Heft 
(1861) 5 05
Seite
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150 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

gaben und Einnahmen auszugleichen. Falſches Geld, grauſame Proceſſe, man wandte Alles an ver⸗ gebens. Die Alchymiſten verſprachen und konnten das Verſprechen nicht halten. Der Fiskus fraß wie ein hun⸗ griger Löwe die Juden, die Mauren, und von dieſen reichen Biſſen blieb ihm Nichts zwiſchen den Zähnen.

Den Völkern erging es nicht beſſer. Ausgehungert und abgemagert verlangten, ſchrien ſie nach Gold.

Man kennt die köſtliche Geſchichte von Sinbad, dem Seefahrer. Der arme Tagelöhner Hindbad hört, als er, Holz auf dem Rücken, die Straße daherkommt, aus dem Hauſe Sinbad's, des großen Reiſenden, den Lärm fröhlichen Gelages ertönen. Er vergleicht ſich mit dem Glückspilz und Neid erfüllt ſeine Bruſt. Aber der Andere erzählt ihm Alles, was er erduldet hat, um ſein Ziel zu erreichen. Hindbad iſt über dieſen Bericht er⸗ ſchrocken. Der Geſammteindruck der Geſchichte übertreibt die Gefahren, aber auch die Vortheile dieſer großen Lotterie, und kann den ſeßhaften Arbeiter nur von ſeiner Arbeit abſchrecken.

Das Märchen, das im 15. Jahrhundert alle Köpfe verbrannte, war eine Wiederaufwärmung der Fabel von den Hesperiden: ein Eldorado, ein Gold⸗ land, das man nach Indien verlegte und für das Para⸗ dies hielt, deſſen Stätte man noch immer auf Erden wähnte. Es handelte ſich nur darum, es zu finden. Im Norden ſuchte man es nicht und benutzte deßhalb die Entdeckung Neufundlands und Grönlands ſehr wenig. Gegen Süden hatte man dagegen in Afrika ſchon Gold⸗ ſand gefunden. Das ermuthigte.

Die Scholaſtik des Mittelalters erſchwerte dieſe Entdeckungen ungemein. Man philoſophirte, ehe man handelte. War das Goldland das Paradies oder nicht? war es bei den Antipoden? gab es Antipoden? Bei dieſem Wort legten ſich die Schwarzröcke ins Mittel und erinnerten ihre gelehrten Kollegen daran, daß die Kirche die Doktrin von den Antipoden ganz ausdrücklich für ketzeriſch erklärt habe.

Eine große, nicht leicht zu beſeitigende Schwierigkeit.

Man entdeckte Amerika ſo langſam, weil man ſich vor dieſer Entdeckung ebenſo ſehr fürchtete, als man dieſelbe herbeiwünſchte.

Kolumbus war ſeiner Sache ziemlich gewiß. Er war ſelbſt in Island und hatte Erkundigungen einge⸗ zogen: andererſeits ſagten ihm die Basken Alles, was ſie über Neufundland wußten. Ein Galicier war dort geweſen, hatte ſogar längere Zeit in dem Lande ge⸗ wohnt. Kolumbus nahm zu ſeinen Steuerleuten Männer aus Andaluſien, die Pingon, die man für mit den Pingon von Dieppe indentiſch hält.

Dieſer letzte Punkt iſt wahrſcheinlich. Unſere Noß mannen und Basken, Unterthanen Kaſtiliens, waren in beſtändigem Verkehr. Es ſind die, welche man Kaſtillanen nennt, welche unter dem Normannen Béthencourt die berühmte Expedition nach den Kanariſchen Inſeln machten. Unſere Könige gaben den zu Honfleur und Dieppe etablirten Kaſtilianern Privilegien; und dafür hatten die Diepper Komptoirs zu Sevilla.

Weder Basken noch Normannen hätten auf ihren

Namen von Kaſtilien die Autoriſation erhalten. Es bedurfte dazu eines geſchickten und beredten Italieners, eines halsſtarrigen Genueſen, der die Sache fünfzehn Jahre lang verfolgte, die Gelegenheit ergriff und jedes Hinderniß aus dem Wege räumte. Es war der Moment, wo die Vertreibung der Mauren Kaſtilien ſo theuer zu ſtehen kam; wo man mehr als jemals nachGold ſchrie. Der Italiener wußte dieſen einzigen Augenblick auszubeuten. Er war frommer als die Frommen. Er handelte für die Kirche: man redete Jſabellen ein, ſie dürfe ſo viele heidniſche Nationen nicht in der Nacht des Todes laſſen. Man demonſtrirte ihr klärlich, daß das Goldland entdecken mindeſtens ebenſo verdienſtlich ſei, als die Türken verjagen und Jeruſalem wieder⸗ erobern.

Man weiß, daß von den drei Fahrzeugen die Pingon zwei ausrüſteten und ſelbſt führten. Sie ſegelten vorauf. Der Eine täuſchte ſich; aber die Andern, Fran⸗ Lgois Pingon und ſein jüngerer Bruder Vincent, Steuer⸗ mann des Schiffes Nina, machten Kolumbus ein Zei⸗ chen, daß er ihnen nach Südoſten folgen ſolle.(12. Okt. 1492.) Kolumbus, welcher gerade nach Weſten ſchiffte, hätte den Antillenſtrom in ſeiner Vollkraft getroffen. Er hätte dieſe flüſſige Mauer nur mit großer Schwierig⸗ keit überſchritten. Die Pingon dagegen, welche vielleicht darüber Traditionen hatten, ſchifften, als ob ſie den Strom ſchon kannten. Sie bogen weiter nach Süden ab, wo die Paſſatwinde von Afrika nach Amerika die Reiſenden an die Ufer Haiti's trieben.

Dies iſt durch das Tagebuch des Kolumbus, wel⸗ cher eingeſteht, daß die Pingon ihn führten, konſtatirt.

Aber der eigentliche Urheber der Unternehmung und der heroiſche Vollbringer, der Mann, welcher das große Hinderniß des religiöſen Aberglaubens beſeitigt, und durch ſeine Beredſamkeit, Gewandtheit, Ausdauer die Unternehmung zu Stande gebracht hatte, war Ko⸗ lumbus und Kolumbus allein; er verdient den Ruhm, den ihm die Nachwelt ausgezahlt hat.

Ich glaube mit Jules de Bloſſeville, daß in der Reihe dieſer Entdeckungen die einzig wirklich große That die Umſchiffung der Erde durch Magellan und ſeinen Steuermann, den Basken Sebaſtian del Cano, war.

Die brillanteſte und zugleich leichteſte war die Ueberſchiffung des Atlantiſchen Oceans unter dem Hauch der Paſſatwinde und das Wiederfinden des ſchon lange im Norden gefundenen Amerikass.

Noch weniger rühmlich war es, daß die Portu⸗ gieſen ein ganzes Jahrhundert brauchten, um die Oſt⸗ küſte Afrika's zu entdecken. Unſere Normannen hatten in ſehr kurzer Zeit die Hälfte gefunden. Ungeachtet deſſen, was man von der Liſſaboner Schule und der lobenswerthen Ausdauer des Prinzen Heinrich, der ſie gründete, geſagt hat, bezeugt die Relation des Venetia⸗ ners Codamoſto die geringe Geſchicklichkeit der portu⸗ gieſiſchen Steuerleute. Sobald ſie in Bartolomeo Diaz, der das Kap umſchiffte, einen wahrhaft genialen Mann hatten, erſetzten ſie ihn durch Gama, einen großen Herrn aus dem königlichen Hauſe, der vor Allem Krieger war. Sie waren eifriger auf Eroberung und Gewinn, als

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