Heft 
(1861) 5 05
Seite
155
Einzelbild herunterladen

nun der erlaube, t. Auch der Art Mini⸗

ommiſt Kanzlei. boden. Jugend h ſeinet.

Meine Kabinet, ſelber on dar⸗

Glück⸗

dieſen ſpinde, geſtellt evierte geſetzlich

it einer trägt. füngt ſie bringſt ein ge⸗ ir Ken gel der

deßhalb n Land⸗

er echte och ihre Hötterge⸗

Hin ſein Mannes ſchwebt. rig mit dieſem wiſoriſch, Meine auf dem einiger Panther⸗ ſchenkte, nmöglich

hiedenen nbauten, ls erſſ

guaßen rbe dr

Der Renommiſt in und außer dem Hauſe.

denen amtlichen Stellung bleibt, weil es ihm Ver⸗

gnügen macht.

Er iſt natürlich nicht entlaſſen worden, ohne daß man ihm zu verſtehen gab, daß er ſich vertrauensvoll an den neuen Bekannten wenden könne, wenn er Kon⸗ nexionen brauche. Man habe eine Stimme, die weit trage, und eine Hand, die weit reiche.

Wenn der Fremde fortgegangen iſt, thut der Re⸗ nommiſt einen Theelöffel voll Zucker in ſeinen Wein und ſchlürft dann ſein Gläschen aus, während Frau Amalia, vielleicht auch das Dienſtmädchen oder die Aufwärterin, die Flaſche wieder in den Keller trägt.

Unſer Renommiſt hat viel geleſen und erfreut ſich eines guten Gedächtniſſes. Das aber bringt ihn leider auf die fixe Idee, der literariſch gebildetſte Menſch zu ein. Nur einen Rivalen hat er in dieſem Artikel, einen jungen Mann, von dem man weiß, daß er an belletri⸗ ſtiſchen Journalen mitarbeitet und auch einmal ein ganzes ſelbſtändiges Buch veröffentlicht hat. Herr Ru⸗ dolph hat wirklich auf dem Boden eine Kiſte mit Büchern ſtehen. Die Kiſte enthält allerdings faſt eine ganze Bibliothek, die er einſt auf einer Auktion billig erſtand. Viel Gutes kauft man auf Auktionen nicht, eher noch manches Seltene. So erging es auch unſerm Renommiſten, aber er zieht Vortheil daraus. Denn ehe er ausgeht, in's Lokal der Reſource, wo er ſeinen Ri⸗ valen finden zu können meint, da lieſt er in irgend einem der verſunkenen und vergeſſenen Werke, und bringt dann das Geſpräch mit anerkennenswerther Ge⸗ wandtheit auf den Verfaſſer. Dann fragt er den Riva⸗ len, ob er das und das Buch geleſen, ſagt auf die ver⸗ neinende Antwort lächelnd ſein Ei, Ei, und citirt dann die vorhin geleſene Stelle wörtlich. Seine Kunſt und ſein Hauptmanöver beſteht darin, daß er bei ſolchen literariſchen Renommiſtereien ſtets aggreſſiv verfährt; er greift ſtets an und weicht andern Angriffen ſtets aus. Nur auf dieſe Weiſe, nur wenn er Examinator iſt, kann ſein Ruf als unfehlbarer Literaturhiſtoriker gewahrt bleiben.

Der Renommiſt iſt überall geweſen und kennt alle ſchönen Punkte der Erde, natürlich nur in ſeiner Ein⸗ bildung und ſeinen Reden.

Er hört von Venedig ſprechen.O der Markus⸗ platz, der Dogenpalaſt und die Seufzerbrücke, ſagt er ſchwärmeriſch. Man erzählt von Neapel,o der himm⸗ liſche Golf, der Veſuv, die blaue Grotte von Capri, ſeufzt er, ſelig in der Erinnerung. Petersburg, Stock⸗ holm, Kopenhagen, London, Paris, Madrid, Liſſabon, Genua, Rom, Florenz, Konſtantinopel, Wien, München, Berlin, Hamburg, alle kennt er, und weil ſeine Phan⸗ taſie ſo lebhaft iſt, ſo vertritt auch die Erinnerung an das Geleſene diejenige an das Geſehene. Dieſe Leutchen ſind ſomit eigentlich glücklich und zu beneiden.

Die Jagdzeit hat begonnen. Wenn Abends die aus der Stadt geladenen Herren von den Gütern, wo

nommiſt ſicher im Klub zu treffen.

Er hört lange zu, dann aber ſpricht er:Ich jage nicht mehr, meine Herren, war aber in meiner Jugend ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Der verſtorbene

Erinnerungen. LXXXII. 1861.

unm abgehalten ſind, heimkommen, ſo iſt der Re⸗

Direktor hätte Ihnen beſtätigen können, daß ich auf einem Spaziergange, bei welchem ich zufällig meine Piſtolen bei mir trug, einſt vierzehn Schwalben mit der Piſtolenkugel heruntergeſchoſſen habe.

Auf einmal? fragt der Regierungs⸗Geometer lakoniſch.

Nein, das wäre nicht gut möglich, ſagt der Renommiſt freundlich;immer eine nach der andern. Daraus mögen Sie erſehen, daß ich ein guter Schütze war. Eines Tages befand ich mich auf einer Jagd beim Fürſten Kreuß⸗Steiß. Ich war der nächſte Nachbar von Durchlaucht. Ich thue einen Schritt, es quietſcht unter mir und ſiehe ich ſtehe auf dem Genick eines Haſen,

der im Lager war. Vor mir aber ſpringt ein Lampe

auf, ich reiße mein Gewehr an die Backe und der Haſe liegt im Blute. Rechts war eine Birkenſchonung. Mein Schuß hatte einen Faſan erſchreckt, er ſteigt und die Ladung des andern Laufs macht ſeinem Leben ein Ende. Auch der Haſe unter meinen Füßen hatte mittler⸗ weile ausgelitten. Ich gehe nun in das Birkengehölz, um den Faſan zu holen, doch ſiehe, unweit des bunt⸗ gefiederten ſtolzen Vogels lag noch ein Birkhuhn, eben im Sterben begriffen. Ein Schrotkorn war dem Faſan in die Augen gedrungen, während ein anderes zufällig das Birkhuhn in die Bruſt traf, das nicht weit vom Faſan auf einem Aſte geſeſſen.

Das war ein Meiſterſchuß, hatte damals Seine Durchlaucht zu mir geſagt.

Es iſt aber merkwürdig, daß bei der Treibjagd der Haſe im Lager geblieben war, und daß nach dem erſten Schuſſe ſich nicht auch Faſan und Birkhuhn ſchneller aus dem Staube machten, entgegnete wiederum der Regierungs⸗Geometer.

O das kommt manchmal vor, daß Haſen einen ſo feſten Schlaf haben, und die Geſchichte mit dem Birkhuhn war ein wenig Glück, freilich aber auch ein wenig Geſchicklichkeit.

Solcher Geſtalt ungefähr ſind die Geſchichtchen, welche der Renommiſt erzählt.

Manchmal aber kommt der Herr mit ſeinen Hiſtörchen doch vor die unrechte Schmiede.

Eines ſchönen Tages trifft er in einem öffentlichen Lokale einen unbekannten Herrn. Er ſondirt und findet gläubige Ohren. Nun rückt er mit einer Hauptgeſchichte vor, indem er von einem ihm wohlbekannten Manne ſpricht, der kurz vor Stettin im wüthenden Sturme Schiffbruch gelitten. Der Mann iſt ein tüchtiger Schwim⸗ mer und muß ſich auf ſich ſelbſt verlaſſen, wenn er eine Rettung noch hoffen will. Die Gewalt des Sturmes läßt ihn nicht an's Land, und ſo ſchwimmt er drei Nächte und drei Tage um und um. Es dunkelt bereits am dritten Tage und immer iſt die See noch bewegt. Kein Schiff, kein Boot, kein Nachen zeigt ſich dem faſt ſchon verzweifelnden Manne. Da wirft ihn endlich eine Welle an das Land, dem er näher war, als er geglaubt: eine halbe Stunde nördlich von Stockholm iſt er an's Land getrieben worden.

Entſchuldigen Sie, das iſt doch nicht möglich, ſagt der fremde Mann.

20