sie? ſagte ſie mehr frech als erſtaunt;Ihr Oukel wollte, ich ſollte die Thür abſperren; aber ich machte ihm begreiflich, Ihr Aus⸗ gang müſſe die Folge einer Wette oder eines Gelübdes ſein, denn ohne Zweifel haben ſich nicht etwa...

Schweig! ſagte Louiſe,wenn Du nicht willlſt, daß ich morgen Früh alsbald dieſes Haus verlaſſe.

Darauf wagte Veronika kein Wort mehr; denn dieſe Drohung konnte Louiſe leicht ausführen.

Bei den erſten Worten, die Meunier am fol⸗ genden Tage an Louiſe richtete, war leicht zu ſehen, daß er ſich über etwas beſchweren wollte, denn anders wußte er nie einen Verweis zu geben, ſelbſt wenn er dabei im vollſten Rechte war. Er befolgte ſeine ge⸗ wöhnliche Taktik; er ging erſt fort und fort um ſein Opfer herum, ohne es anzugreifen, um es in Wuth zu bringen, ſo wie die Wilden es machen, die durch ihre Tänze und Geſänge erſt das unglückliche Opfer ihrer Wuth betäuben. Louiſe erſuchte ihn, um die Sache kürzer zu machen, ſeine Erklärung bis zum Abend zu verſparen. Aber der Gedanke, daß man in ſolcher Weiſe ſeine Macht und ſeinen Eigenwillen zu beeinträchtigen ſuchte, brachte ihn außer ſich. Aber das nutzte Alles nichts; Louiſe blieb ſtumm; endlich gegen Mittag war die Aufregung nahe daran zu verrauchen, als plötz⸗ lich Madame von Bourgueville eintrat.

Die Mutter Renés hatte ſein Geſtändniß, daß er Louiſe liebe, ohne Erſtaunen aber mit tiefem Ver⸗ druß vernommen. Es war, wie ſchon geſagt wurde, durchaus nicht ihre Gewohnheit, offen gegen was immer für eine Perſon oder Sache eine feindſelige Stellung einzunehmen. Sie machte daher nur einige ſchüchterne Bemerkungen; insbeſondere betonte ſie es, daß eine Heirat mit Lucia mehr ihren Intereſſen entſpreche, ſtandesgemäßer ſei ꝛc.; daß eine Heirat mit Louiſe, die gar kein Vermögen habe, ein großes Opfer ſei, wel⸗ ches dieſelbe ſchwerlich durch andere Vorzüge hinreichend aufzuwiegen vermöge.

Was liegt daran! rief René aus mit ſeiner helltönenden Stimme;oder bin ich nicht im Stande, Weib und Kind zu ernähren? Ich dächte doch...

Es wurde alſo beſchloſſen, Madame von Bour⸗ gueville ſollte noch an demſelben Tage den Heirats⸗ antrag ihres Sohnes an Louiſens Onkel überbrin⸗ gen. Dieſer Gang zu Herrn Meunier war der Gräfin ſehr bitter und brachte ſie in der That bald außer ſich. Sie wandte ſich darum an Madame Saucour: Halten Sie dafür, daß ich, um die Hand jener Kleinen für meinen Sohn anzuhalten, verpflichtet ſei, ihrem Onkel einen Beſuch zu machen? Endlich erfand ſie ſelbſt

ein paſſendes Auskunftsmittel! Sie erſuchte zunächſt Herrn Meunier, ihr ein Stückchen Land käuflich zu überlaſſen, das ſie zur Arrondirung ihres Beſitzthums nothwendig brauche; dazu brauchte ſie ungefähr eine halbe Stunde, nach deren Verlauf ſie dann an ihre eigentliche Miſſion dachte, deren Mißlingen ſie natürlich nur gar zu ſehr wünſchte.

Während Herr Meunier ſie andächtig anhörte, konnte er ſich eines ſchalkhaften, ironiſchen Lächelns nicht enthalten; im Grunde aber war er nur höchlichſt er⸗ ſtaunt, daß ſeine Nichte ein ſolches Verhältniß anzu⸗ knüpfen vermochte, und noch mehr darüber, daß Ren é ſich auf ein ſolches ernſtlich eingelaſſen. Allein, da er Grund genug zu haben glaubte, ſowohl Madame de Bourgueville als auch Louiſen zu grollen, er⸗ ſterer wegen ihrer ſtets bewieſenen Hochnaſigkeit, letzterer wegen ihrer abſtoßenden Kälte, ſo beſchloß er, heute, wo er Herr der Situation zu ſein wähnte, ſich an Beiden zu rächen. Indeß in Rückſicht auf die Ehre, die der Graf ſeiner Nichte zugedacht, glaubte er ſich doch gewiſſer⸗ maßen zuſammennehmen zu müſſen.

Ich muß, begann er,vor Allem Ihnen, Ma⸗ dame, und dann Herrn René ein Familiengeheimniß anvertrauen, welches vielleicht, wenn Sie Kunde davon gehabt, Ihren heutigen Schritt mindeſtens bedenklich gemacht haben würde.

Louiſe ſchaute erſchreckt ihren Onkel an, der dann fortfuhr:

Sie wiſſen, meine Nichte hat kein Vermögen.

Louiſe athmete bei dieſen Worten auf, weil ſie glaubte, darin läge ihres Onkels ganzes Geheimniß.

Das habe ich vermuthet, erwiederte Madame von Bourgueville,aber ich dachte daran weiter nicht, in der Vorausſetzung, daß ſie Sie einmal be⸗ erben würde.

Das berührte Herrn Meunier anſcheinend gar nicht, und ſo fuhr er, als hätte man ihm gar nicht ge⸗ antwortet, fort:

Sie hat nicht nur kein Vermögen, ſondern ihre Erziehung, ihre Talente verdankt ſie nur den Opfern, die ich ihr brachte. Ich hätte beſſer gethan, ohne Zwei⸗ fel, wenn ich's anders gemacht hätte; aber das iſt le⸗ diglich meine Sache. Ich verlange keinen Erſatz dafür. Dazu habe ich noch mancherlei Sorgen und Unannehm⸗ lichkeiten ihretwegen gehabt, die ſich ſo nicht erzählen laſſen. Ich ſage Ihnen nur das: Ihr Vater war mein leiblicher Bruder, ein Windfang, der nie auf meine Rathſchläge hörte, ein talentvoller Menſch, aber was er angriff, ſchlug fehl; ſo kam's endlich dahin, daß er ſich ſelbſt das Leben nahm.

Louiſe unterbrach ihren Onkel mit einem Schmerzensſchrei.

Jal er nahm ſich ſelbſt das Leben, aber ſein Tod zahlte nicht ſeine Schulden. Ich hatte keine Luſt mehr, für ihn zu zahlen. Jeder iſt ſich ſelbſt der Nächſte. Ich habe Alles den Gläubigern überlaſſen und Louiſe zu mir genommen. Wenn Rens ſie heiratet, hat er nichts mehr zu befürchten; es hat Niemand mehr das Recht, ihr etwas abzuverlangen.