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(1861) 5 05
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Louiſe Meunier. 137

mit welchem die goldgelben Strahlen der Sonne ſich zu einem Farbenſpiel vereinigten, deſſen mannigfaltiger Zauber jedem Verſuche, ihn in Worte zu kleiden, be⸗ harrlich trotzt.

Dieſes prächtige Naturſchauſpiel feſſelte gleichzeitig Renés und Louiſens Blicke, und ſteigerte ihre be⸗ geiſterte Liebe höher und höher; alles um ſie herum war ſtill, nur die kleinen Vögel vernahm man noch von Zeit zu Zeit, bis auch dieſe endlich verſtummten.

René betrachtete ſeine angebetete Louiſe und wagte es endlich, mit einer unendlich zarten Sehnſucht in ſeinen ſchönen Augen, ſich mit ſeinen Lippen ihrem Munde zu nähern... aber ſie wehrte ihn ſanft von ſich. Sie glaubte das war vielleicht ein unſchuldiges Vorurtheil daß einen Kuß geben ſo viel heiße als ſich ganz ergeben. Ihr Blick trübte ſich; ihre Weigerung that ihr ſelbſt weh, obgleich ſie dieſe Grenze der Scham nicht überſchreiten konnte. René aber war über die kindliche Reinheit ſeiner Geliebten, die er ſo tief ver⸗ ehrte, ganz außer ſich; er bat ſie um Verzeihung, daß er ſo weit gegangen ſei. Um ſeine und ihre Aufregung zu beſchwichtigen und ſie und ſich zu zerſtreuen, griff er zu ſeinen gewohnten muntern und geiſtreichen Abſchwei⸗ fungen. Dann ſetzten ſie ſich in Bewegung und ſpazierten die Allee auf und ab, während Rensé ſich nur hier und da unterbrach. Louiſens Herz ward ruhiger und ſie ſchaukelte ſich entzückt in ihrem Glücke, wie ein Nachen, der Anker geworfen und von den Wellen ſanft hin und her getragen wird.

Plötzlich wurden ſie durch leichte Schritte auf der ſandigen Straße aufgeſchreckt. Louiſe erblaßte.

Was iſt das? frug ſie.

René gewahrte die ſchlanke Geſtalt der Gräfin.

Meine Mutter kommt, ſagte er,warum iſt ſie zu dieſer Stunde ausgegangen? Das iſt ſonſt nicht ihre Gewohnheit.

Mit dieſen Worten wollte er Louiſe auf einen Seitenweg ziehen.

Nein, ſagte ſie entſchloſſen;es thut mir leid, wenn ich mich kompromittirt habe, aber ich werde mich nicht ſo weit erniedrigen, mich zu verſtecken.

Sie gingen Madame Bourgueville entgegen; Louiſe grüßte ſie reſpektvoll.

Ach, Fräulein! ſagte René's Mutter in ironi⸗ ſchem Tone,nach dem ſchlechten Empfange, den man Ihnen einmal hier bereitet hat, wieder kommen, das iſt wirklich großmüthig.

Meine Großmuth iſt vielleicht nur Egoismu ich komme her, um ihre herrlichen ſchattigen Anlage benützen.

Ja, ich weiß, daß das Promeniren hier an iſt, und wenn die Stelldicheins, die man ſich h auch mitunter gefährlich ſind, haben ſie vielle ihren Reiz.

Das muß ich zugeben, Madame, ſagte Louiſe etwas ärgerlich;ſonſt würde ich nicht das Vergnügen haben, Sie hier zu finden.

Ich, ich gehe nur hier vorbei; ich will übri⸗ gens in Ihrer Geſellſchaft nicht ſtören. 6

Erinnerungen, LXXXII. 1861. 1

Bald darauf war Madame Bourgeville ver⸗ ſchwunden; René und Louſſe ſetzten ſchweigend ih⸗ ren Weg durch die Allee fort, die ſie zu einer kleinen Thür des Parks führen mußte, durch die man in's Freie ge⸗ langte. Louiſe war verletzt, aufgeregt, enttäuſcht, und René ahnte, was in ihr vorging. Als ſie das Freie er⸗ reicht, ſetzte ſich Louiſe auf die Erde nieder, denn ihre Ermattung erlaubte es ihr nicht, noch weiter zu gehen.

Was fehlt Ihnen? ſprach René zu ihr.Ver⸗ urſacht die Begegnung meiner Mutter Ihnen ſo viel Kummer und Sorge? Fürchten Sie etwa von ihr der Leichtfertigkeit beſchuldigt zu werden? Beruhigen Sie ſich; die offene Erklärung, die ich ihr von meiner Liebe machen werde, wird einen ſo beleidigenden Verdacht ſchwinden machen.

Louiſe zitterte; ſie hatte René zu ihren Füßen geſehen; ſie hatte ſich mit unausſprechlicher Zärtlichkeit angebetet geſehen; aber das WortLiebe hatte ſie bis dahin noch nicht vernommen; das ſchien ihr eine ganz neue Entdeckung. Gleichwohl rief ſie mit lebhafter Stimme:

Nein, nein, machen Sie dies Geſtändniß Ihrer Mutter nicht.

Warum denn nicht? frug René überraſcht.

Weil ſie Sie jetzt entdeckt hat, mir nicht traut und mich bereits haßt. Vielleicht ſtehe ich ihren Hoff⸗ nungen und ihrem mütterlichen Stolze im Wege. Er⸗ ſparen Sie ſich die Mühe, mich bei ihr zu rechtfertigen. Ich kenne dieſe tugendhaften Frauen, die egoiſtiſchen Mütter; ſeien Sie verſichert, was ſie fürchtet, iſt eben nur, ich möchte Ihre Geliebte oder Braut ſein.

Während ſie dieſe Worte ſprach, in welchen die ganze Bitterkeit ihrer Seele ſich ausdrückte, war Louiſe voll Stolz und Ironie. Da war ſie nicht mehr die ſchüch⸗ terne, furchtſame Louiſe, ſondern das im Unglück be⸗ reits gereifte Weib, welches mit ſicherem Blick die Tiefe der Leidenſchaften und die Geheimniſſe der Seele er⸗ kennt. René gab ſich alle erdenkliche Mühe, ſie zu be⸗ ruhigen, zu tröſten; er wiederholte ihr, er werde die Mutter ſchon für ſeinen Entſchluß gewinnen; dieſelbe habe ihm, ſetzte er hinzu, noch nie bis dahin die Erfül⸗ lung auch nicht eines einzigen Wunſches abgeſchlagen.

Das wird alles nichts nützen, erwiederte Louiſe.

Das iſt nur Entmuthigung, wenn Sie ſo ſpre⸗ chen, ſagte René;zerſtören Sie nicht Ihr Glück, Sie werden lieben und unvermerkt von Allen geliebt werden.

Ich will nur Sie lieben, antwortete ſie in einem ſo tiefen Tone, daß René ordentlich erſchrak.

Ach, armes Kind! rief er aus;wenn Sie aus unſerer Liebe ein Geheimniß machen wollen, wie werden wir dann leben? Was ſoll das für ein Glück ſein?

So wie wir heute gelebt haben, in der Lauterkeit unſerer Gefühle: nicht mehr und nicht weniger. Seien wir geduldig und ergeben bis zur Erſchöpfung unſerer Kräfte; Gott allein weiß, ob wir uns vereinen oder auf immer trennen müſſen.

Rens fühlte es hier zum erſten Male, daß es ein tiefes unheilbares Unglück in dieſer Seele gab, die von

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